Meinem ursprünglichen Plane gemäß wollte ich von Kolumbus noch;10 Stunden weiter nördlich nach Fort-Winnebago. Da eS aber dem hoch-würdigsten Bischöfe mittlerweile gelungen war, einen irischen Priester dahinzu versetzen, der auch die Umgegend zu versehen hat, so fiel mein früherer ^Wunsch, Apostel der Halb-Jndianer zu werden, in den Brunnen. DochGott leitet alles immer zum Besten! Ilummocko pramiioetur LInistus! Eserfolgte also die Heimreise über Madisan, die mich am 12. September inunser Norberlhouse wohlbehalten zurückführte.
Der Platz nimmt zusehends großem Aufschwung. Alles Land rings-um ist bereits angekauft; die Regierung fordert Männer vom Fache, umden WiSkonstn Fluß für die Dawpfschiffsahrt in sichern Stand zu setzen,und im Laufe des kommenden JahreS soll eine Eisenbahn, deren Actienschon gezeichnet sind, Milwaukie, Madison, Ninoralzoint und Galenaverbinden. Eine Zweigbahn nach Sac-Prairie wird bann nicht ausbleiben.Schon jetzt liefert das eiserne Roß in 70 Stunden von Milwaukie bisNew-Uork, wohin in gerader Richtung eine Strecke von 400 deutschenMeilen ist.
Was die fatalen Ereignisse in Europa betrifft, hoffen wir, daß dieGerechtigkeit auch volle Rücksicht nehmen werde auf den Bestand, Werthund Vortheil der Kirche, die dafür freudig ihre Fürbitte einlegen wird beiDem, dessen Winke Wolken und Himmel gehorchen. Möge die Zeit derharten Prüfung abgekürzt, die Zeit des allgemeinen Dankes desto schnellerherbeigeführt werden! Wir hier im Lande der ungestörten Freiheit einigenfortan unser aufrichtiges Flehen himmelan mit den Seufzern.unserer Väler,auf daß allüberall wieder Ruhe und Ordnung einkehren möge. ES wolleder gütige Vater im Himmel über alle seine Kinder auf Erben die Fülleseines Segens auSgießen!
Marimilian Gärtner, Chorherr von Wilten und Missionär.
Blumen au- dem Schriftgarten de- heiligen BernarduS.
(Fortsetzung.)
107. Hochmuth,
Der Hochmuth eines Verächters und die Verhärtung eines Unbuß-fertigen, wenn auch in den kleinsten Aufträgen, verursacht eine nicht geringeSchuld, und verwandelt den geringen Fehler einer einfachen Uebertretungin daö Laster einer schweren Empörung. Und wenn gleich aller Ungehor-sam ohne Entschuldigung schuldbar ist, doch nicht ewig verdammlich, außerdemjenigen, den daS Heilmittel der Buße nicht heilt: so ist keiner todtlichverbrecherisch, außer der die Verachtung des Stolzes nicht vermeidet.
Wie viele, die ihr als Bittende aufgenommen habt, müsset ihr alsbeschwerliche, stolze, widerspenstige und aufrührerische Menschen ertragen!Der Anfang hat das innere Uebel verdeckt, der Verlauf es aufgedeckt.
Schändlich ist eS für Einen, der sich über den Andern erhebt, wenner nicht mehr als die Uebrigen thut, wodurch er über die Andern ragt.
108. Hoffnung.
Es ist eine Stelle zwischen Furcht und Sicherheit, nämlich die inder Mitte liegende Hoffnung, in welcher Gemüth und Gewissen als aufdem weichen Unterlager der Liebe sehr angenehm ruht. Es geschieht aberauch, daß unser Geist von der Furcht vor Strafe sclavisch gedrückt wird,und so lange derselbe vom Geiste der Furcht geplagt wirb, hat er keinenFrieden und keine Ruhe, indem nämlich das Gewissen zwischen Hoffnungund Furcht hin und her schwankt, weil eS häufiger von der vorherrschen-den Furcht gekreuziget wird. Denn die Furcht hat Strafe in sich. Wennübrigens nack und nach durch den Zuwachs der Gnade die Furcht abzu-nehmen und die Hoffnung zu wachsen ansängt, und wenn es endlich dahingekommen ist, daß die vollkommene Liebe die Furcht ganz ver-treibt, scheint nicht eine solche Seele sonderlich festgestellt inder Hoffnung, und zu schlafen darüber in Frieden, und zuruhen? Denn wer sich sonderlich in der Hoffnung festgestellt fühlt, dientnicht mehr der Furcht, sondern ruht in der Liebe.
Wir leben in der Hoffnung, damit wir im gegenwärtigen Elendenicht verschmachten, weil wir in der Erwartung unaufhörlicher Freudensind. Und zwar ist unsere Erwartung nicht eitel oder die Hoffnung nichtzweifelhaft, da sie nämlich aus die Verheißungen der ewigen Wahrheit ge-gründet ist. Ganz und gar groß wird die Freude und viel der Jubelseyn, wenn einmal das Leben kommt.
Ich mag thun oder meiden, ertragen oder wünschen, was eS immersey, du, oHerr, bist meine Hoffnung von meiner Jugend an.Diese allein ist mir die Ursache aller Verheißungen, der Grund meiner
Erwartung. Sie ist mein Wunsch und mein Vorsatz und der Zielpunktmeines Herzens. Diese meine Hoffnung ruhet in meinem Bu-sen, und in dieser will ich ausharren.
