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doch will man dieß heut zu Tage nicht einsehen und kümmert sich so wenig um einenSegensspruch, als wäre solcher nur eine leere Formel! Schlagen wir die heil. Schriftauf, und wir werden finden, wie Jesus selbst seine segnenden Hände den kleinenKindlein auflegt. Die Weltmenschen aber suchen keinen Segen, eben weil sie Welt-menschen sind, nnd sie finden daher auch keinen auf der rauhen Bahn dieses Lebens!Eltern, vorzüglich ihr Mütter! segnet doch tagtäglich enre Kleinen, segnet den Sohn,der die Heimat verläßt und hinausreist in die weite gefährliche Welt; segnet dieerwachsenen Söhne und Töchter, bevor sie hintreten, den Bnnd der heiligen Ehe zuschließen; segnet sie oft mit gläubigem Herzen, und— ihr werdet erfreuliche Früchteaus eurem SezenSspruche hervorgehen sehen. Um so mehr aber sollen alle Christen zurKirche eilen, um dort den Priester- und GolteSscgen zu erlaugen! (Kath.i.d. Schweiz .)
Wunderbare BekebrungSgeschtchte des berühmten TonknnstlerS
Hermann Kohn,
ausgezogen aus dem Werke Louvenir lies rsoits vontemporsi »8.
Hermann Kohn wurde den 10. November 1821 in Hamburg gebore». SeinVater ist ein angesehener Kaufmann und Banquier daselbst; seine Mutter, eine DameAnsangS der Fünfziger, wohnt in Paris in der Straße Fontaine St. Georges; siehat einen lebhaften Geist und angenehme Manieren. Er hat noch zwei Brüder, vonwelchen der allere Sechandcl treibt, und der andere als Ingenieur beim Brücken-und Straßenbau augestcllr ist; seine Schwester, eine hübsche junge Dame, ist miteinem ausgezeichneten Zeichnenmcistcr, Herrn Raunheim, verheirathet. Die ganzeFamilie ist ausrichiig und mit einer gewissen zähen Anhänglichkeit der jüdischen Reli-gion zugethan. Hermanns Religionswechsel ist ihnen ein unerklärliches Räihscl;dennoch bezweifeln sie keinen Augenblick dessen Aufrichtigkeit. Wir werden in der Folgenoch auf sie zu sprechen kommen.
Hermann zeigte von seiner zartesten Jugend an glückliche Geistesanlagen undbesonders für die Tonkunst. Mit sechs Jahren spielte er schon auf dem Clavicr alledamals beliebte Opernliedchen; er ergötzte oft seine Eitern durch sn'ue Improvisationen,Erhalte eine schwächliche Gesundheit, war immer von anmuthigcr aber dennoch ernsterGemüthsstimmung. Zu neun Jahren besuchte er schon die Säule nicht mehr nnderhielt durchaus keinen Religionsunterricht. Folgende Schilderung seiner Kinderjahrefinden wir in einem seiner Briefe an den ehrw. Pater Marie Alphonse Ratisbonne :
„Ich bin von jüdischen Eltern geboren. In meinem zehnten Jahre war ichbereits ein beginnender Tonkünstler. Ich hatte noch kaum mein zwölftes Jahr erreicht,als ich mein erstes öffentliches Concert in meiner Vaterstadt gab. Der Herr ließ eSleider geschehen, daß mir eine Art Triumph zu Theil wurde. . . . Dieser glänzendeErfolg berauschte mein junges Gehirn. Im Jahr 1834 reiste ich nach Paris . MeinTalent wurde auch da beklatscht und bald zählte ich unter die Frühgeburten derEelebrität. — Man verhätschelte mich in den SalonS, vorzüglich aber bemühten sichdie Gesellschaften der Freigeister mich anzuködern; und da man im Verhältniß meinesAlterS bei mir eine schnelle Auffassungsfähigkeit entdeckte, so wiederhol-c man mir sooft diese schmeichelhafte Bemerkung, daß ich mich im Knabenalter schon zum Manneherangereift wähnte, über alles und mit allen in verschiedenem Tone sprach. — Nunbestimmte man mich znm Schildträger aller scheußlichen Doctrinen, die aus dem Pfnhlder Hölle in den Mörderhöhlen der großen Stadt emporwuchenen. Der Atheismus,der Pantheismus, die Tollheiten der Fourricristcn, der Samt Simonisten, der Corn^munisten, der Socialisten, Aufruhr, Ermordung der Reichen, Abschaffung der Ehe,TerroriömuS, Verlheilnng deö Eigenthums, Gemeinschaft aller Lebensgenüsse, allediese schönen Dinge fanden Raum in meinem vierzehnjährigen Gehirn. DaS Bösegeht raschen Schritts. Bald wurde ich einer der eifrigsten Propagandisten jener Secten,