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heiligen Carl war so groß, daß man eine förmliche Misston zu veranstalten für gutfand. Es wurden während acht Tagen von einigen Vätern der Gesellschaft Jesntäglich fünf Predigten geHallen, und die großen Räume der Kirche waren stets an-gefüllt. — Die Mission ist nnn geschlossen, aber baS Cincifir bleil't ausgesetzt biszum Feste des heiligen Carl, an welchem auch der heilige Water kommen wird, cSzu verehren.
Vorgestern haben wir nun von neuem die Feierlichkeit eiuer Seligsprechung —der dritten in diesem Jahre — gehabt. Der Diener Gottes, dem diese höchste Ehrezu Theil wurde, ist Andreas Bobola, Märtyrer aus der Gesellschaft Jesu .Derselbe war ein sehr eifriger Prediger und Missionär, und wirkte in diesem Amtemit dem größten Erfolge zur Zeit, als die schismalischen Griechen mit den Polen ineinen blutigen Religionskrieg verwickelt waren. Eine wüthende Horde v.on Kosaken ergriff den Missionar, den sie lange gesucht, auf der Straße nicht weit von Janomin Lithauen, nnd lodtetcn ihn nach langen und entsetzlichen Martern, während wel-chen der Selige fortfuhr, den heiligen katholischen Glauben, für den er starb, mitlauter Stimme zu bekennen und für seine Mörder zu beten. Er errang die Martyrer-krone am 16. Mai 1657. Es verbreitete sich die Kunde von seinem glorreichen Endedurch ganz Polen und die benachbarten Länder, sein Grab wurde von den Gläubigenfortwährend besucht, und viele außerordentliche Gnaden bezeugten die Macht, welcheGott dem Vekenner verliehen. Venedict XIV. erließ im Jahre 1755 das Dccret,wodurch nach angestellter Untersuchung erklärt wurde, daß Audrcaö Bobola in Wahr-heit für den wahrcn Glaubeu gestorben, und also Märtyrer sey. Der während derUnterdrückung deS Jesuileuordeus liegen gebliebene Proceß wurde in diesem Jahrhun-dert wieder aufgenommen, und Gregor XVI. erklärte im Jahre 184 k die AechlheiteiueS in dem Leibe deö Märtyrers selbst gewirkten und noch immer forldauerudenWunders. Derselbe ist nämlich nicht nur gnuz uuverwesel und biegsam, sondernverbreitet auch einen himmlischen Wohlgeruch. ES sind mehrere Augenzeugen in Rom ,Priester, die ihm eftmals die Hand geküßt. Von Sr. Heiligkeit Pins IX. wurdendrei andere ans die Fürbitte des Märtyrers von Gott gewirkte Wuuver als ächt an«erkannt, und das Decret am Himmelfahrtsfeste dieses Jahres verkündigt. (M. Sbl.)
Dem „Tadlet" wird aus Madrid geschrieben: Die Kirche, welche seit derThronbesteigung der Königin stets mir der Strenge antichristlichen HasseS oder derGleichgiltigkeit eines selbstsüchtigen JndiffereutiSmnS behandelt wurde, fängt seit eini-gen Jahren, namentlich seit dem Abschlüsse deS CoucordateS, langsam aber stetig an,die Stellung wieder zn gewinnen, die sie einst im spanischen Staate hatte, und diesie nie aufgehört hat, im Herzen der großen Majorität der Spanier einzunehmen.Ich will nicht sagen, daß der wellliche Einfluß und die äußere Macht der Kirchesehr zunimmt; aber ihre Hirten, die durch den Feuerofeu der Revoluliou hindurch-gegangen sind, zeigen einen Eifer in der Bewahrung deö reinen Glaubens und inder Verbrciluiig des Geistes der Frömmigkeit und Sittlichkeit unter den Massen,welcher den besten Erfolg hat, se>bft in Städten, die vor zehn Jahren noch der Sitzdes Lasters und der Irreligiosität waren. Ihre Bemühungen verdienen doppelte An-erkennung bei der großen Zahl vn> geheimen und offenen Feinden, mit denen sie zukämpfen haben. Denn leider gibt es auch in unserm Lande eine nicht so zahlreiche,als bittere, nicht so einflußreiche, als verwegeue Pariei, welche unter dem wohlkliu^genden Namen „Liberale" selbst den Thron Gottes über den Hansen stürzen möchte,wenn er ihrem Fortschritte im Wege stände. Aus Bosheit oder Dummheit begün-stigen sie jedes System, welches den Katholicismus in Spanien zu untergraben sucht,wiewohl sie sich selbst Katholiken nennen; römisch, katholisch, apoftolijch sind dieNamen, welche selbst diejenigen für sich in Anspruch nehmen, die unter den Beamten