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tergotteSbild und sangen das ^vv Mris 8teIIa. An dem Postamente der Bildsäulestand ein Harmonium, auf dem Pater Augustin den Gesang begleitete. Auf das ^veAtaris Stellg folgte die Litanei der Mutter GotteS, dann das MZniliost, dann zum
Schlüsse daS in Notre Dame des Victoire so beliebte Loblied: äe Loncert svec I'ange____
Als Intermezzo improvisirte der berühmte Pianist, der von allen Leidenschafte», derenJoch er bereiis abgeworfen, nur noch der Leidenschaft für die Tonkunst huldigte, diehinreißendsten Phantasien auf dem Harmonium; aber selbst in dieser edlen Kunst, ver-sicherte er uns eines TageS, sind es nur Kirchenmelodien, für die seine Begeisterungsich entflammt. Unmöglich ist es, durch Worte daS Erhabene auszudrücken, dasin dieser schlichten, köstlichen Melodie lag, die einzige vielleicht, die in ihrer Ausführungund in ihrem Gegenstande hienieden des Herrn des Himmels würdig seyn mag !!!
In seiner Abgeschiedenheit von der Welt unterläßt der bescheidene Barsüßernicht, sein ausgezeichnet musicalisches Talent zu üben. Seine Compofitionen sind beiallen Liebhabern der ernsten, volltönigen Kirchenmusik sehr beliebt. Seitdem er in derZurückgezogenheit lebt und alle seine Seelenkräfre den erhabenen Lehren dcS christlichenGlaubens zugewandt hat, erhielt er noch zu seinem ausgezeichneten Musiktalcnt dieGabe der Beredtsamkeit.
„Der Dom in Agen, meldet ein Tageblatt aus dieser Stadt, bot kaum Raumgenug für die außerordentliche Menschenmenge, die sich am DreifaltigkeitS - Sonntagedahin begab, um zu gleicher Zeit daS Orgelspiel nnd die Predigt des ehrw, PaterAugustin (Hermann), eines unbeschuhten Karmeliter aus dem Kloster l'Eremitage, indieser Stadt anzuhören, dessen wahrhaft wunderbare Bekehrung vor einigen Jahrenso viel Aufsehen in Paris machte. Nachdem er auf dem hinter dem Chöre befind-lichen Instrumente durch seine melodischen Accoroe dem Vespergesange noch mehrAnmuth und Ernst verliehen, bestieg er die Kanzel; seine salbungsvolle Rede war soeindringlich und hinreißend, daß sie bei seinen Zuhörern sogar den Eindruck ver-wischte, den sein ausgezeichnetes Orgelspiel bei ihnen erregt hatte. Ein besondererUmstand erhöhete daS Außergewöhnliche dieser Feierlichkeit, Inmitten dieses zahl-reichen Auditoriums, das mit so ungetheilter Aufmerksamkeit den Worten des Rednerslauschte, befanden sich die Mutter, die Schwester, der Schwager und der Neffe des-selben. Alle vier gehörten noch der Synagoge an und waren den Tag vorher, manweiß nicht aus welchem Beweggrunde, von Paris nach Agen gekommen. DerSchwager und die Schwester, 'welche beide sehr ausgezeichnet sind, jener als Zeich-nenmcister und diese als Tonkünstlerin, machten eine Reise von mehr als zwei-hundert Stunden, um einem Mönche auS einem der strengsten Orden einen Besuchzu machen.
Das Rednertalent des Paters Augustin nimmt mit jedem Jahre an Kraft undBedeutsamkeit zu; schon wird er der kleinen Schaar der vollendeten Kanzelrednerzugezählt. Folgende Stelle findet sich im „Univers" vom 3V. Jnli 1853: „Jeder-mann in hiesiger Gegend hat den berühmten Pianisten Hermann gekannt, der nunseit einigen Jahren in den Orden der Barfüßer-Earmcliten getreten ist und jetzt denNamen Parer Augustin führt. Nebst seinem so glänzenden Musiktalcnte hat er nochdie Gabe einer kraftvollen, einnehmenden Beredisamkeit erhalten."
In dem so äußerst wunderbaren LcbenSlaufe des Pater Augustin ist die verbor-gene erhabene Thätigkeit der Hand Gottes unverkennbar, die sich oft so auffallendkundgibt in einer Zeit, wo die blinde Unwissenheit und die leichtfertige Gottlosigkeitmit so vielem Wohlgefallen das Dahinschwinden des Glaubens verkünden.
Titel und Register zum Jahrgang I8ZS werden mit einer der nächstenNummern geliefert.
Verantwortlicher Redacteur: L Schöncheu.