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9 (28.1.1849) 4
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Neunter Jahrgang

S8. Januar L84S.

Offenes Sendschreiben

cin das katholische Volk und seine Wühler im Algäu.

Von einem wahren VolkSfreundc.

Katholisches Volk deS Algäu'S!

Vor wenigen Jahren noch ward im ganzen Lande hochgepriesen deineAnhänglichkeic an Thron und Altar, an Kirche und Vaterland.

Wenn man je von einem Gaue des biedern katholischen Bayerlandeöein sreudigcö Resultat bei der Wahl von Abgeordneten zum nächsten baye-rischen Landtage erwartete, so war eS daS katholische Algäu. Jeder auf-richtige Katholik erwartete von dir, katholisches Algäu! Männer zu Abge-ordneten gewählt, die eS aufrichtig meinen mit Kirche und Vaterland, diemit Gut und Blut einzustehen bereit wären für den Glauben deiner Väter,deren kirchliche und bürgerliche Tugenden gleich deinen weicreichen undhimmelanragenden Bergen dem ganzen Lande zur Erhebung und Freudedienten. Nun aber ist dahin dein guter Ruf; der NameAlgäu' hatseinen guten Klang verloren. Du wähltest zum Landtage Abgeordnete,die eS durchaus nicht redlich meinen mit dir, deiner Kirche und deinemVaterlande.

Wiche! dein König erließ noch kurz vor der Urwahl in Nr. 99 deS!Kreis.JntelligenzblatteS vom 26. Nov. I. I. folgenden Ausruf an sein Volkund so auch an dich, katholisches Volk deS Algäu'S!

Wir geben Uns auch dem Vertrauen hin, daß unser geliebtes Volkdie ihm durch die Gesetzgebung gewährte volle Freiheit der Wahlen wohlerkennen, den hohen Ernst und die Wichtigkeit dieser Handlung gewissen-haft würdigen und nur solche Männer zu dem hochwichtigen Berufe derVolksvertretung erwählen werde, welche durch treue und hingebende Vater-landsliebe, durch erprobte Gesinnungstüchtigkeit und ernstes Erfassen undVerstehen der Zeit und ihrer großen Aufgaben, durch edlen Freimuth,aber nicht minder regen Sinn für Gesetz und Ordnung berufen erscheinen,Uns in unsern unablässigen Bestrebungen für des Vaterlandes Wohlfahrtund für Befestigung und Förderung der wahren Freiheit zu unterstützenund mit redlichem Wollen und männlicher Thatkraft zur Seite zu stehen.So wird dann gelingen, auf der betretenen Bahn der Freiheit undGesetzmäßigkeit muthig voranzuschrciten und diejenige Eintracht zwischenFürst und Volk zu sichern und zu erhalten, welche die allein feste Bürg-?schaff wiederkehrenden FriedenS und dauernden Volksglückes ist; so wird eS^möglich seyn, der Einigung deS GcsammtvaterlanvcS als feste Stütze zu?dienen und den VerfafsungSbau zu fordern, aus welchen Fürst und Volk,mit gleicher Theilnahme, mit gleich aufrichtiger Vaterlandsliebe erwartend!Hinblicken und der unter Gottes mächtigem Beistande bald vollendet wer-den möge." !

Wahrlich, ein erhabner und erhebender königlicher Aufruf! Hätten?alle Vorsteher deiner Gemeinden, katholisches Volk des Algäu'S! vor der!Urwahl diese erhabnen königlichen Worte an dein für daS Wahre, Gute'und Schöne sonst so empfängliches Herz gelegt, du hättest dich sicher nichtsso verblenden und bethören lassen bei der so ernsten und hochwichtigenWahl deiner Landtagsabgeordneten. Nun aber haben Einige deiner Füh-rer, die ihren Mund immer voll haben von Republik- Glückseligkeits - Ver-heißungen, diesen königlichen Aufruf nicht nur dir nicht bekannt gemacht,sondern sie haben dir als Leitstern bei der Abgeordneten-Wahl den dirwohlbekannten Aufruf deS demokratischen Vereines von Kempten in vielenErcmplaren zum Lesen angeboten. In diesem Ausrufe kommen aber Anträgevor, die sich mit dem Gewissen eines katholischen Christen und Unterthansnicht vertragen und die ich dir nun Satz für Satz beleuchten möchte.

