Ausgabe 
13 (23.10.1853) 43
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bctheiligte sich auch auf'S eifrigste, und eS erschien manchem schwer erklärlich, auswelcher Ursache die zahlreiche Chrkstenschaft der Metropolilanstadt München hier sospärlich vertreten war, da doch unsere Zeit, und vielleicht noch mehr die nächste Zu-kunft dem Priester in einer großen Stadt so manch' schweren Kampf bietet, zu welchemsich geistig zu waffnen der hochwürdigste Herr Erzbischof seinen KleruS so dringendund rührend väterlich geladen hatte. Doch ferne sey hier, ein^ unS nicht zustehendUrtheil zu fällen, jeder wird wissen, was ihn hinderte. Doch weiter in unserer Schil-derung. Das feierliche und so fruchtbare' Schweigen wurde nur gelöst durch Gebetoder Gesang. Abends tönte daS bekannte tiefergreifende mehrstimmige Miserere vordem ausgesetzten heil. Sacramente, und nach dem Abendtische hatten dießmal auch einigePriester, die seit mehr denn zehen Jahren der ernsten Seelsorgsbahn des lieben Se-minars noch nie vergessen, wieder in wohlthueuder Erinnerung jenes sorglosen brüder-lichen BeisammenseynS ihre altgewohnten Tischgesänge:Mima in mortis kor» liliumpro nodis ors" undO Lsmctissim»!" angestimmt, und freudig heimisch tönte eS vonallen Anderen wieder. Besonders aber, als am ersten der Communivntage statt dieserLieder daö einfache:Himmelsau, licht und blau :c." z»m Lobe des SacramenteS derLiebe Jesu gesungen wurde, da sah man manches Auge mehr nnd anders denn sonsterglänzen und aus tiefem Herzen stimmten Alle ein in das Lob dessen, den niemandganz loben kann!

Am Donnerstag den 13. um 7 Uhr hatten sich alle Erercenten in der CapelledeS heil. Maximilian unier der Domkirche versammelt, wo wieder das Haupt des heil.Corbinian erponirt war. Se. Ercellenz der hochwürdigste Herr Erzbischof las hierdie heil. Messe, und ehe er die Communion spendete das lebendige Brod desewigen Lebens in hochgehobener Hand, hielt er au die auf ihre» Knieen liegendenPriester eine tiefergreifendc Anrede, welche mit der Erweckuug der drei Haupttugendenund dcS Vorsatzes schloß. Gewiß kein Auge blieb hier trocken!

Zum Schlüsse gab der erfahrungsreiche Pater noch äußerst praktische Grundsätzezur bleibenden Besserung, die er mit den vier t? (tuMre msla, lscoro doris usne, terrepstienwr msls, I'erri ac> meliois) dem Gedächtnisse einprägte. Nach dem Schlußvor-trage sprach ihm der Herr Pfarrer Meirner von Ebersberg niit innig gefühlten priester-lichen Worten den Dank aller Anwesenden aus, versprach und erbat das gegenseitigeGebet, und rief Alle auf, in seinen frohen Dank einzustimmen. Das le Deum undder Segen mit dem allerheiligsten Sacramente schloß diese feierlichen gnadenreichen Tage.

Waö sollten wir nun geben, zum Danke für so viele Geistesfrcuden? Goldund Silber lohnt hier nicht wir gaben also das Beste, was wir hatten, indem wiruns sämmtlich verpflichteten, die nächste heil. Messe nach den Erercitien für SeineErcellenz unseren hochw. Herrn Erzbischof aufzuopfern und für den guten Vater Rinn,damit Gott Ihnen vergelte, was sie für unser Seelenheil gethan, dabei verpflichtetenwir uns auch gegenseitig einander zu gedenken, daß wir Früchte, würdige Früchtebringen möchten. Das Circular, nutendem Motto:^seiueus eontritus est et nosliberati sumus",Leee eZo meres5 tus magns vimiz" ward von allen frenndlichstunterzeichnet und dem guten Pater Rector zum Abschiede eingehändigt.

So segne denn Gott diese schönen Tage für uns und die uns anvertrautenSeelen, daß sie ein gut Samenkorn seyen und vielfältige Frucht trage». Mögen baldwieder solche Gnadenstunden wiederkehren, damit auch so vielen, die nicht beiwohnenkonnten, dieselbe Freude des Geistes werde, derselbe Friede ihr Herz überströme, wiees uns ward! 5) ^. N.

*) Sehr zu wünschen wäre aber, wenn solches nicht unbescheiden oder vorgreifend gegen dieWeisheit unseres hochw. Oberhirte» erscheint, wenn bei künftigen Erercitien die Zeit von Monttig bisSamstag genommen werde» etwa, allenfalls noch Sonntag Abends begonnen werden könnte. Eswar auch Heuer wieder der Fall, daß einige am Sonntage nach Hause mußten, wodurch ihnen die sowichtigen und tiefergreifenden Vortrage über die Sünde und die nähere Vorbereitung zur heil. Beichtganz verloren gingen. Andere tonnten erst Montags erscheinen, uud verloren so die sämmtlichen Fun-damcntalvorträge. Dieß nach der vielseitigen Aeußerung Beteiligter doch sslvo metiori et sslvsodeetientia! >