Ausgabe 
13 (13.11.1853) 46
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Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sey mit euch Alle», zum Unterpfandedessen wir euch vom ganzen Herzen den Pastoralsegen spenden.

Gegeben zu BrcScia in unserer bischöflichen Residenz am 20. October 1853.

i Girolamo, Bischof.

Hirtenbrief des Fürstbischofs von BreSlau .

(Schluß.)

Aufwärts die Herzen! Ihr Armen und Niedrigen, welche die Sorge wecktam Morgen und der Kummer begleitet am Abend. Wie auch könnte ich Eurer ver-gessen, denen der Herr zuerst das Evangelium gepredigt, deren Armuth Er geweihtdnrch seine Armuth; die Er das Kreuz tragen gelehrt durch sein Vorbild! Wie könnteich Eurer vergessen, die den verlockenden Stimmen falscher Propheten am meistenausgesetzt sind; die der finstere Geist der Empörung zuerst sammeln will um seineschwarze Fahne; denen er einen Himmel auf Erden verheißt, und dafür den Trost desGlaubens, den Frieden der Tugend und den ewigen Himmel raubt. O höret nichtauf seinen Lügenruf. Wer nicht mehr arbeiten will, verletzt das Gesetz der Liebe undder Freiheit. Wer schlecht arbeitet, übet Betrug und Ungerechtigkeit. Wer in weni-gen Stunden den Erwerb ganzer Tage vergeudet, erschöpft die Wohlthaten der Mild-thätigkeit und beraubt seinen Mitmenschen. Wer sich in seinem Elende von Gott wendet und von der Kirche, verschließt sich den besten Quell der Labung und machtdie Wiederkehr jener schönen Tage der ersten Kirche unmöglich, von deren Kindern dieSchrift sagt:Es war kein Dürftiger unter ihnen." Erhebet Euren Sinn und EureHand nie wider-die Unterschiede des Standes und Besitzes: Ihr werdet sie nimmer-mehr aufheben, sondern Euch der letzten Zuflucht und Hilfe berauben. Streckt EureArme nie aus nach fremdem Eigenthum; eS wird Euch in Hand und Herz brennenbis zu dem Tage des Gerichtes. Blicket vielmehr mit kindlichem Vertrauen zu Demauf, der auf Erden nicht hatte, wohin er sein Hanpl legen konnte, und dochseligprieS die Armen, die Hungernden, die Dürstenden, die Weinenden und Trauernden,"auf daß sich auch seine Verheißung an Euch bewähre: sie werdengesätliget, getränkt,getröstet werden und das Himmelreich erben."

Aufwärts die Herzen! Ihr christlichen Familien! Von Gott gegründet undvon Gott geschlossen ist Euer Bund ein heiliger, ein unauflöslicher, daraus dasMenschengeschlecht sich erneuert. Ju Eurer Mitte steht die Wiege des Sterblichen.In Eurem Schooße empfängt er die ersten Lehren von Gott und Unsterblichkeit. UnterEurem Schutze und Unterrichte gewinnt er die ersten Kenntnisse seines edlen Ursprun-ges, seiner erhabenen Pflichten und seiner heiligen Bestimmung. Aber die WürdeEnreS Bundes sank mit jedem Rütteln an seiner Unauflöslichkeit, und seine Heiligkeitentwich mit jedem Einflüsse, welchen man Fleisch und Blut, Ehrgeiz und Habsuchtdarauf einträumte. DaS Leben der Kirche zeichnete sich nicht mehr ab in dem Lebender Familie. Ein christliches Zeichen nach dem andern entschwand ans ihrer Mitte.Der häusliche Herd hörte auf, eine Stätte der Frömmigkeit, der Tugend, des Frie-dens und der liebsten Freuden zu seyn. Und doch ruht hier die Zukunft der Mensch-heit. Doch wird hier Segen oder Fluch ausgesäet für Kirche und Staat. Dochliegen hier die Keime von dem Wohle oder Wehe später noch unbekannter Geschlechter.O, daß Ihr doch erkennen möchtet und zwar in diesen Euren Tagen, was zu EuremFrieden dient! Einst hatte die Kirche, ausgeschlossen van der politischen Gesellschaft,keine audcre Heimat auf Erden als die Familie; bald wird sie vielleicht ihre Zufluchtwieder dort suchen müssen, wo sie ihr erstes Asyl gefunden hat. Gatten, Väter undMütter, ihr seyd Euch dem Christenihume schuldig; -es hat die Familie gegründet unddie Familie geht mit ihm unter. Darum begreift Eure große Mission in dieser Zeit.Sammelt Euch mit den Enrigen wieder um den verödeten Hausaltar. Macht EureuKindern die Frömmigkeit ehrwürdig durch Euer Beispiel und lehret sie gehorsam an