Ausgabe 
13 (6.11.1853) 45
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ver Höhen, als, so viel an ihnen liegt, die Leuchte des Glaubens in die Tiefentragen und ihr HeiiSlicht ausbreiten zu helfen durch Beispiel und alle auch noch soschweren Opfer?

Aufwärts die Herzen! Ihr Träger der Wissenschaft, ihr Lehrer des Volkes!eine falsche Wissenschaft ist eS gewesen, eine Wissenschaft ohne Gott und ohne Kirche,welche in Millionen Gemüthern daS Christenthum zerstört, die Tugend des Herzensvernichtet und Alles den Vergnügungen der Sinne, deS Gedächtnisses und deö Geistesgeopfert hat. Eine rechte, eine vom Geiste Gottes geweihele Wissenschaft muß denTempel deS Glaubens, der Tugend, der Ordnung wiever herstellen helfen. Man hatunser Jahrhundert das lichtvolle genannt, und wahr ist: es hat den Kreis menschlicherKenntnisse erweitert; es hat die Natur in ihren geheimnißvollen Werkstätten belauscht; hat auf Alles, was sichtbar ist, seine Forschungen ausgedehnt. Aber cS hat überven Forschungen in dem Sichtbaren den Blick für die Gestalten deS Himmels verloren;eS hat über den Erfindungen, mit denen das Erdenleben verschönert, die TugendenvcS HerzenS verlernt; eS hat über den Eroberungen in der Zeit und für die Zeit dieGüter der Ewigkeit eingebüßt. Und doch eilt das Leben i ren ernsten Entscheidungenentgegen mit jedem Augenblicke, und kein Strahl all Eures gerühmten Wissens vermagdie Nacht deS Grabes zu erhellen und in einer Welt der Unsterblichkeit der Tugendihren Lohn, der Sünde ihre Strafe, der heißen Sehnsucht deS menschlichen HerzenSdas würdige Ziel nachzuweisen, ohne welches unser Leben zum schauerlichen Räthselwird. Darum suchet unv forschet, aber an der Hand der Kirche und ihres göttlichverbürgten Glaubens: nur wo Glauben und Wissen sich durchdringen, erwächst diewahre Weisheit; denn die Religion ist, wie der ehrwürdige Bako sagt,das Aroma,ohne welches die Wissenschaft faul ist."

Aufwärts die Herzen! Ihr Beamteten, Ihr Wohlhabenden, Ihr Satten!Vergesset nicht, daß Euer irdisches Tagwerk Euch eine Schule für den Himmel, daßEuer vergänglicher Besitz Euch Mittel seyn soll zur Erreichung bleibender Güter, daßEure Ehre vor den Menschen keinen Werth hat ohne Tugend, daß Ihr zu GotteSHauöhällern auf Erden berufen seyd. Hinweg mit dem alten Liede, das lange genuggesungen worden ist:Die Religion ist gut für die Weiber, für die Kinder, für dieArmen an Geist und Gut, die in ihrer Verlassenheit nach einer Stütze verlangen.Die Uebungen der Andacht, der Empfang der Sakramente, die Heilighaltung deSSonntags, die Gebete der Kirche sind Gängelbänder für die Massen." Ihr zerstörtvamit Euer eigenes Heil und daö Heil deS Volkes. Ihr untergrabt damit den Grundder Gesetze und öffnet jeder Zügcllosigleii die Thore. Ihr werdet dadurch Empörerder allcrschlechtesten Art. Denn Euer Beispiel baut den Glauben auf oder zerstörtihn. Euer Vorbild lehrt Gehorsam oder Auflehnung. Euer Weg wird die Richt-schnur für Viele. Eure Liebe und Demulh r ersöhnt die Unterschiede in der Gesellschaft,unv Euer Stolz und Eure Härte höhlt die Tiefen auö, welche die Herzen trennenund verbittern. Glaubt eS und zweifelt nicht, der CommuuiSmuö ist nicht todt, dereigentliche Grund seiner Bewegungen ist unberührt geblieben, weil keine äußere Ge-walt «siruudsätze tödlel und lövten kann/ Davon, wie Ihr die Kirche ehrt, wie Ihrmit der Kirche wirkt, wie Ihr die Kirche ihre Segnungen entfalten lasset, wird eSabhängen, ob wir auf dem unterwühlten Boden, aus dem wir stehen, noch etwas zuhoffen oder Alles zu fürchten haben.

Aufwärts die Herzen! Ihr Handwerker und Landbebauer! Die Zeit istnoch nicht so lang her, da Einfalt des Glaubens und kindliche Frömmigkeit das kost-bare krblheil Eures Standes waren, da auch unter der Last der Mühen Euer Blicknach Oben ging, und das schweißbcdcckte Angesicht den Stempel Eurer Gottberusen-heit trug. l^aS war die Zeü: da Ihr sechs Tage der Arbeit und den siebenten Gottgabt, da Eure Werkstätten wiederhallten von frommen Liedern; da Eure Aecker ZeugendeS Gebetes waren, mit welchem Ihr den Samen ausstreutet und die Gaben sam-meltet; da Meister und Gesell eine Familie bildeten, und Arbeit, Gottesdienst undErholung theilten; da der Bauer seinen Knecht nicht nur fragte- hast du einen starken