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Arm? sondern auch: hast du ein gotteöfürchtigeS Herz? Damal hatte das Handwerkeinen goldenen Boden, und der Acker war die Brodkammcr, ans welcher die Vätersich gesättigt hatten und welche auf Kind und KindeSkinder sich vererbte. Ist eS bessermit Euch worden und seyd Ihr glücklicher, seit die Einfalt dcS Glaubens und derSitten aus Eurer Mitte entschwunden und oaö neue Losungswort: Licht, Freiheit undGleichheit in Eure Hütten und Herzen gedrungen ist? seil der Spott wider das Heiligeund der Fluch in Euren Werkstätten widertönen? feit Ihr ohne Aufblick zu Gott EureSaat bestellt und Eure Ernten heimfuhrt? seit der Meister seine Gehilfen wohl fragt:wie arbeitest, aber nicht: wie lebst dn? seit der Landmauu seinen Knecht wohl aufden Acker, aber nicht in die Kirche schickt? Sehet, die Treue ist geschwunden auS demVerkehre, und mit ihr Vertrauen und Verlaß, und der Friede ist geschwunden ausden Herzen und mit ihm Harmlosigkeit und Freude; und die Nüchternheit ist geschwun-den. auS dem Leben, uud mit ihr Kraft und Wohlthätigkeit. Darum kehret um aufdie verlassenen Pfaoe der Frömmigkeit, und achtet auf Diejenigen auS Eurer Mitte,deren Beispiel Euch au die Väter erinnert, welche der Kirche Stolz und des LandesMark waren.
(Schluß folgt,)
Die Nuudreife des apostolischen Nuntius, Erzbischofs Mous. Bedini, währendder Monate August und September in den »vrdamerikanischcn Btsitzungen Großbritan-niens hat der Bevölkerung Kanadas zu den freudigsten, vom wärmsten GlaubcnSciscrerfüllte» Demonstrationen Anlaß gegeben. Aller Orten wurde der Rcpräsculant desheuigen VatcrS mit ehrfurchtsvoller und doch enthusiastischer Zuvorkommenheit empfan-gen unv die Blätter „Montreals ", „Q-mbecö" ?c., füllen ihre Spalten mit Schilderun-gen dieser EmpfaugSfeicrlichkeilcn So waren in Quebec, bei dem ersten Lever deöKirchensürstcn, der bei diesem Anlasse nebst dem reich in Diamanten gefaßten Kreuze -eine österreichische Ordensdekoration trug, die vornehmsten Prälaten Kanadas, zu denensich der hochwürdigste Erzbischof von New-York , Monsignor Huzhö, gesellt halte unddie Notabilitäten der Stavt anwesend. Monsignor Bedini sagte bei diesem Anlasse,daß er sich durch den Empfang, der ihm in Quebec zu Theil geworden, ungemeingeschmeichelt fühle, daß er innigst gerührt sey, in einer so großen Entfernung jenseitsder Meere ein so wahrhast katholisches Volk und so wahrhaft katholische Gesittung zufittdeu; es gereiche ihm zu großer Freudigkeit und wahrhaftem Troste, die angesehen-sten Bürger der Stadt versammelt zu sehen und ihnen ausdrücken zu können, wiedankbar er für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit sey; eS mache ihn gewissermaßen stolz,der erste Repräsentant deö heilige» Stuhles zu seyn, der je Kanada besucht habe undnie werde er das daselbst Beobachtete vergessen können; eS sey ihm ein sicheres Unter-pfand, daß die Kanadier sich stets der Justiintionen würdig erweisen würden, ausdenen ihr Glück beruhe.
Nachdem der hochwürdigste Erzbischos von Quebec in entsprechender Weise ge-antwortet halte, knieete die Versammlung nieder, um den apostolischen Segen zuempfangen.
In der Entgegnung auf die Ansprache des Herrn Eauchon, eines Journalisten,der im Namen der Katholiken Quebecs daö Wort ergriff, um den freudigen, durchdie Anwesenheit eines Repräsentanten deS heiligen Vaters hcivorgerufcnen Empfin-dungen den gebührenden Ausdruck zu verleihe» und einiger Spaltungen zu erwähnen,die sich in jüngster Zeit im Schooße der verschiedenen Eonfessionen angehörenden Be-völkerung ergeben halten, bemerkte der Kirchenfürst, daß Katholiken in socialen Be-ziehungen eS ihren Brüdern an Duldung unv christlicher Liebe stets zuvor thun müß-ten, um sie so möglicherweise wieder leichter in den Schooß der heiligen Kirche zurück-zuführen. Im Dogma aber sey die Kirche intolerant und werde es stets seyn. Ihre