„Alles für das Volk und Alles durch die ihm von Gott gesetzten Ge-halten." *)
2. „Befreiung der Lehrer aus ihrer Abhängigkeit von den Geistlichen."
Also die Schule soll von der Kirche getrennt, die Erziehung der
christlichen Jugend soll der Kirche entrissen und dem Staate allein über-geben werden! Könnt und dürft ihr das gestatten, christliche Vater undMütter! werdet ihr ruhig zusehen, wie eure Kinvlein, die so fähig sindfür das Reich Gottes, der heiligen Mutter, Eurer Kirche, von, Herzengerissen und einer vielleicht entchristlichten Staatöanstalt in die Arme gelegtwerben, um dem wahren Glauben der Bäter und dem Himmelreiche immermehr entfremdet zu werden? Wehe euch, wenn ihr dieß könnt, t! Wahrlichdann dürftet ihr euch nicht mehr freuen, wenn euch ein Kindlein zur Welt
geboren wird. , , >
3. Verminderung des stehenden Heeres, daimt nicht die besten^Kräfte den" Gewerben und dem Ackerbaue entzogen und die StaatsauSgabenohne Noth vergrößert werden. Dagegen Einführung der Volksbewaffnung," ^
Wenn daS stehende Heer und mit ihm die Ausgaben des Staatesvermebrt werden, wer ist Schuld daran? Tragt nicht ihr die einzige Schuld,ihr Männer der sogenannten Freiheit und Gleichheit! die ihr das Volkdurch Reden und Schriften aufwiegelt zur Empörung gegen seine Fürstenund Obrigkeiten? Nennt euch ferner nicht mehr Vvlksfrcunde und Volks-führer, sondern vielmehr, was ihr in Wahrheit seyd, Volksfeinde und Vvlkö-verführer Seicht durch das stehende Heer werden den Gewerben und demAckerbau die besten Kräfte entzogen, sondern durch eure unzähligen VolksVersammlungen, in denen ihr den Gewerbsmann und Ackersmann miteuer» erbä.mlichen Glückseligkeiislehren, an die ihr selbst nicht glaubt, ein-wiegt in die Träumereien der VolkShcrrlichkeit, während sie ihre Händeam Ambose oder Pfluge re. haben sollten. Und wie könnt ihr mit gutemGewissen Einführung der Volksbewaffnung empfehlen, wenn Gewerbe undAckerbau blühen sollen? Zst'S nicht gerade die Volksbewaffnung, die nebstder Trink- und Spielsucht, weit mehr als ein stehendes Heer, die bestenKräfte dem Gewerbe und Ackerbau entzieht? Stellt der Staat nicht ebendeßhalb stehende Heere auf, damit wir vor innern und äußern Feindenbeschützt den Gewerben und dem Ackerbau ungehindert nachgehen können?Doch wir wissen gar gut, warum ihr, demokratische Wühler! VerminderungdeS stehenden HeercS und Einführung der Volksbewaffnung wünscht. Nichtwahr, damit ihr ungehindert euer Unwesen treiben und gleich einem Heckerund Struve als Banditen verkleidet den friedlichen Bürger überfallen undberauben könnt?!
4. „Alljährliche Zusammenberusnng der Stände, jährliche BndgetSund unbedingtes SteuerverweigerungSrccht."
Die Stände kosten, alle 3 Jahre zusammenbcrufen, dem Lande ohne-hin schon enorme Summen, und ihr, Volköbcglücker! wollt diese Lastendem guten Volke alle Jahre auf den Rücken legen? Wie räumt sich daszusammen mit eurer Sorge für Verminderung der StaalSauögabcn? Nichtwahr, eure Budgetö soll das Volk bewilligen, jene der Fürsten und großenBürde« weil Würde-Träger aber vermindern? Welch schreiende Ungerech-tigkeit! Endlich verlangt ihr gar »och unbedingtes Steuerverweigerungr-recht für die Stände deS Landes! Seit wann haben denn die Repräsen-tanten deS Volkes von Gott daS Recht erhalten, die Steuern der gesetz-lichen Obrigkeit zu verweigern? Sagt nicht der Heiland selbst: „Gebetdem Kaiser, was deS Kaisers, und Gott, was Gottes ist?" Nicht wahr,weil ihr, Freunde des RongethumS! Gott nicht mehr gebet waS GotteSist; so wollet ihr auch dem Kaiser nicht mehr geben, waS des Kaisers ist?!Habt ihr vergessen waS Paulus an die Römer schreibt: „Gebet jedem,waS ihr ihm schuldig seyd: Abgabe, wem Abgabe; Zoll, wem Zoll; Ehr-furcht, wem Ehrfurcht; Ehrenbezeugung, wem Ehrenbezeugung gebührt."Röm. 13, 5—7. Wie aber, wenn man dem Landesfürstcn keine Steuernmehr entrichten dürfte, könnte sich da noch eine Obrigkeit erhalten? Wennaber keine Obrigkeit mehr da wäre, würde dann nicht schnell die gräulichsteAnarchie, die Schreckensherrschaft der Proletarier mit dem rohesten Faust-rechte gangbar werden und keiner mehr seines Lebens und Eigenthumssicher seyn?
Höre darum, christkatholischeS Volk des Algäu'S! was bezüglichhieher der Apostel Paulus an seinen Timotheus schreibt: „Vor allemermähne ich dich, daß flehentliche Bitten und Gebete, Fürbitten und Dank-sagungen für alle Menschen angeordnet werden, besonders für die Könige,und für Alle, die in einem obrigkeitlichen Amte stehen, damit wir unterihrem Schutze still und in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit dahin lebenmögen. Denn daö ist gut und wohlgefällig vor Gott unserm Heilande,
dessen Willen es ja ist, daß alle Menschen zur Erkenntniß der Wahrheitgelangen und selig werden." 1. Tim. 1 — 4.
