Ausgabe 
13 (6.11.1853) 45
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Und fehlen etwa in der Gegenwart die Zeichen und Wunder, durch welche sichder Herr verherrlichet an seiner heiligen Sache? Geliebte Mitpriester und Diöcesanen!denkt an den Zustand der Kirche vor wenigen Jahrzehnten und Ihr müsset gestehen:die Ketzerei unserer Zeit, der Irrthum unseres Jahrhunderts, die heillose Vermischungder Wahrheit und der Lüge, mit einem Worte, der Jndisferentismns, welcher hinterdem schönen Namen christlicher Duldsamkeil die allerkläglichste Gleichgiltigkeit gegendie Religion verbirgt und zu dem sichern Tode alles Glaubens und alles Cultes führt,hatte sein Sumpfwasser auch über unsere Provinz ausgegossen und frisches kirchlichesLeben gelähmt. Alles, Erziehung und Unterricht, Beispiel und Presse, Katheder uudKanzeln arbeiteten dafür. Bereits galt die Kirche für ganze Schichten und Standeder Gesellschaft nur noch als eine Anstalt, die man eben duldete, gewisse Bräucheeines ehrwürdigen christlichen Herkommens durch sie abthun zu lassen; als eine Admi-nistration für pomphafte Leichenbegängnisse uud Feierlichkeiten; als eine erkäuslicheDieiurin, die gegen baare Erkenntlichkeit Allen zu Dienst sey, während sie jedeAeußerung der Selbstständigkett und des eigenen Lebens als ein Verbrechen gegendie allgemeine Ordnung' büßen mußte. Schon sollte die letzte Hand an das Werkgelegt werde«, da sprach der Allmächtige sein: bis Hieher und nicht weiter! Und siehe,in der Zeit allgemeiner Verwirrung und Auflösung erhob die Braut Christi ruhig ihrHaupt, sammelte ihre Kinder um ihre Fahne, das Kreuz; wieß Blicke und Herzeuihrer Gläubigen aus dem Meere der Vereitlung und sinnlichen Betäubung zum Him-mel hinauf; rief ihre Bischöse zur Berathung dessen, was Noth thut, nach Würzburg und Wien ; erkrästigte ihre Priester in dem geistigen Bade heiliger Uebungen uudgemeinsamer Andachten; entsendete ihre Missionäre durch die Länder und stiftete zahl-reiche Congreganonen, die, wie durch ein Wunder erzeugt, den Heldenmull) deS Glau-bens in die erschlafften Herzen zurückriefen. Man haßt sie, aber nur darum, weilman sie nicht gering achten kann. Man verfolgt sie, aber nur darum, weil man siefürchten muß. Mau verleumdet sie, aber nur darum, weil man sie nicht zu besiegenvermag. Man bekämpft sie in dem alten Geiste, der bequeme Vorurthcile nie verlerntund unbequeme Wahrheiten nie erlernt und dem alle, auch die abgebrauchtesten Waffen,recht sind. Man tadelt ihre Einrichtungen, Uebungen und Gesetze und ahmt sie dochnach. Und siehe, mitten in diesen Erscheinungen erhebt eine geläuterte Wissenschaftihre Stimme für die verkannte Krcuzträgerin; ersteht eine christliche Kunst, würdigder Zeiten ihrer reinsten Blüthe; offenbart sich eine Frömmigkeit, die nie aufrichtigerwar, weil sie nie mehr versucht wurde, zeigt sich von vielen Seiten ein Opfersinn,der, weil er über der Welt seinen Quell hat, von den Täuschungen der Welt nichterreicht und'irre geführt wird; trennen sich endlich die Gegensätze in der Gesellschaft,uud während der eine Theil in der Verbleudung des HochmulheS und der Sinnlichkeitalle irdischen Mittel in Anspruch nimmt, alle irdischen Besitzthümer an sich reißt, alleirdische Macht zu Hilfe ruft, zieht sich der andere demüthig zurück in daS geistige Ge-bier des Glaubens und sammelt sich um die verlassenen Altäre seiner Väter. Die Zeitnaht schnellen Schrittes, da Alle sich entscheiden müssen, für oder wider Christum,für oder wider seine Kirche und der lang bereitete, lang geahnte, kaum mehr abzuwen-dende Kampf beginnt, aus welchem eine neue Periode in der Weltgeschichte sich ent-wickeln wird. Ich weiß eS, dieser Kampf wird schwer, wird gewaltig seyn eineBußtaufe vielleicht für die Sünden unserer Väter und für die eigenen Sünden; aberich weiß auch, daß das letzte Ziel der göttlichen Weltregierung bei.Allem, was ge--schieht, die Verherrlichung der Kirche ist, und daß der Herr jetzt, wie einst sichseinesiebenlausend Mann übrig läßt, die ihre Kniee vor dem Baal nicht gebeugt haben uudbeugen werden.« Darum ergreife ich mit christlichem Muthe meinen Hirtenstab undsetze ihn ans den Fels, der da ist Christus, und bin deß getrost und sicher, daß dieserGrund nicht weicht und wankt und rufe mit dem Apostel: Ich verzage nicht!

Ja, geliebte Priester und Diöcesancn! die Zeit ist drohend und schwere Wetter«Wolken lagern ringsumher, so daß mit ernstem und besonnenem Sinn Niemand ohneBangen in die kommenden Tage blicken kann. Aber die Zeit ist auch reich an Zeichen,