Ausgabe 
13 (23.10.1853) 43
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Ueber Geisteskrankheiten in Syrien .

Man unterschei'pet in Syrien zwei Formen des Wahnsinnes: Krankheit undBesessenheit. Bei jeder Erkrankung wird ein Arzt und eiu Priester zugezogen, um zuentscheiden, ob der Mensch Arznei bekommen oder erorcisirt werden soll. So mußtev,-. Forest zu wiederholtmmalen mit einem Mönch, einer Nonne oder einem Priesterzusammentreffen. Die Freunde der Irren versuchen gewöhnlich zuerst eine Art medi-cinischer Behandlung, besonders Luftveränderung, wodurch schon viele gebessert worden.Nutzt dieß nichts, so wird der Kranke in eine Moschee oder in ein Kloster geschickt,um den Teufel austreiben zu lassen. Das Merkwürdige dieserretrests tor tue inssne"(Zufluchtsorte für die Geisteskranken) ist der Berg in der Nähe von Tripoli, ein Ma-ronitenkloster, dem heiligen AntoniuSl gewivmet und sehr reich. Der Raum für dieIrren ist eine natürliche Höhle, wo das durch das Dach tröpfelnde Wasser Stalak-tite» in verschiedener Form hervorbringt. Diese fortwährende Neubildung von Gesteinist für die Eingeborncn ein Zeichen, daß der Ort wunderwirkende Kraft besitzt; derKranke wird hier mit einer Kette und einem hölzemen Halöringe angeschlossen. Ererhält Brod und Wasser als Nahrung, und die sonstige Behandlung besteht in Ge-beten, Prügeln.und Exorcismen. Gelingt die Kur, so bekommt der Heilige ein Dank^gebet und das Kloster ein Geschenk. Gelingt sie nicht, so ist dieß ein Zeichen, daßeS eine Krankheit ist und keine Besessenheit, und da die Höhle bloß die Kraft hatTeufel auSzutreiben, so wird der Kranke entlassen. Die Höhle ist die berühmteste derArt und Kranke aller Religionen suchen dort Zuflucht. Zuweilen unternimmt einMönch die Kur im Hause des Kranken oder sperrt ihn in eine Dorfkirche ein. Dr. Foresthatte Gelegenheit, einen derartigen Fall zu beobachten. Eine Frau von mittlerem Altermit erblicher Anlage zum Wahnsinn erlitt während deö Wochenbettes einen neuenAnfall. Ein benachbarter Mönch erklärte sie für besessen. Nachdem er gebetet, siemit Weihwasser besprengt und dem Geist befohlen hatte sie zu verlassen, wurde sieruhig; er erklärte sie für geheilt, aber am folgenden Tage war sie ebenso schlecht wievorher. Der Mönch kam wieder und fing an sich mit dem Teufel zu unterhalten.Wie heißt Du, verfluchter Geist?" Die Kranke gab den Namen ihrer nächstenNachbarin an.Wo lebst du»" Im Grabe.Woher kamst Du, ehe Du in diesesWeib einfuhrst?" Aus dem Ofen.In welcher Form?" Als Katze.Wogingst Du hin, als Du sie gestern verlassen?" Auf's Dach um sie zu versuchen.Der Mönch erklärte, diese Art könne bloß durch Gebete ausgetrieben werden, undversprach drei Tage zu fasten. Die Kranke wurde inzwischen in die Kirche eingesperrt.Der Mönch sagte dann, er habe so lange gefastet und hielt viele Unterredungen mitdem bösen Feind, wobei die Antworten auf ähnliche Art wie oben erfolgten, ver-fluchte hierauf laut den Geist, und als die Kranke ruhig geworden war, verlangteer, um den Teufel noch zu versuchen, sie solle seinen Schuh küssen, denn dieß seydie niedrigste Art der Demüthigung und Stolz ein Hauptcharakterzug deS Teufels.Sie weigerte sich, da verfluchte er sie und stieß und schlug sie endlich so heftig miteinem Schuh auf den Mund, daß sie blutete u. f. w. Schließlich erklärte er, manhätte lieber einen Doctor rufen sollen, das Weib leide an Melancholie. Die KrankegenaS unter der Behandlung des vr. Forest. ' (Ausland.)

Bosnien

Die katholische Bevölkerung Bosniens wird aus 12,000, die in der Herzegowinaaus 50,000 Seelen geschätzt, für welche nicht mehr Gotteshäuser als drei Klöster undzwei Kirchlein. vorhanden sind. Der Gottesdienst wird größtentheils in Ställen undauf offenen Kirchhöfen abgehalten. Zur Erbauung eines Klosters und eines Seminarswird jetzt in ganz Oesterreich ' gesammelt.

Verantwortlicher Redacteur: L, Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. <5. Kremer..