Dieses zum neuen Jahre Dir katholisches Algäuer Volk von Einem
Deiner
aufrichtigsten Freunde.
Den 1. Jan. 1849.
- <>*? hören die Gewalten nicht auf von Gott gesetzte Gewalten zu setzn, wenn
die Fürsten ihrem Volke eine Verfassung geben, kraft welcher sie da» Volk in seinen Re-Praientantcu an der Regierung des Landes Antheil nehmen lassen.
Die preußisch-protestantische Intrigue.
* Unter dieser Aufschrift enthält daS Pariser Blatt „UniverS" folgen-den Artikel aus Frankfurt vom 30. December 1848:
Welchen Namen der Protestantismus sich auch immer geben mag,er war immer eine fricdenstörende Partei in der Kirche gewesen, und ver-läugnet diesen Charakter nun auch in der Politik nicht.
Seit mehreren Monaten erschöpft sich Deutschland durch Anstren-gungen, jene alte bürgerliche, politische unv militärische Einheit, unterwelcher Form immer, wieder zu erringen, die ihm der LutheraniSm unddie auö ihm hervorgegangenen Seelen geraubt haben. Man braucht dieLebensbedingungen der Nationen nur einigermaßen zu kennen, um zubegreifen, daß ein so weltumfassender und Völkerreicher Staat, wie Deutsch-land ist, sich nur unter der Bedingung zu wirklicher und dauerhafter poli-tischer Einheit vereinigen kann, daß er durch einen erblichen Monarchenrcpräsentirt und gewissermaßen in ihm personificirt ist; das Beispiel PolenS lehrt Deutschland, was unter einem Wahl Kaiser (m der strengen Bedeu-tung dieses Ausdruckes) auö ihm werden müßte. Wenn man die Frage,wer zu der Würbe eines deutschen Kaisers erhoben werden soll, nur aufpolitischem Gebiete erörtern würde, dann wäre sie bald gelöst: die Ge-wohnheit, das kaiserliche Diadem auf der Stirne eines Habsburgers glän-zen zu sehen, würde allein hinreichen, dem Hause Oesterreich die Ober-herrschaft über alle Staaten Deutschlands zu sichern, und die Wahl desErzherzogs Johann zum Verweser des Reichs beweist hinlänglich, welcheGesinnung in dieser Beziehung vor einigen Monaten unter allen deutschen Völkern die vorherrschende gewesen ist. Man sah damals wohl ein, daßOesterreich mit seinen acht und dreißig Millionen Einwohnern und einemHeere, von mehr als 400,000 Mann allein mächtig genug sey, den ver-bündeten Staaten Deutschlavds hinreichenden Schutz zu gewähren, undman konnte sich nicht verhehlen, baß eS durch seine See-Etablissementsam adriatischen Meere dem wiedergeborenen Reiche die kostbarste Mitgäbe,die eines offenen SchiffsahrtöwegcS für seine Producte auf alle Märktedes Orients zubrächte.
Da wirb aber auf einmal der alte Lutheranismus, jener nämlich,der Gustav Adolph, blutigen Andenkens, dem die reformtrten Fürsten diedeutsche Kaiserkrone bestimmt hatten, aus dem fernen Schweben herbeirief,von dem Gedanken, einen katholischen Fürsten an der Spitze Deutschlands zu sehen, von Furcht unv EndsHen ergriffen. Wie Briareus, einer derCeiuimanen, dehnt er seine erstarrten Glieder, und diese Bewegung reicht ^hin, den ganzen germanischen Boten zu erschüttern. Die katholische Kirche, !welche in Deutschland so viele Bekenner zählt und so lange Zeit von derpolitischen Macht unterjoch^, war, harte plötzlich ihre Fesseln gebrochen, ik
und daS Geräusch der zertiümmerlen Kellen schlug mißtönend an die prvte- ^
stantischen Ohren. In allen protestantischen Staaten so wie im Schooßeder Versammlung in Frankfurt wurden Ränke geschmiedet, deren Zweckwar, die Kaiserkrone dem Oberhaupte des Hauses Brandenburg aufzusetzen.
Dieß war eine der ersten Wirkungen deS katholischen Congresses von Mainz und des Nanonal-Concilö in Wü^burg. Diese politische Verirrung leitete 1mau damit ein, daß die Fraiikfurter Versammlung die Einheit der öster-reichischen Monarchie zu zerWren suchte, indem sie dem zu schaffendenReiche nur den geringsten M)eil der Staaten einverleibte, aus welchendiese große Monarchie besteht, und daß sie in Folge dieses unüberlegtenActes Oesterreich eine weit geringere Anzahl von Abgeordneten und Stim-men für die beantragten beiden deutschen Kammern zugestehen wollte, alsPreußen besitzen sollte.
Die Schlinge war zu sichtbar gelegt, als daß die österreichische Po-litik sich darin hätte fangen lassen sollen. Stark durch die Siege, welchesie in Italien unv über die Aufrührer ihrer Hauptstadt erkämpft hatte,gab sie nicht undeutlich zu verstehen, daß sie sich nöthigen Falles entschlie-ßen werbe, ihre Abgeordneten von Frankfurt abzurufen, und um diesemVorhaben einen bestimmteren und kräftigeren Charakter zu geben, entsagtender Ksiser und sein Bruder der Krone und setzten sie ihrem 18 Jahre zäh-lenden Erben aufs Haupt, dem sie damit die Vertheidigung des kaiserlichenAdlers anvertrauten. Zu gleicher Zeit legte Herr v. Schmerling, Präsi-dent des deutschen Reichsministeriums und einer der ausgezeichnetsten Man-