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schenkt, so ist dieß nur ein demüthigender und furchtbarer Beweis der Entartung, zuwelcher unsere menschliche Vernunft durch Leidenschaft gebracht wird, Oder steht nichlin demselben Buche, auf dessen Autorität man sich beruft, geschrieben, daß keineProphezeiung der Schrift eigene Auslegung gestaltet? denn die heilige Schrift ist keinemenschliche Erfindung, die heiligen Männer Gottes haben nur inspirirt vom heiligenGeiste gesprochen.
Wer kennt aber nicht die bösartigen Künste solcher Verführer? Sie treibt nichtder Eifer für Wahrheit oder für die Bibel, wohl aber Haß gegen die christliche Re-ligion, deren Ende in der Welt sie anstreben; daö höllische Werk dünkt ihnen aberein Leichtes zu seyn, falls eö ihnen nur früher gelungen, die Völker gegen die unfehl-bare Belehrung der Kirche aufzuwiegeln. Diese Schlußfolgerung, Geliebteste, ist kei-neswegs thöricht; ist nämlich einmal die Kirche verläugnet und die Glaubensnormauf das bloße Buch der Schrift beschränkt, so ist auch die religiöse Anarchie bereitsvollständig hergestellt. Außerdem, daß sich au einigen Stellen des göttlichen BucheS»ach Zcugenschaft des Apostel Petrus selbst „eiuige schwer verständliche Dinge finden,welche von den Unwissenden und Unbeständigen (wie eS auch mit den übrigen Schriftender Fall ist) zu ihrem eigenen Ruin verkehrt ausgelegt werden", .außerdem, daß nichtÄllcS in der Bibel verzeichnet ist, was Gott den Menschen geoffenbart hat, wird eS,sobald einmal die unfehlbare Belehrung der Kirche verworfen ist, ihren Feinden einLeichtes werden, die in den Händen deS Volkes befindliche heilige Schrift zn fälschenoder deren Sinn je nach den Leidenschaften zu entstellen oder ihres Ansehens undihrer Anziehungskraft zn entkleiden und so den Menschen dahin zn bringen, daß iimikeine andere Führung dleibt, als die Eingebungen einer anmaßenden Vernunft, die fürsich allein zu schwach ist, um die Leidenschaften des entarteten Herzens zügeln zu können.
Gelicbtcfte! Euer Gemüth schauert vor solcher Ruchlosigkeit zurück; wir sinddessen gewiß. Euch ist der Glaube eurer Väter theuer, gleich eiuer kostbaren Erbschaft.Ihr habt uns immer Beweise kindlicher Anhänglichkeit an die allerheiligste Kirche JesuChristi gegeben und darum hegen wir die Zuversicht, daß die Feinde derselben nichtsgegen euch vermögen werden. Wir haben Seine Heiligkeit dessen versichert, als wirvon euch, als von gehorsamen und ergebenen Söhnen sprachen. Ungcmein erfreut warsein väterliches Herz, als er von uns hörte, wie lebendig sich der Glaube in euch ausAnlaß der öffentlichen Gebete regte, zu denen wir euch in seinem Namen für die Kirchebei Gelegenheit der geheiligten Pastoralvisitation aufforderten.
Geliedteste! In derselben Weise aber, in welcher der Feldherr, obwohl überzeugtvon der Tapferkeit seiner Soldaten, wenn die Stunde der Schlacht angebrochen ist,nicht unterläßt, sie zum mulhigeu Kampfe anzuspornen, werden auch wir, obwohlfreudig in der Hoffnung, daß euch der Herr stelS im Glauben und in der kindlichenErgebenheit für seine Kirche stärken werde, da wir euch von tausend Fallstricken undGefahren umgeben sehen, in jener Liebe, mit der wir euch als Söhne in Christo um-fassen, euch mit dem Apostel ermähnen: „Wachet, seyd standhaft im Glauben, legtan die Rüstung Gottes, damit ihr bestehen könnet gegen die Fallstricke deS Satans,Damit ihr widerstehen könnet am Tage der Gefahr . . . deckt euch mit dem Schilde deSGlaubens, mit welchem ihr abstumpfen könnet alle brennenden Pfeile deS Bösen. . .Gott aber ist getreu; er wird euch stärke» und schützen vor dem Bösen. Wir setzenim Herrn in euch das Vertrauen, daß ihr thuu und ausführen werdet, was wireuch anordnen."
Ehrwürdige Brüder und Mitarbeiter im Weinberge des Herrn! wiederholet öfterdiese warmen Anempfehlungen des Apostels den eurer Obhut anbefohlenen Gläubigen.Vor Allem wachet unablässig, daß in dem euch zur Obsorge und Pflege anvertrautenevangelischen Acker nicht heimlich der Böse sich einschleiche, um den Samen des Un-krautes auszustreuen; hierunter verstehe ich die Emissäre jener Partei, die kein Mittelscheut, um die Völker zur Rebellion gegen die Kirche Christi und deren Oberhaupt zureizen. Nächst Gott beruht unsere Hoffnung für die Unversehrtheit und daS Heildieser unserer geliebtesten Diöcese auf euch.