Ausgabe 
13 (25.12.1853) 52
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Landleuten und Damen angefüllt, die auö der ganzen Gegend, von Bordeaux und so-gar von Paris , herbeiströmten. Der Altar war mit Blumen geziert und schimmerteim Lichte zahlloser Kerzen. In ernsten, ergreifenden Tacten ertönte aus dem Ehoreder angemessene Psalmengesang.

Ms der kanonische Gottesdienst beendigt war, trat auö dem Chöre ein ehrwür-diger Greis, der Pater Prior ; ihm folgten in feierlichen Schritten die andern Väterund Brüder, die sich in einem Halbkreise um den Hochaltar stellten. Der Prior bestiegeine neben dem der heiligen Theresia geweihten Seitenaltare errichtete Bühne. Kaumhatte er sich auf seinen Sitz nicLergelassen, als ein junger Mönch, von dem Novizen-meister geführt, zu ihm hinlrat, eS war Hermann. Sein ganzes Wesen >var sanft,ruhig und bescheiden. Er kniete vor dem Greise nieder, küßte schüchtern den Saumseines Gewandes, beugte sein Haupt und aittwortete in lateinischer Sprache ans dieFragen, die man an ihn richtete. Ein junger Priester aus der Diöcese Agen hielt danneine eindringliche Rede an die tief bewegte Versammlung. Nachdem der Novize seinestierlichen Gelübde öffentlich abgelegt und die Einkleidung vollzogen war, warf er sichvor dem Altare nieder und betete langsam, mit gedämpfter Stimme, das Te Deum ab.Als er sich wieder von der Erde erhob, umgab man sein Haupt mit einem leichten, vonweißen Blüthen durchwebten Myrihenk^anz. Unter dem Absingen des schönen Psalmen:Leeo <zusm dorium et ^uecmclum .nslntsre u-stres in imum," trat er zu jedem Bruderhin, der ihm nach herkömmlichem Gebrauche knieend den Bruvcrkuß gad. Hermanntrat dann hinter den 'Mac in das Kloster zurück, und in demselben Augenblicke stimmtedie ganze Versammlung das Te Deum an. Hermann gehörte nnn sür immer demOrden an. Nach der VeSper hielt der Aumonier aus dem ttütel vieu in Bordeauxeine salbungsvolle Predigt, in welcher er daS vorige Leben Hermanns seinem gegen-wärtigen in rührenden Worten gegenüberstellte.

Ein Jahr lang lag er in dem Kloster zu Agen den vorbereitenden theologischenStudien ob, wo er die Tonsur und die kleineren Weihen erhielt, und am Charsamstageden 19. April 185t er-heiite ihm der hochw. Bischof von Vezins die hl. Prierweihe.Nachdem er den Namen Hermann für immer abgelegt, hieß cc nun Bruder Augu-st i u Maria vom heiligen Sacramente. Am folgenden Tage, am Ostersonntag,laS er seine erste hl. Messe, und in derselben Woche betrat er zum ersten Male dieKanzel. Die häufige Comimmion war der selbst gewählte Gegenstand seiner Predigt.

In den ersten Tagen des Septembers 1851 kam Bruder Augustin Maria inBegleitung des ehrw. Paters DominicuS, Provincial deS Ordens, nach Bordeaux, umin dieser Stadt ein Kloster zu gründen. Auf unser Verlangen erlaubte ihm der PaterProvincial, in verschiedenen Klostercapellen die hl. Messe zu lesen. Ju allen diesenAnstalten machte seine Anwesenheu einen sehr tiefen Eindruck; man konnte sich nichtsatt sehen an den äußerst litblichen, heitern Zügen deS neuen Saul. Unter den An-wesenden bemerkten wir eineö TageS eine juuge jüdische Dame, welche dahin kam, umihren ehemaligen Glaubensgenossen zu sehen; sie hatte Mühe, ihre Rührung zu verbergen.

Als diese Herren nach einigen Tagen Bordeaux verließen, luden sie unS ein, sienach dem Kloster Broussy und von da nach Ermitage in Agen zu beglenen; wir nah-men diese Einladung mit Freude an. An einem Abende, als die Klostcruhr die achteStunde schlug, verließen sämmtliche Brüder das Refecloiinm, nachdem sie daselbst einfrugales Mahl, etwas Gemüse in Wasser gekocht oder einige Salatblätter zu sichgenommen, und begaben sich zur Rccrealion in den Garten, Auf einem Rondell in-mitten des Gartens steht eine Bildsaule, die Mutter Gottes mit dem Kinde. Allent-halben in der ausgedehnten Landschaft herrschte die tiefste Stille. Alles stimmte denGeist zur Betrachtung und das Gemüth zur innigen Rührung. Der Pater Provincialführte uns in eine Laube, wo wir uns neben ihn setzten. Bald daraus vernahmenwir die entzückenden Töne mehrerer vollklingender Stimmen, die von dem Fuße deSMuttergottesbildes auszugehen schienen; wir erhoben uns, traten näher hinzu, undsiehe, mehr als zwanzig Brüder und Väter, die Kapuze über ihr Haupt gezogen,saßen unbeweglich mit zur Erde gesenktem Blicke auf den vier Bänken um das Mut-