Ausgabe 
13 (13.11.1853) 46
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Unvorsichtigen Schlingen zu legen und Irrthümer und Schismen zu verbreiten, wasauch den minder Scharfblickenden bereits wahrnehmbar geworden seyn muß.

Nie zuvor hat man wie in unsern Tagen eine solche Fluth protestantische Bibelnhereinbrechen und gleich einem reißenden Strome unsere Provinzen überschwemmengesehen; mit diesen Bibeln kamen Bücher aller Art und periodisch erscheinende Druck-werke, die in mehr oder weniger versteckter Weise das Gift des Jndifferentismus inNeligionSsachen einflößen, mit ihnen kamen serner alle Arten von Kupferstichen undBildern, die der Scham Trotz bieten und zur Verhöhnung und Geringschätzung allesdessen anregen, was unsere allerheiligste Religion Geheiligtes hat. Nie znvor hat einsolches zur Schau tragen der Verachtung jener Gesetze stattgefundn!, kraft welcher dieKirche mit weiser Strenge den G.äubigcn heilsame Enthaltsamkeit vorschreibt, gefähr-liche Lectüre so untersagt, wie eine zärtliche Mutter giftige Stoffe von ihren Kindernfern hält. Fast unerhört war in früherer Zeit von christlicher Lippe die Lästerung:daß zum Seelenheil natürliche Rechlschaffenheit im Lebenswandel genüge und eS übri-gens gleichgiltig sey, welchen Glauben der Mensch von Gott und dem künftigen Lebenhabe, daß die heiligen Institutionen der Kirche und die von ihr gutgeheißeneu religiösenAnordnungen veraltet seyen und außer Gebrauch kommen müssen, und was dergleichenGottlosigkeiten mehr sind. Wenn in früherer Zeit irgend ein zügelloses Individuumdergleichen hören ließ, so waren Hunderte bereit, ihn zn widerlegen nnd zu beschämen;jetzt findet sich dagegen kaum vielleicht Einer, der sich vor Gott im Geiste darüber kränkt.

Um euch vor der Gefahr zu schützen und im Glauben zu kräftigen, Geliebteste,gibt eS nur ein eben so sicheres als nothwendiges Mittel; gleich Söhnen au derMutter so au der Kirche und ihrem sichtbaren Oberhaupte zu hängen, dem römischenPapste, der kraft göttlicher Mandate das Steuer des mystischen Schiffes handhabt,in welchem allein wir vor Schiffbruch gesichert sind. Was uns noth thut, ist, nachkeinem andern Führer und keiner andern Lehre zu verlange« , als uach jener der Kirche,die da ist die Säule uud Feste der Wahrheit. Vou ihr allein sollen wir in unsern Zweifeln,unsern Bestrebungen und Forschungen uns Licht und Belehrung holen, als von einerunfehlbaren Lehrerin, zu der Gott gesagt hat- Wer ench hört, hört mich, wer euchverachtet, verachtet mich; wer aber mich verachtet, verachtet den, der mich gesandt hat.

Laßt euch nicht durch die gottlosen Sophismen derjenigen verlocken, die ihreEmpörung gegen die Kirche durch einen Appell an die heilige Schrift bemänteln.Ohne die unfehlbare Belehrung der Kirche ist dieses göttliche Buch nur ein todterBuchstabe, ein versiegeltes Buch, das, der Auslegung des Laien überlassen, zumSteine des Anstoßes und zur Veranlassung deS Ruins wird. Hat man in Wirklich-keit wohl je gehört, daß ein König ein Gesetzbuch Behufs der Regierung seiner Unter-thanen gegeben und dann dessen Anwendung der Privateinsicht der Einzelnen überlassenhätte? Sagt selbst, müßte nicht, falls ein Gesetzgeber sich je eine solche Thorheit zu .Schulden kommen ließe,'das Gesetz aufhören, Norm für die friedliche Ausübung dergegenseitigen Rechte und der getreueu Pflichterfüllung zu seyn und dagegen Veranlassungzum verderblichsten Zank und Hader werden?

Weun eS aber dergestalt mit einem von Menscheil gegebenen Gesetzbuchs dasdoch über das allgemeine Verständniß nicht weit hinausgeht, sich verhält, sobald eSder Auslegung der Unterthanen überlassen wird, wie wird es erst mit einem göttlichenBuche seyn, wie die Bibel ist, in welcher die von aller Ewigkeit her in Gott ver-schlossenen Geheimnisse enthüllt werden, in der eine Lehre gelehrt wird, welche so hochüber dem natürlichen Lichte der Vernunft steht, als die Weiechett Gottes die Kurz-sichtigkeit des menschlichen Verstandes überragt?

Es wäre thörichte Gottlosigkeit, anzuuehmen, daß Gott , die höchste Weisheit,durch welche die Könige regieren und die Gesetzgeber Recht sprechen, den Menschenhabe ein Gesetzbuch geben wollen, damit dessen erhabene Vorschriften von Jedermannnach Gutdüukeu ausgelegt, dessen Mysterien durchgrübelt, dessen Anordnungen will-kürlich zur Anwcndltng gebracht würden. Wenn es dahin kommt, daß man derlei,von Menschen, die sich als erleuchtet rühmen, vorgebrachten Widersprüchen Glauben