Ausgabe 
9 (21.1.1849) 3
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und so viel möglich den praktischen Uebungen der Seelsorge obliegen, damitsie in jeder Hinsicht für dieses Amt tüchtig werden und in Einem Sinnund Geiste zu wirken im Stande seyen. Da Uns aber gegenwärtig einanderes geeignetes Local noch nicht zu Gebote steht, so werden Wir zudiesem Zwecke einige Zimmer in Unserm Klerical-Seminar Herrichten laffen;und da außerdem der immer noch fortdauernde Priestermangel eS nichtgestattet, zum Behufe der nöthigen Vorbereitung eine größere AnzahlPriester auf eiumal auS der Seelsorge zu entlassen, so wollen Wir fürden Anfang auö denen, welche sich gemeldet, nur fünf oder sechs derselbenzu dieser Vorbereitung einberufen, damit im künftigen Jahre wenigstens ineinigen Pfarreien Missionen gehalten werden. Denjenigen Priestern, welchesich zwar melden, aber jetzt noch in der Seelsorge unentbehrlich sind, wer-den Wir Anleitung geben lassen, wie sie vorläufig, bis auch sie zur eigenslichen Vorbereitung einberufen werden können, durch Studium und geist-liche Uebungen diesem Berufe näher kommen sollen.

2. Haben sie im Klerical-Seminar die nöthige Vorbildung erhalten,so kehren sie in ihren frühern Beruf als Pfarrer oder Cooperatoren zurück,stets bereitwillig, auf den Ruf deS Bischofes geistliche Exercitien zu leitenoder Missionen zu halten, nach deren Vollendung sie sich wieder derordentlichen Seelsorge widmen.

3. Da aber zu einer segensvollen Verwaltung dieses AmteS natür-liche Anlagen auch mit wissenschaftlicher Bildung nicht genügen, wennnicht ein kräftiger und beharrlicher Wille, für die Ehre Gottes in beson-derer Weise Opfer zu bringen, dem Gemüthe eine Begeisterung verleiht;so ist eS nothwendig, daß diese Priester unter sich verbunden seyen, unddaher einen Verein bilden, indem sie nach bestimmten Vorschriften sichrichten, wie auch von Zeit zu Zeit zusammen kommen, um in guter Nichtung sich zu erhalten und den Eifer in Gebet, Studium und Seelsorgezu beleben. Deßhalb hören sie aber nicht auf, Säcular- und Seelsvrgs-Priester zu sepu, und werden neben dem Weltpriesterstande keinen beson-dern Stand bilden, sondern gehören nachher wie vorher dem Säcular-KleruS selbst an. UebrigenS können in diesen Verein auch solche Priestereintreten, welche, ohne daß sie für Misstonen verwendet werden, demselbenanzugehören wünschen.

4. Endlich müssen Wir zum Voraus bemerken, daß Wir jenen Prie-stern, welche dem beabsichtigten Vereine beitreten werden, nicht die gering-sten zeitlichen Vortheile versprechen können und wollen, und daß Wirgerade darauf die Hoffnung eines desto größern Segens von Oben setzen.So lange sie entweder zur Vorbildung oder Wiederbelebung dessen, wasihres BerufeS ist, in einem Hause zusammenwohnen, oder auf Missionensich befinden, werden sie nur auf das Noihdürftige Anspruch machen können,ohne AuSsicht auf frühere Beförderung wegen des Opfers, das sie Gottzum Heile der Seele» freiwillig bringen. Sie bleiben allen übrigen Seel-sorgern in jeder Hinsicht gleichgestellt, und wenn je ein Vorzug Geltunghaben soll, so kann dieser nur in einem erhöhten Streben bestehen, seineigenes Heil zu wirken und möglichst vielen Seelen zu nützen. Durch siesoll der übrige Theil der Seelsorger, nicht zurückgesetzt, sondern vielmehrgeehrt und der thatsächliche Beweis geliefert werden, daß auch der Säcular-Klerus durchweg im Staude sey, jenem dem apostolischen Wirken näherkommenden Berufe der Missionen für Priester und Volk zu genügen.

Regensburg , den. December 1848.

Valentin, Bischof.

Joseph Lipf, bischöflicher Secretär.

nun die Menschen Menschen und keine Engel sind, so übt das Aeußereund Innere einer Kirche einen bedeutenden Einfluß auf den Besucher der-selben. Eine düstere, zu kleine und halb verfallene Kirche kann unmöglichden Menschen zur geistigen Freude an Gott und Gotteöeicnst stimmen wieeine geräumige, helle und gut erhaltene, die gleichsam ein Himmel aufErben ist. Aber gerade an geräumigen und freundlichen Gotteshäusernfehlt eS ln unserer Zeit in gar vielen Gemeinden. Die zunehmende Bevöl-kerung fordert auch größere Kirchen, besonders auf dem Lande, wo oftdem Pfarrer auf jeden Sonn- und Festtag bange seyn muß wegen Unord-nung und Störung beim Gottesdienste, besonders hinsichtlich der Schul-jugend, die in den wenigsten Kirchen einen passenden Platz hat wegenMangels an Raum und Stühlen. Uebergehen wir aber diesen Mißstand,der noch lange dauern wird, weil man zur Vergrößerung der öffentlichenVergnügungsplätze eher Zeit und Geld findet, als zur bequemern Einrich-tung der Gotteshäuser, und schauen wir nur die Dachungen und Gemäuermancher Ktrchen an! Regen und Schnee dringen durch das schlechte Kir-chenbuch ein, und in kurzer Zeit fällt ein Theil der Mauerdecke herab, sodaß der Geistliche mit Lebensgefahr an dem einen oder andern Altar dieheilige Messe celebrirt.Hätte man unserer Kirche den Zehent gelassen,so müßte sie eine der schönsten der Gegend seyn." So antworteten mirmeine Pfarrkinder auf die Frage um die baupflichrige Person. Der königl.LandgerichtSvorftanv hat schon vor zwei Jahren den Schaden angesehenund darüber an daS königl. CultuSministerium dringend berichtet. Alleindie Kirche wird immer baufälliger und lebensgefährlicher und die Summeder R-paralurkosten immer bedeutender.Gebt Gott, was Gottes,und dem Kaiser, was deö Kaisers ist." Diesen AuSspruch deSHerrn hat der Staat mit Füßen getreten und Gott genommen, was Got-leS war. Dieses ungerechte Gut hat wie der Rost das Eisen auch dasGold und Silber deS Staateö aufgefressen, so, daß Gott um Kirchen,der Kaiser um Geld betteln muß.

