365
der Hand der Kirche wandeln durch Euer Vorbild. Bewahret, ich bitte Euch, dasheilige Feuer, das einst von der Familie ausgegangen ist über die abgöttische Welt,damit es nun aus Eurer Milte aufleuchte über eine von dem wahrhaftigen Gotte ab-gefallene Welt.
Aufwärts die Herzen! rufe ich auch Euch zu, Ihr Krieger des HeereS!Denn der Weg der Waffen, ans welchen Euer Kaiser und Euer Vaterland Euch rufen,ist nicht nur cm Weg der Ehre vor den Menschen, er soll auch ein Weg der Ehrevor Gott seyn; und nicht nur iu den Kampf um zeitliche, sondern auch um ewigeGüter soll er Euch führen. Warum stellten selbst die heidnischen Römer die Zeichenihrer Götrerverehrnng an die Spitze ihrer Legionen? Warum trugen die Jsraeliten inihren Schlachte» die eherne Schlange voran? Warum empfingen die christliche» Kriegerin alter Zeit ihre Fahnen an dem Fuße der Altäre? Um sich daran zu erinnern, daßauch der Krieg eine SIrt Gottesdienst seyn soll; daß der Herr der Heerschaaren derHcrr der Schlachten ist; daß jede wahre Tapferkeit in der Religion ihren Ursprungfinde. Es gibt keinen traurigern Wahn, als den eines Soldaten, der sich überredet,mir dem Wesen eines Kriegers vertrage sich das Wesen der Frömmigkeit nicht, unddie Tugend des Helden fty eine andere a!S die Tugend des Christen. Wer seinenSchwur bricht, den er im Taufbunde abgelegt, für dessen Fahneneid gibt es keine Bürg-schaft. Wer keine Treue hat für seinen Gott, der hält auch nicht gelreu zu seinemKaiser. Wer keine Liebe hat für die Kirche, dessen Liebe für daS Vaterland ist garzweifelhafter Natur. Tapfer sollt Ihr seyn gegen die Feinde des Staates, aber dergrößten Tapferkeit bedarf es gegen die Feinde Eures ewigen Heiles. Rein und blanksollt Ihr Eure Waffen halten, ein schimmernd Rüstzeug für Gesetz und Ordnung, aberrein nnd blank muß auch Euer Gewissen seyn, daß Ihr frisch und fröhlich in denKamps zieht, auch in den letzten, der Euch vor GotteS Thron führt. Hoch geltensoll Ench Euer Ruhm als Streiter eines sieggewohnten HeereS, am höchsten aber derRuhm als GolteSstrcitcr sür ewige Triumphe.
Aufwärts die Herz enl rufe ich auch Euch zu, Ihr Bürger des Staates,Ihr Unterthanen des Kaisers, Ihr Kinder eines Vaterlandes? „Es gibt keine Gewalt,a>S von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott geordnet;" schreibt der hl. PauluS.„Wer sich demuach der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, der widersetzt sich der Anord-nung Gottes, und die sich widersetzen, ziehen sich selbst Verdammniß zn." In diesemWorte ist beschlossen, was Ihr dem Kaiser, der von Ihm gesetzten Obrigkeit und derOrdnung des Staates schuldig seyd. Darum verschließt Euer Ohr denen, die ver-kehrten Geistes lehren, daß die obrigkeitliche Gewalt nicht von Oben, sondern vonUnten komme, die Euch mit falschen und gehässigen Anklagen Eure Obrigkeit verdäch-tigen und eine Stimmung in Euch erzeugen und uuterhaiten, welche jede gedenkbareArt von Regierung unmöglich macht. Von Bürgersinn und Bürgerpflicht und Bürger-lreue wird in unsern Tagen viel geredet, auch geschrieben; und oft von denen ammeisten, die in der Zeit der Gefahr gar keine Stimme vernehmen ließen und sich amkläglichsten erwiesen haoca. Auch Schein und Flitterwerk wird viel getrieben mit dem,was sie ihre Vaterlandsliebe nennen. Aber in prunkhaften Vereinen, in Zweckessenund Reden nnd Gelagen offenbart sich diese Liebe nicht, auch noch nicht in der Er-richtung von Statuen und Ehrendenkmalcn. Aber darin zeigt sich Euer Patriotismus,daß Ihr Euren Kaiser liebet und getreu zu ihm haltet in Noth und Tod; daß IhrEure Obrigkeit ehrt in guten und schlimmen Tagen, und sür Gesetz und Ordnungeintretet auf jede Gefahr hin; daß Ihr immer und überall, auch wo eS Opfer, unddie schwersten Opfer kostet, dem allgemeinen Wohle Euren persönlichen Vortheil nach-setzet imd — wie der heilige Augustin sagt: mit vollkommener Genauigkeit, „jedemgebet, was ihm gebührt: sey eS Ehre, sey es Vertrauen, sey es Achtung, sey eSFurcht, sey eS Trost, Warnung, Ermahnung, Tadel, Erhebung, Züchtigung; indemIhr zeigt: daß dies AlleS'nicht Allen gebühre, wohl aber Allen die Liebe und Keinemein Unrecht."
Aufwärts die Herzen! rufe ich Euch zu, katholische Christen allzumal!