Dreizehnter Jahrgang .
Sonntags - Beiblatt
zur
Augsburger Pojizeitung .
4 . December M - ^ S . , 1853
Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Tonntage » Der halbjährige Abonnemcntsvreis
Ä < t kr . , wofür e « durch alle köm ' stl . bayer . Postämter uud alle Buchhandlungen bezogen werden kann
Ist der Erzbischof in Freiburg ein Ungehorsamer ? * )
Wer Wind säet muß Sturm ernten , und : Wer Gott zu Grunde richten will ,
den macht er blind — diese zwei Sprichwörter kommen jetzt in Baden zur Erfüllung .
In politischer Beziehung hat sich die Wahrheit deS ersteren Satzes schon im Jahre
1848 und 18ä9 hinlänglich für Baden erprobt ; jetzt soll eö auch in kirchlicher Be¬
ziehung seine Revolution haben . Daß eS so kommen würde , war vorauszusehen .
Die Frage ist jetzt nur die : Wer ist der Revolutionär ? Ist eS der greise
achtzigjährige Erzbischof , der gewissen Landesgesetzen den Gehorsam verweigert , oder
steht die Regierung , ohne eS zu wissen , aus dem Boden der Revolution ? Man weiß ,
daß im Jahre 1837 die Anklage gegen den seligen Erzbischof von Köln gleichfalls
auf Revolution gelautet hat , und doch war nicht er der Revolutionär .
Um hier ein richtiges Urtheil zu gewinnen , muß Folgendes fest im Auge behal¬
ten werden . Die katholische Kirche ist eine Anstalt , die , von einem Gotrmenschen
gegrünbet , ihre göttliche und menschliche Seite hat . Was göttlich gegeben ist in ihr
ist unabänderlich , sie selber kann eS nicht ändern , noch weniger kann sie eS durch
Andere , sey da wer eS wolle , abändern lassen ; was aber menschlich ist und sich
ändern läßt nach Zeit und Bedürfniß , daS hält sie nicht hartnäckig fest , obwohl sie
auch solche , nicht von Christo dem Herrn selber eingesetzte , sondern lediglich kirchliche
Institute und Disciplinen besitzt , die sie nicht ändert , z . B . daö Cölibat . Die Kirche
sieht den griechischen Geistlichen die Ehe nach , wo aber der Cölibat besteht , hebt sie
ihn nicht auf . Die Kirche erlaubt die Celcbrirung der heiligen Messe in griechischer
Sprache , sie gestattet verschiedene Weise zn fasten , sie will die nationalen Eigenthüm¬
lichkeiten in der Feier der christlichen Festtage achten , und es fällt ihr deßhalb nicht
ein , AllcS über Einen Kamm scheren zu wollen . Was geändert werden kann , das
ändert sie , wenn in gehöriger Form und mit ausreichenden Motiven unterstützt eine
solche Aenderung beantragt wird . Aber es gibt eben auch unveränderliche Normen ,
die principiell göttlicher Natur sind , und hierin läßt sich nichts ändern , z . B . daß der
römische Bischof das Oberhaupt der katholischen Kirche ist , daß sämmtliche Bischöfe
von ihm bestätigt werden müssen , daß die Kirche innerhalb ihrer Grenzen frei sich
müsse bewegen können , daß sie , die Kirche , das Recht habe zn bestimmen , welche
Rechte zu ihren göttlichen und unveränderlichen und den veränderlichen menschlichen
gehören ; denn die Kirche selber muß am besten ihre Rechte und Befugnisse , so wie
ihre Pflichten kennen . Alle diese Dinge kommen in Frage , so ost ein Sraatsvertrag
mir dem päpstlichen Stuhl , oder ein Concordat abgeschlossen wird . Einem jeden
Concordat liegen solche unveräußerliche Rechte der Kirche zu Grunde ; auf ihnen muß
der päpstliche Stuhl bestehen , sonst bricht die Unterhandlung von vornherein ab ; nur
» ) Aus dem kath . Volksfreund von Westermayer .