Ruin und Ruine» in der Gegenwart «nd Zukunft.

h DaS vornehmste HauS einer Stadt- und Landgemeinde ist dasGotteshaus. Hier steht die Wiege der geistlichen Wiedergeburt, der Tischder Seelcnspeise, der Altar deS beständigen unblutigen Opfers! In der!Kirche befindet sich der heilige Schwemmleich der Buße, der Lehrstuhl des!Wortes GotteS. In der Svphienkirche zu Constantinopel war beim Ein-igange ein großes Weihwaffergefäß mit der griechischen Umschrift, die vor-iund rückwärts gelesen den gleichen Sinn gab: ,

,<?) Waschet die Bosheiten, nicht allein das Gesicht." Diese

sinn- und kunstvolle Umschrift deutet hin auf die innere und äußere Reinig-keit, die man in die Kirche mitbringen soll, auf die Andacht deS Herzensund aus den Anstand deS Leibes beim Besuche deS Gottesdienstes. Da

Man glaubt, daß dem ehemaligen Dompredlger Eberhard die Heranbildung derMisnonSdicnst-Adspiranten im bischöflichen Klerical-Seminar werde übertragen werden.

A. d. Emscndcrs.

Die Slowanska Lipa.

ES wuchs in der Hauptstadt Böhmens eine Linde auf, der derName die slavische (slocviumlca lipa) beigelegt wurde. Seit mehrerenJahren stand sie als unbeachtbares Reislein da, während sie jetzt nichtbloß Böhmen überschattet, sondern selbst über Mähren, Galizien, Ungarn ,bis an die Gränzen der Türkei und an die Gestade deS adriatischcn MeereS ihre Acste ausstreckt. War es ursprünglich das Ziel dieses SlawenvereineS,die Bildung der Slawenstämme zu heben, mit der kleinen Nebenabsicht,den czechischen Dialekt zur Gelehrtensprache zu machen, wie in ähnlicherArt der sächsische Dialekt den übrigen deutschen Dialekten zu seiner Zeitden Rang ablief, und hielt er sich beim Beginn einer freieren Bewegungnoch wesentlich an diese Aufgabe, so hat sein Streben in der neuesten Zeitmehr eine politische Richtung genommen, besonders seitdem er die Bestand-theile der ausgelösten Swornost in sich aufgenommen hat. Es wurdeaber seiner Zeit wahrgenommen, daß die Swornost nicht nur einen reli-giösen Deckmantel trug, sondern auch unverkennbar separatistische Tenden-zen verfolgte. Bei der lips war man in letzter Rücksicht zurückhaltender,obschon Niemand zweifelte, daß sie ähnliche Zwecke verfolge. Es sollteaber das verhängnißvolle Jahr 1848 nicht zu Ende gehen, ohne daß mansich offenbarte. DaS geschah auf eine zweifache Art. Erstens durch dieAufführung deS böhmischen SchauspielesHuß" und zweitens durch dieArt und Weise, wie die Abgeordneten der verschiedenen Zweigvereine beidem Hauptstamm der Slonwnska lipa in Prag empfangen wurden. Wiezu erwarten, wurde in dem Schauspiele Huß als Heros und Martyrdargestellt, und was der katholischen Kirche hochehrwürdig, ja heilig ist,herabgesetzt; so mußte z. B. der Papst sich durch einen Zopf lächerlichmachen. Als die Vertreter ihrer Vereine in den festlich geschmückten Saaltraten, begegnete ihren Blicken daS Bild Sr. Majestät, aber zu beidenSeiten Huß und Zizka . Konnten sie dieser Vorstellung eine andere Deu-tung geben, als: Unsere Huldigung, dem Kaiser in der Voraussetzung, daßer die Grundsätze gelten läßt, welche Zizka mit seiner Faust und Hußmit seiner Beredtsamkeil vertheidigte und mit seinem Blute besiegelte? Be-reits ist die Meute der Scribenten los, wobei es dem ächten Staatsbürgerunendlich leid thun muß, daß selbst das NegierungSorgan inS nämlicheHorn stößt. Unser kirchliches Darniederliegen ist bekannt. Was kann beieinem planmäßigen, von vielen Kräften unterstützten Vorgehen nicht gewagtwerben! Man täusche sich nicht mit der närrischen Rongerei, nicht so wirdeS mit dem HussitiSmus werden: wird dieser ausgerufen, so wirdder Boden in Böhmen dröhnen. (W.K.Z.)

Verantwortlicher Redacteur ; L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.