Ausgabe 
13 (6.11.1853) 45
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die recht augenfällig verkünden, daßDer, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmelund auf Erden," und Der daherrschen mnß, bis Er'alle seine Feinde unter seineFüße lege," über seiner Kirche wacht und über ihren Getreuen; und daß es ein wahresund wahrhaftiges Wort ist, das der heilige Augnstin gesprochen:die Welt ist einmalChristo nnterworfen, aber nicht durch vaS Eisen, sondern durch das Wort und dasKreuz." Wollt ihr nun bestehen in dieser Zeit und dem Kampfe, durch den sie Euchfuhrt, so weiß ich Euch eine bessere Mahnung'nicht zu geben als, welche die KircheEuch täglich von ihren Altären zuruft: Sursum vor6»! Auswärts die Herzen!Immer ist sie das LoosungSwort der Christen gewesen auf dem Wege durch die Wüstein das gelobte Land; wann sollte sie es mehr seyn als in einer Zeit, in welcher Allesdaran arbeitet, die Blicke und Herzen der Sterblichen niederzuziehen in den Ltaubder Erde.

Auswärts die Herzen! r.ufe ich Euch darum zu, Ihr Priester, die Ihrnicht nur selbst den Weg wandeln sollt, der auS der Tiefe in die Höhe geht, dieIhr berufen seyd, ihn auch Andere zn fuhren. Denn Ihr liabr eS auf Euch genom-men: das Werk eines Gottes auf Erden fortzusetzen; das Kreuz Christi eben so durchEuer Leben als dnrch Euer Wort leuchten zn machen und unter dem doppelten Einflußeiner göttlichen Gnade und einer heiligen Wissenschaft den Tcmpelbau deS Allerhöchstenin der Menschheit herzurichten. Ihr habr eS auf Euch genommen: selbst schwach,-allcn Schwächen zu entsagen; im Fleische geboren, ein geistiges Leben zu fuhren; demschwersten Gerichte unterworfen, Andere im Namen GotteS zu richten und zu bindenund zn lösen. Ihr habt es auf Euch genommen: von Leidenschaften ringS umgeben,keine Leidenschaft zu theilen und vom Unglaube» verspottet, vom Hochmuth verachtet,von der Unduldsamkeit verfolgt, der Welt daö Vorbild eines Gerechten zu zeigen, d?rdas Gute thur, daö Böse hindert, die Beleidigungen verzeiht, die Bedrückten erleich-tert, die Bekümmerten lröst/t, die Schwachen stützt, die Sünder bekehrt. Welch eineAufgabe! Dreimal Heil Allen, die sie vollbringen. Dreimal Wehe Allen, die Andern,statt znr Erhebung, zum Falle werden. Darum hinweg auS dem Heiligthume mitallem Aergernisse, mit aller Selbstsucht, mit allem eitlen und halben Wesen. Gott allein und seiner heiligen Sache gehöre Eure Liebe, Eure Kraft, Euer Leben.

Aufwärts die Herzen! rnse ich Dir zu, Adel von Schlesien : denn DeinBeruf ist, Dich zu schaaren wie um den Thron, so um den Altar; zu steheneine feste Mauer um Beide, und zn leuchten ein undurchdringlicher Schild der Gerech-tigkeit nnd Treue. Nuu sehe ich wohl, wie Du Dich sammelst und drängest um DeinenKaiser und Herrn, und ich preise Gott dafür; aber stehest Du eben so treu und eifiigzu dem Oberhaupte Deiner Kirche? Ich finde Deine Sohne wohl in den Reihen desHecrcS, und mein Herz freut sich daran; aber darf ich sie auch suchen unter denDienerndes AllarS? Du schaffst und sorgst viel und emsig um das Wachsthum einesirdischen Reiches, aber bist Du mich eben so lhätig für die Zunahme des ReichesJesu Christi? Blicke zurück in die Geschichte unserer Diöcese: wie viele edle Kirchcn-sürsten, wie viele fromme Priester sind anS Deinen alten Stämmen hervorgegangen.Schaue hinaus auf die vaterländischen Fluren und siehe die Thürme der GotteshäuserauS den Flecken und Dörfern sich erheben, Deine Urväter haben sie gebaut zur Ehredes Herrn. Noch ist daö Land auf den Höhen und in den Tiefen bedeckt mit denDenkmalen ihrer Frömmigkeit. Welteiferst Dn mit Deinen Ahnen? Ach, wir dürfenund können eS uns nicht verbergen, wie, als die Apostel deö Unglaubens den sieben--armigcn Leuchter im Heiliglhume zerbrochen und an seine Stelle die Grubenlampeihrer eigenen befangenen Vernunft gestellt, ihr falscher Schimmer zuerst in die Höbender Gesellschaft drang und bort Augen und Herzen verblendete, daß sie nicht mehrschauten daS helle Licht des Evangeliums Jesu Christi . Erst von dort senkte sich derverlockende Glanz in die Tiefen und dörrte die einst so fruchtbaren Thäler aus zu denöven Steppen und wafserloscn Wüsteneien. Jetzt, mit Dank zn Gott sey eS bekannt,jetzt wird eS' wieder, rein und klar auf den Berggipfeln und die Sterne des Himmelswerden von Neuem sichtbar. Gibt nun wohl eintheiligere Pflicht für die Bewohner