Ausgabe 
13 (27.11.1853) 48
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die die Gestalt der Erde zu erneuern sich vorsetzten; so wurde ich der Benjamin vonmänniglichen neuern Propheten der sogenannten Civilisation."

Man kann sich leicht denken, was dieser Jüngling, mit solchen Anlagen, derin Paris ein ungebundenes Künstlerlcben führte, in seinem zwanzigsten Jahre war.Um mit dem heiligen Augustin zu sprechen, mit dem er in der Folge so viel Aehnlich-keit haben sollte, mußte auch bei ihmdas Unkraut der unreinen Gelüste über demHaupte zusammenwachsen", ohne daß eine Hand sich vorfand, um es anszureuten(exeegsorunt egput, meum velires lioicienum, et null» erst ergcliosns msnus jecms.riet.. 2. c->p. tH).

Unterdessen fuhr Hermann fort, sich unter der Leitung des berühmten PianistenLißt, der ihn gleichsam adoptirte und sich nicht mehr von ihm trennen konnte, derTonkunst zu widmen. Dieser große Künstler führte seinen jungen Zögling bei derSchriftstellerin Georges Sand ein, die nichts Angelegeneres hatte, als ihm ihreRomane anzuempfehlen Wie es wohl zu erwarten war, verschlang Hermann mitBegierde alle Erzcngnisse der Verfasserin der Lelia. Die Lesewuth war so heftig beiihm, daß er bei seinen Clavierererciiicn immer einen aufgeschlagenen Roman nebensich liegen hatte; seine Mntter war ganz trostlos darüber. Lißt führte ihn nach Genf ,wo sie beide ein Mnsikconservatorium errichteten. Ein Jahr später lraten sie eine neueReise zusammen an, gaben Concerte und ernteten allenthalben reiche Lorbeeren ein.

Auf diese Epoche seines LcbcnSlaufS macht er Anspielungen in den Noten, von' denen eS uns vergönnt wurde, Einsicht zn nehmen, wo er sich mit folgenden Wortenausdrückt:Ich besaß alle Laster; deS Beifalls war ich überdrüssig, als ich, inBegleitung eines berühmten Künstlers, der mir großer Begeisterung für alle neuerephilosophische Ausgeburten schwärmte, England, die Schweiz, Italien und Deutsch-land durchreiste, um Lorbeeren zu sammeln und Proselyten für unsere giftigen Lehrenzu gewinnen. Priester waren in meinen Augen antisociale Wesen, und Ordensgeist-liche waren für mich Ungeheuer, die man gleich wilden Anthrovophagen fliehen muß. Wer hätte wohl bei meiner. Rückkunft in Paris damals voraussagen können, daßdie göttliche Vorsicht mit mir die Absicht habe, zu zeigen, daß sie auch so tief gesun-kene Geschöpfe auf die gute Bahn zu bringen vermöge? Ich wenigstens hatte gewißnicht die entfernteste Ahnung davon."

Hermann ließ sich also, wie viele andere, von dem Weine des verkehrten Wil-lens berauschen. Er überließ sich blindlings der Strömung der verbrecherischen Ge-nüsse und der weltlichen Eitelkeiten, die ihn umrauschlen. Er ließ sich von seinenLeidenschaften, von seinen Gelüsten, ja sogar von seinen Launen mit einer für seineFamilie verzweifelnden Willfährigkeit dahinreißen. So verließ cr einige Mal plötzlichParis , gerade im Augenblicke, wo daS Glück sich ihm am günstigsten zeigte, ein Mal,um zu Lißt nach Jlalen zu eilen, ein anderes Mal, um eine Oper seiner Kompositionin Verona aufführen zu lassen; dann begab cr sich nach London , wo er so viel Gelderwarb, um sich von da nach seinem Lieblingsaufenthalt Venedig zu begeben. Dieservielen Wanderungen endlich überdrüssig, kam er wieder nach Paris . Aber so wenighier als andcrwäris fand er Rnhe oder Glückseligkeit, sie waren mit seinen Neigungenunverträglich.

Wie wurden diese Fesseln gelöst, die jeden Tag drückender wurden? In dieserBeziehung konnien wir Hermanns Spuren nicht so leicht auefindig machen, als dievorigen. Unterdessen wollte der Zufall, daß wir vor einigen Monaten die Bekannt-schaft deS Ritters ASnorcz, eines ehemaligen spanischen Diplomaten machten. DieserASnorez Halle ein spanisches Künstler-Museum in der Straße Fontaine St. GeorgesNr. 38 gegründet, daS viel SehenSwertheS enthält; er war Heimanns Lehrer gewesen.Folgende Cinzelnheiten hat er unS gleichsam in die Feder diclirt, sie können über jeneEpoche in dem Leben unseres jungen Jsracliten einiges Licht verbreiten.

ES war, wenn ich nicht irre, gegen das Ende des Jahres 1845, sagte erunS, als ich Herrn Hermann zum ersten Mal sah; damals gab ich mehreren jungenLeuten Unterricht in der spanischen Sprache, er war einer davon. Sein Aeußeres