Ausgabe 
9 (30.12.1849) 52
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vorgenommen werden. Herzliche Theilnahme des katholischen Theiles derBevölkerung, und begreifliche Neugier deS protestantischen hatten das mög-lichst gezierte Kirchlcin voll ang<pfropft, und aller Augen waren auf diestandhafte Bekennen» der Einen göttlichen Wahrheit gerichtet, die in wei-ßen Schleier gehüllt an der Communionbank kniecte. Nach vorangegan-gener Predigt über die katholische Glaubenslehre wurde gemäß Vorschriftdes RiiualS daS Voui Creator angestimmt. Hierauf die Formel deS katho-lischen Glaubensbekenntnisses vorgelesen, und von der Convertitin beschwo-ren. Aus Rücksicht auf die vielen anwesenden Akatholiken hielt ich dann«ine zweite Anrede über die bctingnißwcise zu wiederholende Taufe derKetzer, nahm sohin diese heilige Handlung an der Convertitin unter Bei-legung der neuen Taufnamen Maria Anna Pia vor, und beschloßdiesen Act mit der drillen Anrede über daS Glück ein lebendiges Glied derEinen Kirche Jesu zu seyn. Nach dem Hochamte, worunter die Convertitindie heilige Communion empfing, folgte noch eine kurze Ermahnung andieselbe, auf dem ueubetrctenen Wege deS HeileS standhaft fortzuwandeln,und treu auszuharren bis anS Ende des Lebens. Viele der Protestantenäußerten »»verholen, noch nie einem so erbaulichen Austritte beigewohnt zuhaben, und in den Augen mehrerer Anwesenden sah man Thränen derRührung. Ich hoffe daher, daß dieses Ereigniß mit Gottes Gnade nichtohne wohlthätige Folgen für die gute Sache bleiben werte.

Laut dem in Einciunati herauskommenden Journalder WahrhcitS-Freund" kehrte im Kloster der Benediciiner zu NoungStown, welche mitmir von München aufgezogen, ein erfreulicher Segen GotteS ein, indemdrei Theologen zu Priestern geweiht, und mehrere Candiraten mit demOidenShabu bekleidet wurden. Im Knabeuseminar daselbst sind zehn Schüler. Ein Filial-Jnstitut davon besteht in Carlstown unter Leitung desPriors P. Lechner, so daß demnach die ersten bedeutenden Opfer, auchvon Seite des Bischofs von PilSburg gebracht, bereits ihre schönen Früchtetragen. Freilich bindet dort nicht allgeinc Armuth die Hände, wie hierin unserm noch zu jungen WiSkonsin, obschon auch wir wenigst zuMilmaukie seit der Rückkehr unseres Hochwürdigstcn Bischofs regsamerzu werden ansangen. Die zwei Weltpriester auS Württemberg gründetenauf geeignetem Platze am Seeufer ein drittes OrdcnshauS, in der Absicht,junge Stndirende gratis aufzucrziehcn, und für ein eigentliches Collegiumunter Leitung der Jesuiten errichtete der weise Obcrhirt erst vor Kurzem«inen vortrefflichen Ansitz in seiner Residenzstadt selbst, da ihm die nöthigenMittel hiezu in Belgien zu Handen gekommen sind. Wir beide apostolischenArbeiter bescheiden uns demüthig des minder ausfallenden, aber nicht min-der verdienstlichen Wirkungskreises in den weitläufigen Stationen, derenrasches Zunehmen verdoppelte Sorgfalt und Pflege erheischt, um das katho-lische Element zu sichern, während sonst nur zu bald und zu leicht derbequeme AllcrwellSglaube, d. i. der JndifferentiSmuS cinreißen würde.Gefährlich in dieser Beziehung arbeitet auch hier die liberale Presse, beson-ders der zwei deutschen Blätter in Milwaukie, welche im vergangenenFrühlinge einen scandalösen Kampf wider die (sogenannten) Ultram Su-tanen wagten, und sogar mit Latourisiren drohten, aber schmachvolldaS Feld räumen mußten, da sogar ein protestantischer Advocat ihnen Ver-drehung der Wahrheit, Fehlschlüsse auS dem einfachen Wortlaute deS Gesetzes,thatsächliche Friedensstörung also straffällige Preßvergebungen nachwies.