1.War die Verfassung von 1818 aller Mängel ungeachtet zu

ihrer Zeit eine Wohlthat, so hat sie doch nunmehr vollständig sich übcr^lebt. Ein Geschenk königlicher Gnade, das von Beschränkungen, Aus-nahmen und Privilegien strotzt und von den Machthabern auf alle Artmißdeutet und mißbraucht wurde, paßt weder zu den Errungenschaften deSMärz, noch zum Principe der Souveränetät (Machtvollkommenheit) deSVolkes. Mit Verbesserungen reicht man hier nicht auS; ein Neubau istdringendes Erfordernd ein Neubau im Einklänge mit den Beschlüssendes deutschen Parlaments und dem großen Grundsätze: Alles für dasVolk und Alles durch das Volk."

Sey eS auch, daß die Verfassung von 1818 voll Mängel war; siewar Menschenwerk, und darum schon als solches unvollkommen, mangel-haft. Gibt eS wohl etwas Vollkommncs unter der Sonne? Und welcheVerfassung wird so vollkommen seyn, daß sie nicht mißdeutet und mißbrauchtwerben könnte? Ich kenne eine Verfassung, die Gott selbst seinem Volkedurch dessen Führer und seinen Diener MoseS gegeben bat. Es sind diezehn Gebote Gottes. Und was wird mehr mißrcutet und mißbraucht, alsdiese, von Machthabern und Volk? Ist diese GotteSverfassung deßhalb zuverwerfen? Christus, der Eingeborne Sohn Gottes hat sie nicht verwor-fen; ja Er machte dieselbe vielmehr zur Grundlage seiner neutestamenllichcnVerfassung für seine Kirche.Ich bin nicht gekommen, sprach Er, daSbesetz -'nr> die Propheten aufzulösen, sondern sie zu erfüllen." Und glück,lich der Staat, dessen Gesetze die göttliche Consiitulion zur Grundlagehaben! WaS kann man daher von einer ReichSversammlung hoffen, die inVielen ihrer Mitglieder des Glaubens an Gott beraubt ist, und demReiche eine Verfassung geben will ohne Gott?! Und mit den Beschlüsseneines solchen des deutschen Parlaments soll im Einklänge stehender Neubau des deutschen Reiches; dieser Neubau soll im Einklänge stehenmit dem großen (?) Grundsätze:Alles für daS Volk, »nv Alles durchdaS Volk!" Alles für daS Volk, d. h. für sein zeitliches und ewigesWohl! Ja, damit stimmt jeder Christ überein. Aber:Alles durch daSVolk!" Welch eine Begriffsverwirrung, welch ein Umsturz aller Rechts-verhältnisse! Seit wann hat denn Gott, der allerheiligste und allermäch-tigste Souverän dem Volke das Recht eingeräumt, Gesetze zu gebenund Constitutivnen zu mache»? Wann und wo hat Gott daö Volk mitSouveränetät ober Machtvollkommenheit begabt? Wozu sind dann nochFürsten und Regierungen nöthig, wenn das Volk selbst herrschen dürste?Wären sie dann noch mehr, als bloße willenSlose Werkzeuge oder Puppendeö Volkes? Dann müßten die Fürsten und Obrigkeiten dem Volke undnicht Dieses jenen gehorchen. Wie könnte aber da der Apostclsürst Petrus noch schreiben:Unterwerfet euch um deS Herrn willen jeder menschlichenObrigkeit eS sey nun dem Könige, der über Alle gesetzt ist, oder seinenStellvertretern, als solchen, die Er zur Bestrafung der Uebelthätcr, undzur Belohnung der Guten bevollmächtiget hat. Erweiset Jedem diegebührende Achtung liebet die Brüder, fürchtet Gott, ehret den König."Wie könnte so Paulus noch schreiben:Jedermann sey der obrigkeitlichenGewalt Unterthan, die über ihn gesetzt ist; denn keine Obrigkeit ist anderswoher, als von Gott und die bestehenden Obrigkeiten sind alle von Gott geordnet." Röm. 13, 1 4. Der König ist also Regent von GottesGnaden und nicht von Volkes Gnaden. Darum beschloß daS sechste Concilvon PariS:Der König soll demüthig und wahrhaft glauben, daß Gott es sey, der ihm daS Reich gebe." Und Tcrtullian schreibt:Der Christist Niemandem Feind, am allerwenigsten dem Kaiser, von dem er weiß,daß er von Gott angeordnet sey." Kurz:Wie der Vater die Gewalt,mit welcher er über die Kinder herrscht, nicht von den Kindern, sondernvon Gott erhält; eben so empfängt der LandeSvatcr die Gewalt, mit wel-cher er über die Landeskinder gebietet, nicht von diesen, nicht vom Volke,sondern von Gott." Der große Grundsatz deS christlichen Volkes, mit demder Neubau des deutschen Reiches im Einklänge stehen soll, heißt also: