Ausgabe 
13 (25.12.1853) 52
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hl, Vater bei seiner Anwesenheit in Rom 1852 zum Provknzvi'car ernannt), nochvierzehn Brüder, 'gegenwärtig unter dem Priorate des Fr, Sebastian Benz, und hatin diesem Jahre auch ein dem Kloster gegenüber gelegenes Gebäude nebst großem Gar-ten angekauft, um kranke Priester darin ausnehmen und verpflegen zu können.

Wunderbare Bekehrungsgeschichte beS berühmten TonkünftlerS

Hermann Kohn,

ausgezogen aus dem Werke Souvenir clss rvoits oontemvorsin».

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Am 6. Oct, 1849 hatte Hermann endlich das Glück eingekleidet zu werden, nach-dem er sich auf eine würdige Weise dazu vorbereitet hatte. Mit niedergeschlagenenAugen und heiterem Gesichte nahm er Besitz von seiner Zelle, worin er weiter keineMobilien vorfand, als ein auf zwei Pflöcke» liegendes Brett, daS ihm zur Lagerstättediente, nebst einem unförmlichen hölzerne» Stuhl Er, der noch unlängst in einem wei-chen Bctle r>on feiner Wolle und Pflaum schlief und sich auf gepolsterte sammtve undseivene Lehnsessel niedersetzte. Sein Blick ruhte oft auf der Inschrift, die an der Wandseiner Zelle angebracht war, des Inhalts:Auf dem Carmel und am jüngsten Gericht,Gott allein und ich." Er nahm Antheil an den Betrachtungen, den Gebeten und denGesänge» der Genossenschaft, die um Mitternacht begannen und erst um 8 Uhr Abendsdeö folgende» TageS endigten, DaS Andenke» an die Welt und a» die glänzendenGesellschaften, deren Zierde und Wonne er gewesen, ohne in denselben auch nur einenAugenblick ein ungetnibtes Glück gekostet zuhaben, schienen vollkommen seinem Gedächt-nisse entschwunden ju seyn. Wie konnte ihn wohl eine Sehnsucht nach denselben be-schleichcn? War ja seine Zelle nur in geringer Entfernung von dem Altare, wo dashochheilige AltarSjacramcnr aufbewahrt war, in dessen Gegenwart er sich zu jederStunde begeben konnte und sogar während der Nacht im Geiste sich vor demselben dachte.

In der Gegend erzählt man sich, im Monat Juli des Jahres 1850 sey eine Dameauö Paris in jene Gegend gekommen, »nd habe sich ein Zimmer in einem kleinen Häus-chen in der Nähe des Klosters gemiethet. Ihr AenßereS, welches vermuthen ließ, daßsie einem höhern Stande angehöre, ihre eleganten Manieren »nd ihr melancholischerBlick erregten die Neugierde der B-wohner jenes Landstrichs, der selten von Fremdenbesucht wird. Gleich am ersten Tag ihrer Ankunft ging sie Abends in die Capelle,worin man daS gewöhnliche OssiVium abhielt; die Capelle ist durch deu Altar vom Eborgetrennt, wo sich die Klostergeistlichen bcfinden, die man unter der Begleitung eineSHarmontuins singen hört, ohne sie sehen zn können. Alö sie die ersten Töne des In-struments vernahm, ward sie heftig erregt und Thränen cntstürzten ihrem Auge. Sieschien die Hand erkannt zu haben, die dem Instrument so rührende Töne entlockte. Sieentdeckte dem Pater Superior wer sie sey, und dieser gestattete ihr, Hermann zu sehen.Als sie ihn erblickte, rief sie aus:Großer Gott, wie sie ihn entstellt habe» mit dieserKutte, diesen Sandalen und, diesem geschorenen Kopfe!" und der Novize stürzte mit demSchrei:Meine Mutter, meine Mutter!" in ihre Arme.--Es war wirklich Her-manns Mutter, eine Jüdin, die fest ihrem Glauben und der Welt anhing, und ganztrostlos sich gcberdete, ihren Lohn verloren zu habe». Umsonst bot sie Alles auf, umihn zn dem ihrer Meinung nach wahren Glauben zurückzuführen. Am Ende deö Mo-nats Juli verließ diese wieder die Gegend, welche sie als die Grabstätte ihres gelieb-ten SohneS betrachtete.

Hermann setzte seine Prüfungsgelt im Noviciat mit derselben Beharrlichkeit fort,bis endlich für ihn die feierliche Stunde erschien, wo er für immer der Welt entsagte,die ihn vormals so enge umstrickt hielt, ohne ihn befriedigen oder beglücken zu könnenWir hatten die Freude, der so ergreifenden Feier der Profession beizuwohnen. Siefand am 7. Oct> 1850 statt. Schon mit dem frühesten Morgen war die Capelle mit