Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojheitung.
l3. November ^t«. 1853,
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B r e s e i a.
BreScia , 30. Oct. Der hochwürdigfte Herr Bischof von BreScia hat nachsemer Rückkehr aus Rom einen Hirtenbrief an den KleruS und die Bevölkerung seinerDiöcese gerichtet, dem wir nachstehende Stellen entnehmen:
. . , Unser Herz überfluthete von freudigen Gefühlen, als wir, Geliebteste, mitunserer auch eure Huldigung und die Betheucrungen unserer gemeinsamen kindlichenErgebenheit und herzlichen Anhänglichkeit an den Mittelpunct der katholischen Einheitzu den Füßen des Stellvertreters Jesu Christi niederlegten.
Auf diesem Bande der Einigkeit, Geliebteste, beruht die Hoffnung des Heüesfür Hirten und Heerde, da die Kirche Christi, von der das Heil erhofft werden kann,auf diesem Fundament begründet ist; ibr göttlicher Gründer sagte: auf diesen Felswerde ich meine Kirche bauen. Darum ist auch jede andere Gesellschaft, die nichtdurch dieses Band zusammengehalten wird, eine Vereinigung voll Irrthümer, und alleKirchen, die nicht auf der Basis deS Glaubens Petri aufgeführt sind, sind Tabernakelder Sünder. Geliebteste, wir werden in diesen trüben Zeiten nie aufhören, euch dieseWahrheit zu wiederholen, in diesen Zeiten, in welchen die Hölle mit allen ihrenRänken und Fallstricken dieses Band zu schwächen und zu sprengen sich bemüht, indemsie sich für sicher hält, eine Nation zu überwältigen und über sie zu triumphiren, so-bald sie dieselbe vom Centrum der katholischen Einheit losgerissen hat.
Geliebteste! Wer hätte wohl je geglaubt, daß Zeiten kommen werden, in denendie Hirten unserer Kirchen sorgsam und eifrig darüber wachen werden müssen, daßnicht der Glaube aus den Herzen der Gläubigen gerissen, daß nicht die Sohne derKirche entfremdet werden, die von ihr nur Beweise der zärtlichsten Mutterliebe erhal-ten haben? Wahrlich, nie hätten wir auch nur zu argwohnen vermocht, daß sichsolches in unserm so frommen Italien ergeben könnte, dessen schönster Schmuck undkostbarstes Erbtheil der katholische Glaube ist. Das aber, dessen Eintreten man mitHilfe der göttlichen Güte nie erwartet hätte, ist, weil Gott eS so zuließ, eingetroffen,vielleicht, um die Gläubigkeit der Frommen zu beurkunden, vielleicht — was wir mitbitterm Schmerze sagen — der Züchlrguug unserer Sünden halber. Gott hat eS inunsern Ländern zugelassen, die der auserwählteste Antheil der Kirche sind, in denen eSGott gefallen hat, jenen unerschütterlichen Thron der Wahrheit zu errichten, vor demalle Völker der Erde sich in Ergebenheit in den Staub nieder strecken.
Eine Propaganda, von der wir nicht wissen, wie zahlreich und ausgedehnt sieist, bemüht sich mit allen Künsten der Gottlosigkeit in den uns benachbarten Staatendie Reihen der wahren Gläubigen, die da kämpfen unter der Standarte der katholi-schen Kirche , zn lichten und die Zahl jener Abtrünnigen zu vermehren, über welchedie Braut Christi nun schon seit mehr als drei Jabrhunoerten bittere, überaus schmerz-liche Thränen vergießt. Auch in unserm Lande sucht sie ihre Netze auszuwerfen, den