Nach der FronIeichnamSfeier trat ich (wie schon im Eingänge gesagt)die Reise nach Milwaukie an, und legte dem Hochwürdigsten Ordinariuseinen schriftlichen Bericht über unsere neun MissionSstationen vor. InFolge näherer Erwägung der obwaltenden Verhältnisse äußerte der Hoch-würdigste Bischof den Wunsch, daß, weil Herr Etschmann auf seinemgegenwärtigen Posten den Kirchenbau zu leiten hat, und später, weil ermit der englischen Sprache besser vertraut, dasselbe Geschäft in dem frischaufblühenden Shcboygan, nördlich von Milwaukie am See liegend, ihmzugetheilt bekommen würde, eS folglich unthunlich wäre, demselben dieStationen Jefferson und Columbus zuzuweisen, daß wir hier unsere geist-lichen Dienste fortsetzen, und noch übcrdieß drei andere Plätze übernehmenmochten, nämlich die deutschen Familien zu Ottawa , Watertown, und ineinem noch vier Stunden weiter entlegenen Settlement. Zur Erleichterungdieser Missionsarbeit schlug er vor, entweder in Jefferson, oder zu Water-lown eine Jntenmö-Erpositur zu errichten. So viel an mir lag, sagte ichzwar die Pastorirung dieser drei Gemeinden mittelst eines je zweimonat-lichen Besuches zu, verwahrte mich aber gegen die Errichtung einer abge-sonderten Erpositur, womit sich auch Herr Adalbert vollkommen einverstan-den erklärte.

Nach viertägigem Aufenthalte im bischöflichen Hause, wo auch derneuernannte Bischof von Chicago der Jesuiten -Provincial Vandcrvelde ein eben so schlichter als gebildeter Herr auf Besuch war, machte ichjn Gesellschaft des Herrn Salzmann eine Fahrt nach dem Sitze deS Gene-ral-VicarS Kundig, vier Stunden westlich gelegen. Mit bischöflichem

Schreiben an den irischen Pfarrer in Watertown versehen, begab ich michdahin, sondirte Einzelne aus den dortigen deutschen Katholiken, fand theilserwünschlich gute Gesinnung, theils aber auch manche neumodische Grund-sätze. Eine weitere Rücksprache mit der Gemeinde stimmte mit meinenAnsichten über die je zweimonatliche geistliche Pflege überein, und erwarbmir das Vertrauen, daß ich diese Heerde nicht um der Wolle wegen suche.

Tags darauf ging die Reise wieder nach Jefferson, wo ich am2 Juli daS Titularfest deS Jünglings-BundcS feierte, und mich mancherFortschritte seiner Mitglieder erfreute. Selbst Protestanten ließen sich beidieser Gelegenheit verlauten, daß bei ihnen ein solches wirksames PrincipdeS religiösen Lebens vermißt weide.

Von da lieferte mich der Postwagen nach Madison in zufälliger Be-gleitung eines irländischen Priesters, welchen der Bischof für diesen wichtigwerdenden Posten bestimmt hatte, eines ManneS von achtbarem Charakterund hoher Bildung, früher Präses deS katholischen CollegiumS zu Dublin .Wir waren bald vertraut, schmiedeten Plane zu einem neuen Kirchenbau,theilten sie einigen Bürgern des Platzes mit, und der Erfolg täuschte nicht.Bereits steht dort eine artige Kirche auS Ziegeln, deren Kosten durchSubscriplion gedeckt wurden. Bis Allerheiligen kann hoffentlich darin dererste Gottesdienst gefeiert werden. (Wir übergehen hier einige minderinteressante TetailS.)