Wegen deiner halte ich Alles für Scbaden und erachteeS für Koth, weil du, o Herr, meine Hoffnung bist. Werdenmir Belohnungen verheißen, will ich ihre Erlangung durch dich lioffen.Wenn ein Heerlager wider mich stehet, wenn die Welt wüthet,der Sohn der Ungerechtigkeit knirscht, das Fleisch selbst widerden Geist gelüstet, auf dich will ich hoffen. Nämlich in jederVersuchung, in jedem Leiden und endlich in jedem Bedürfnisse ist nnS eineFreistadl geöffnet, die Brust der Mutter aufgelhan: eS sind nnS bereitetdie Löcher deS Felsen, eS steht nnS offen die innigste Barmher-zigkeit unsers GolteS.
Die süßeste Freigebigkeit fehlt denen mehr, die auf ihn hoffen. Denner hält eS nicht unter seiner Würde, die Hoffnung der Elenden und eingnädiger und barmherziger Herr zu seyn:'er verschmäht eS nicht,sich den auf ihn Hoffenden sowohl als Erlöser als auch als Helfer zuerweisen. .
Die Hoffnung allein nämlich erhält bei dir den Platz der Erbar-mung, und daö Oel der Barmherzigkell gießest du nur in daS Gefäß deSVertrauens.
109. Hölle.
„In allen deinen Werken gedenke an deine letztenDinge, so wirst du in Ewigkeit nicht sündigen/' Den SchreckendeS Todes, die fürchterliche Entscheidung des GerichteS, die Wuth derbrennenden Hölle lasse niemals weil von den Augen deines HerzcnS ent-fernt werden. Denke an vag Elend deiner Wanderschaft, an deine Jahrein der Bitterkeit deiner Seele, an die Gefahren deS menschlichenLebens. Ueberdenke die eigene Gebrechlichkeit, und wenn du bei solchenGedanken verweilest, so sage ich dir, du wirst wenig fühlen, waö vonAußen lästig zu seyn scheint, da du von ganzem Herzen mit der innernLast beschäftigt bist.
Zuerst werben die Gesegneten in daS Reich einberufen, ehe die Ver-dammten in den Ofen deS ewigen Feuers geworfen werden, damit sie umso heftigern Reueschmerz empfinden, wenn sie sie sehen, was sie verlorenhaben. So werden auch die Gerechten sehen und sich freuen, wenn siebetrachten, was sie geworben sind. In jener so großen Trennung alsound Ausscheidung der Böcke von den Schafen wird eö Gelegenheit zumheftigsten Neivc von Seite der Verrammle» geben, so wie von Seite derGerechten zur Danksagung und zum Lobe GolteS. Denn warum werdendie Gerechten so feierlich Dank sagen, wenn sie nicht bei ihrer unausdenk-baren Glückseligkeit, die sie genietzen, auch die Vergeltung der Ungerechtensähen, von denen sie sich durch die alleinige Barmherzigkeit deS ErlöserSausgeschieden zu seyn treu und ergeben erinnern? Woher aber würden dieGottlosen von innerer Hitze schmachten, wenn sie nicht sähen, daß Anderein ihrer Gegenwart in daö Reich der höchsten Glückseligkeit eingeführt wer-ben, sie aber endlich dann zum G.stänke und zum Schrecken, zu jenenPeinen deS ewigen Feuers und zu jenen Leiben deS unsterblichen Toresverdammt sich beseufzen? Denn da wird Heulen und Zähneknir-schen seyn. Heulen wegen deS Feuerö, das nicht erlischt, Zäbne-knirscheu wegen deS WurmS, der nicht stirbt. DaS Heulen kommtvom Schmerz, daö Zähneknirschen von der Wuth. DaS Heulenwird auspressen die Schrecklichkeit der Peinen, daS Zähneknirschendie Heftigkeit deS verzehrenden Neides und die verstockte Bosheit.
Dann wird keine Zeit der Erbarmung, sondern deS GerichteS seyn:und man kann da nicht an eine künftige Verzeihung glauben, wo keineBesserung zu hoffen ist. Immer begleitet daS Böse die Strafe.
Nach dem Tode der Sünde und deS Fleisches scheinen beide eingleiches LooS zu haben, so, daß, gleichwie die Schuld immer gestraft wer-den kann, sie niemals gestraft und ausgesöhnt werden kann: eben so wenigam Körper die Leiben geendet werden, und der Leib selbst in den Peinennicht vernichtet werden kann. Verdienter Weise wird die ewige Rachewüthen, weil die Schuld niemals getilgt werden kann, und auch die Ma-terie deS Fleisches wird nicht aufhören, damit auch die Pein deS Fleischesnie mit demselben geendet werde.
DaS Feuer in der Hölle verzehrt so, daß eS immer erhält: so wer-den die Peinen betrieben, baß sie immer erneuert werden. Nach der Be-schaffenheit der Schuld aber wird ein Jeder die Strafe der Hölle ausstehen,und die einer gleichen Sündenschuld Schuldigen werden mit ihres Gleichenzur Pein verbunden. Dort wird nichts gehört werden, als Weinen undKlagen, Seufzen und Heulen, Jammer und Zähneknirschen.
Dort wird man nichts sehen, als die Würmer, die Larvengesichterder Peiniger und die häßlichsten Ungestalten der Teufel. GrausenhafteWürmer werden nagen am Innern des Herzens. Daher der Schmerz, die