Ausgabe 
13 (27.11.1853) 48
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Monat mit großer Feierlichkeit m der Kirche St. Valere begangen. ES bildeten sichMusikchöre rwn Freunden der Toukiinst, die daselbst Instrumental- und Vocal-Harmo-nien ausführten, welche eine Menge Menschen anzogen. Der Prinz von der MoS-kowa, der diese frommen Coucerle leitete und von dem ich die Ehre hatte, gekanntzu seyn, bat mich eines Tages, ich möchte an seiner Stelle diese Chöre leiten. Ichwilligte ein, bloß auS Liebe zur Tonkunst und a»S Rücksicht für den Prinzen, demich gerne eine Gefälligkeit erzeigte. Im Verlaufe der Feierlichkeit regte sich nichtsBesonderes in mir; beim Segen aber, obschon ich nichts weniger als geneigt war,niedcrzukuictii, wie es alle Anwesende thaten, fühlte ich doch in meinem Innern eineungewöhnliche Regung. Meine vom Getümmel der Well zerstreute und betäubte Seeleerraffte sich gleichsam: sie wurde geivahr, daß in ihrem Innern etwas ihr vorherganz Unbekanntes vorging. Ohne es zu merken und ohne Zustimmung meines Willensfühlte ich mich gedrungen, das Knie zu beugen. Am folgenden Freitag ging ich wie-der in dieselbe Kirche, und wurde auf dieselbe Weise wie das erste Mal angeregt;der Gedanke, ich sollte katholisch werden, erwachte plötzlich in mir.

Einige Tage hernach kam ich des Morgens in die Nähe der Kirche St. Valere;die Glocke verkündete eine Messe. Ich trat ein und wohnte der Handlung aufmerksamund bewegungslos bei. Ich hörte eine, zwei, drei Messen, ohne daran zu denken,mich zn entfernen; ich konnte selbst nicht begreifen, was mich zurückhielt. Ich ginghernach nach Hause und gegen Abenv wurde ich unwillkürlich wieder dahin gezogen,das Läuten der Glocke führte mich wieder in dieselbe Kirche. Das Hochwürdigste warausgesetzt; eS zog mich biö zur Communionbank hin, wo ich mich auf die Knieeniederließ. Dießmal neigte sich ohne Widerstreiten das Hanpt, als der Segen ei theiltwurde, und als ich mich wieder erhob, fühlte ich eine sehr wohlthuende Beruhigungmeines ganzen Innern. Ich begab mich auf mein Zimmer und bald darauf legte ichmich schlafen; die ganze Nacht aber, ob im Traume oder wachend, war ich mit demHochwürdi^stcn beschäftigt. Mit Ungeduld erwartete ich den Augenblick, wo ich wie-der einer Messe würde beiwohnen können, und von diesem Zeitpuncte an hörte ichviele Messen in St. Valere, und dieß mit so innigem Wonnegefühl, daß alle meineSeelenkräfte in denselben ausgingen.

Die Stimme der Gnade, deren erster Laut mich so unerwartet berührte, drängtemich von nun an immer mächtiger. Man riech mir, mich mir der Herzogin vonRanzau zu besprechen; ich ersuchte diese Dame, mir einen Geistlichen anzuweisen; sieschickte mich zum Abbe Legraud, ich ließ mich von ihm leiten und befinde mich rechtwchl dabei, bin also entschlossen, seinen Anlciluugen ferner zu folgen.""

(Fortsetzung folgt.)

Rom .

Rom , 1. Nov. Wir haben hier in den letzten Tagen des verflossenen Monatseine unerwartete, durch die Andacht deö Volkes nämlich veranlaßte Mission gehabt.In dem mamertinischen Gefängniß, von welchem auS bekanntlich die Apostel-sürsteu zum glorreichen Martyrtvd geführt wnrden, verehrten die Gläubigen mit beson-derer Andacht ein Bilduiß deS g. kreuzigten Heilandes. Man hatte beschlossen, das-selbe auS der unterirdischen Capelle in die über dem Gefängniß erbaute Kirche zuversetzen, und bei dieser Gelegenheit eine dreitägige Andacht abzuhalten. Die außer-orbeniliche Theilnahme, welche die Gläubigen an den Tag legten, rief den Gedankenhervor, das Crncifir in einer größcrn Kirche einige Tage zur öffentlichen Verehrungauszusetzen, und da man ohnehin am Schlüsse der dreitägigen Andacht eine Pro-cession zu veranstalten gedachte, so wurde beschlossen, dieselbe über den Corso, dieHauptstraße Roms , bis zur Kirche deS heiligen Carl von Borrom äo zu führen,und dort eine neue Andacht zu beginnen. Der Procession schloß sich eine außeror-dentlich große Anzahl andächtiger Gläubigen an, und der Audrang zu der Kirche deS