Am 7. August erfolgte der AuSzug zum neuen Misfionswcrke in dasSettlement von Ottowa, wo ich nach vorherigem Besuche in Madison undJefferson am 18. August anlangte. Die Gemeinde kam mit Vertrauenmir entgegen, und faßte den löblichen Entschluß, eine eigene wahrscheinlichgemauene Krrche zu bauen. Gar erbaulich klang der Antrag eines gut-müthigen Protestanten das heilige Abendmahl lieber auS meiner Hand als

von seinem Methodisten - Pastor empfangen zu wollen. Schade, daß ich.seiner Herzenseinfalt diese Bitte nicht gewähren konnte! Von hier liefertemich der vollgepfropfte Postwagen nach Watertown, einem erst seit 45Jahren entstandenen Städtchen, daS von 600 irischen Katholiken und meh-reren deutschen Familien bewohnt wird. Erstere erwarteten eben den Nach-folger ihres nach Milwaukie versetzten Pfarrers. Hoffentlich harmonirtderselbe mit mir eben so gut wie der abgegangene, der mir bei einem frü-hern Besuche trotz meiner Weigerung sein Zimmer und Bett einräumte.Die deutsche Gemeinde zählt hier und in der Umgebung 36 Familien.Man trägt sich mit Planen herum, eine deutsche Kirche zu bauen. Ichsetzte Betingnisse fest, die eS erst klar herausstellen werden, ob alle EinHerz und Ein Sinn für das wahre katholische Leben seyen. Am 28. Augustschloß sich die Mission, und der Weg führte mich zu Fuß in das vierStunden entfernte Settlement. Mein Gepäck lieferte ein Viergespann vonOchsen dahin. Mit Sonnenaufgang stand an Ort und Stelle angelangtder kunstreiche Altarbau schon fertig, und ich saß zum ersten Male inmeinem pricsterlichen Leben, nicht hinter oder neben, sondern ober demAltare im Estriche zur Deichte, und laS die Messe nicht mit, son-dern ohne Ministranten. Was man sich doch im Nothfälle nicht allesgefallen lassen muß! UebrigenS war der Erfolg meiner Predigt der einhel-lige Beschluß, ungesäumt eine hölzerne, oder mit Beihilfe der irischen Ka-tholiken vielleicht gar eine gemauerte Kirche herzustellen.

Nach aufgehobener Tafel, die zwar nicht fürstlich servirt, aber durchfreundliche Gesichter und gemüthliche Ansprache gewürzt ward, lud mich einNachbar auf sein Wägelein, mit dem Versprechen, mich so weit zu führen,als der Weg ihm selbst bekannt wäre. AjS dieser fatale Zielpunct erreichtwar, machte er rcchtSum, und mir blieb keine andere. Wahl, als denschweren Mantelsack auf die eigenen Schultern zu laden, und auf gerade-wohl fürder zu wallen. Ein ziemlicher Regenschauer brachte bald die hei-matlichen Lieder zum Schweigen, womit ich mir den Marsch erleichterte.Nach zweistündigem Forttappen gelangte ich endlich in ein HauS, dessenerste Stubenwände ein Herz-Mariä-Bild tragend, mir verkündeten, daßeS von Katholiken bewohnt sey. Ich ward herzlich gut aufgenommen,frugal bewirthet, und von einem ältlichen Manne weiter begleitet, der sicherbot, meinen Simon von Cyrene zu machen. Um unS beiden die Last zuerleichtern, trugen wir nun mein Gepäck auf einer Stange, wie weilandJosua'S Botschafter die Mustertraube Kanaans trugen. So ging's leident-lich fort, bis wir in eine Fahrstraße einlenkten, und ich also meinen Be-gleiter verlassen konnte.

Nach 2 Tagen gelangte ich in daS Settlement ColumbuS, das auSguten Gründen seit 5 Monaten nicht mehr pastorirt worden war, weil eSder Bischof für nothwendig befunden hntte, den dortigen Parteigängernkirchlichen Ernst zu zeigen. Doch wir find ja gekommen, zu suchen, wasverloren zu gehen Gefahr läuft. Am Maria-Geburtstage hielt ich zurallgemeinen Freude Nachmittags die Procession über den Friedhof und daSFeld herum, worauf die künftige Kirche gebaut werden soll, und daS ebenfrüher den Zankapfel in die Gemeinde geworfen hatte.

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