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Von den Ursachen der vielen unehelichen Kinder.
f Die vorzüglichste Ursache der so vielen unehelichen Kinder ist der Mangel derJugend an Bekehrung zu Gott, und der unwürdige Empfang der heiligen Communion,der dieselbe Bekehrung fodert, wie der Empfang der heiligen Taufe, die mau in denersten christlichen Jahrhunderten ohne vorhergehende Lebensbesserung nicht ertheilte;daher man bei dem heiligen Angustin, als er krank war, die Taufe verschob, ausBesorgniß, daß er aus Maugel an entschiedener Bekehrung die Pflichten deS Tanf-bundes nicht erfüllen würde. Eine solche Entschiedenheit, Gott über Alles zu liebenund den Werken des Satans zu entsagen, erhalten unsere Werk- und FeiertagSschülerdurch den Empfang der heiligen Sacramente gewöhnlich nicht. Der erhaltene christ-liche Unterricht gibt ihnen nur eine angelernte Religion. Daß durch Unterricht unddurch die empfangenen heiligen Sacramente in ihnen keine wirkliche Bekehrung zuChristus bewirkt wird, sieht man an der jährlich zunehmenden Verschlimmernng derSitten unserer Feiertagsschüler, besonders zur Zeit des Herkules am Scheidewege,wenn bei dem immer völligern Erwachen der bösen Neiguugeu die Welt ihnen ihreFreuden anbietet.
Ohne Selbstkcnntniß des innern sittlichen Verderbens, zu der man selbst durchMissionspredigten uud Belehrung, ohne Kirchenzucht, da, wo die häusliche, wie fast all-gemein, mangelt, selten gelangt, erfolgt keine wirkliche Bekehrnng und dankbare Liebezn Jesus durch Erneuerung des TaufbundeS. Die hie und da gewöhnliche tSrneue-rung desselben bei der ersten heiligen Communion bewirkt dieß als Andachtsübnng sowenig, als das öftere Beichten vor dem Erwachen der archcboruen Neigungenzum Böseu.
Wie wenig unsere Jünglinge uud Jungsrauen als Feiertagsschüler wirklich zuChristus bekehrt sind, Christum statt der Kleiverhoffarl und andern Weltfreuden lieben,zeigt sich besonders in den Pfarreien, wo Tugendbündnissc bestehen, welche durch ihreSatzungen zur Erfüllung der Pflichten deS TaufbundeS ermähnen, Gott aus ganzemHerzen zu liebeu, und der Kleiderhoffart, den Bekanntschaften, Spiel- und Tanz-plätzen zu entsagen. Weil man dieß nicht will, tritt selten ein Feiertagsschüler inein Tugendbündniß, der im 19ten oder Ldsten Jahre nicht wieder austritt. Wärenunsere Söhne und Töchter, die von keinem Tngendbündnisse wissen wollen, noch nichtgetauft, und würde man ihnen ohne dieses öffentliche Versprechen, den genanntenWerken des Satans zu entsagen, wie den ersten Christen die Taufe nicht ertheilen:so würden sie in diesem unbekebrten Zustande wie die unbekehrten Heiden den Empsangder Taufe auf das Todbett verschieben. Wird denn aber in diesem Zustande der Lauheit undGleichgilligkeit für sein Seelenheil, und weil man sich vor der Welt schämt, Jesumnachzufolgen, nicht auch die heilige Commuuion unwürdig empfangen? Da JesuS lehrt:Wer sich meiner vor diesem sündhaften Geschlechte schämt, dessen werde auch ich micham Tage des Gerichtes schämen.
ES gehört daher, wie die vielfältige Erfahrung lehrt, die Einführung derTugendbündnisse zu den heilsamsten Mitteln, unsere Jugend zur wirklichen Bekehrungzu bewegen, besonders da, wo Missionen nicht stattfinden. Dieß würde aber ungleichmehr der Fall seyn, wenn die oberhirllichen Stellen sie in allen Pfarreien einführenwollten, durch den Befehl, daß in jedem Jahre vor der Ostercommunion jeder Seel-sorger die Jungfrauen und Jünglinge von achtzehn bis sechsunddreißig Jahren der Artzur öffentlichen Erneuerung deS Tanfbundes ermähnen soll, daß nur jene zur beili^enCommunion zugelassen werden dürfen, welche ihrem Seelsorger öffentlich mir Aufzeich-nung ihres Namens versprechen, daß sie der Kleiberhoffart, den Bekanntschaften,Trinkgelagen, Tanz- und Spielplätzen entsagen. So lange dieß nicht geschieht, wer-den die zur Bekehrung der Jugend so noihwendigen Tugendbündnisse, zum würdigenEmpfange der heiligen Sacramente, nicht in allen Pfarreien eingeführt werden können,Zwietracht veranlassen, und nur wie eine Bruderschaft betrachtet werden, wobei manschließt, daß, wie Bruderschaften, so auch der Eintritt in ein Tugendbündniß zur