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Makel, damit sie seine unbefleckte. Braut sey, und Er sie einst ausnehmen könne inseine Herrlichkeit. Amen.
Gegeben am Tage der Geburt Maria, der Mutter GotteS, den 8. Sept. 1853.
Die GeisteSerneuerungSstundcn tn Freistng vom 7 IS.Oet. 18SS.
f Wenn auch bei so erhabenen und tiefeingreifenden Ereignissen, wie die Geistes-erneuerung einer nahe an hundert gehenden Zahl von Seelsorgspriestern ist, allerAnstoß und erster Ruf Golt allein zuzuschreiben ist, der sie in die Einsamkeit führt,um zu ihrer Seele zu reden; so dürfte doch auch das Werkzeug, welches Goites er-barmenSreiche Weisheit hiezu verwendet, nie ganz als zufällig betrachtet werden. Ob-wohl eS die wahre »„geheuchelte Demuth des edlen Greisen Pater Rector FriedrichRinn nie glauben wird, so muß eS aber doch zur Steuer der Wahrheit und zurEhre Gottes, der diesem treuen Diener so große Gnaden gibt, gesagt werden, daßsein Name, der in so vielen Priesterherzen unserer Erzdiöcese seit dem Jahre 1851 mitliebender und danlbarer Erinnerung eingeschrieben blieb, eS vor allem war, dessen sich -Gott bediente, um so viele Priester wieder in die heurigen Erercitien zu rufen. Hatteer ja so wärmend damals geredet, daß man von ihm wohl auch sagen konnte, wasder Kirchenvater vom heil. Johannes schreibt: sructsvit, quocl dilierst ex eorclv ^esu!Daher kamen so manche, die im Jahr 1851 ihn gehört, und ihm so viel verdankengelernt, auch Heuer wieder, andere aber entbehrten wohl nur darum— vielleicht nichtohne Schmerz — die Freude, den „lieben alten Pater" wieder zu hören, mit ihm zubeten, zu seufzen, zu versprechen, „mit ihm die Erercitien zu machen" wie er'S jawill — (da er nicht Magister, sondern Mitbüßer seyn will,) — um ihren Hilfsprie-stern oder Nachbarn und Amtsbrüveru diesen Geistesgenuß möglich zu machen!
Und so waren am 7. Oktober Abends bereits 38 Priester im Seminar gegen-wärtig, die sich in den folgenden Tagen auf 93 mehrten, und man konnte beim ersteneinleitenden Vortrage die verschiedenartige Gcmüthsstimmung in den auf den eintre-tenden Pater gerichteten Blicken sehen, bei den schon Bekanntgewordenen die heiligeFrendc des Wiedersehens, bei den Neuerschienenen die gespannte Begier, den Mannzu sehen, der mit dem Schwerte der einfachsten Demuth Gott schon so viele Herzeneroberte!
Er begann mit seiner Sendung, aus der er alle Kraft, alle Zuversicht sich ab-leitete, und ging dann in gewohnter Ordnung, streng dem heil. Vater Jgnatius folgend,die wichtigen Materien mit Sicherheit und pemnthkrästiger Meisterschaft durch, aus-gehend von der Parabel des Säemaimes erklärend das „k'unclsmevwm" der heil. Jgna-lianischen Erercitien, und alles was sich ihm anschließt nach der Reihe des Erercitien-büchleins. Tieferschütterud wirkten die Vortrage über die Sünde und die Liebeöreue—und das beste Zeugniß mochte wohl der Zudrang der Beichtenden zu dem greisen Paterseyn, der ihn nöthigte, drei Tage lang alle freien Stunden bis in die Nacht der Be-ruhig»:^ belasteter Seelen zu weihen, wa? l,r auch mit rührender Aufopferung, Geduldund Liebe trotz seiner hohen Jahre und abnthmcnden Kräfte that. Auch bei den an-deren eifrigen HH. Beichtvätern gab es aber der Arbeit genug, und besonders tröstenderscheint für die Fruchtbarkeit dieser Tage, daß fast keine Beicht unter einer sonstlangschemeuden Zeit vollendet, sohin der lebendige Eifer gewiß recht sichtbar war.Die Communiontage waren, mit dem Diamantenkranze vieler Thränen aufs glänzendstegeschmückt. Allgemein freudige Aufnahme fanden wieder die' vertraulichen Unterre-dungen ^- cvnsiclei-aticinös — wo der edle Pater mit der liebenswürdigsten, oft selbstnaiven Einfachheit die tiefsten Fundgruben praktischer Seelenkenntniß öffnete, und gewißsegensreiche Einflüsse auf die Leitung vieler Seele» übte.5) Der ruhige Ernst, dieviele» freiwillige» Andachten, indem die Cavelle keine Stunde deS TageS bis zum spätenAbend leer war — alles das können mir gute Zeichen seyn! Der Stadtklerus Freisings
Besonders ausgezeichnet waren die Anleitungen zum Meditiren und der Aortrag über die Demuth.