Ausgabe 
9 (30.12.1849) 52
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

Furcht, das Seufzen, der Schrecken und eine erschaudernde Angst: unddie Elenden werden brennen im ewigen Feuer in Ewigkeit und noch länger.Am Fleische werden sie gcpei'niget durch das Feuer, an der Seeledurch den Wurm deS Gewissens. Dort wird seyn unerträglicherSchmerz, erschütternde Furcht, unvergleichlicher Gestank, Tob der Seeleund des Leibes, ohne Hoffnung auf Verzeihung und Ecbarmung. Dochsie werden so sterben, daß sie immer leben, und werden so leben, daß sieimmer sterben.

WaS, meinst du, wird dann für eine Trauer, Niedergeschlagenheitund Betrübniß seyn, wenn die Gottlosen getrennt werben von der Gesell-schaft der Gerechten , von der Anschauung GotieS, und übergeben werdenin die Gewalt der Teufel, mit denen sie inS ewige Feuer gehen und wosie mit ihnen ohne Ende In Trauer und Seufzen >eyn werben?! Verbanntvon, Vcitcrlande deS Paradieses, werben sie gepeinigel werben in der ewi-gen Holle , werden niemals ein Licht sehen, niemals eine Erquickung erlan-gen/sondern Tausend der Tausende werden sie in der Hölle gepeiniget,niemals daraus befreit, wo der Peiniger nicht ermüdet, der Leidendenicht stirbt.

Schreckliche Strafe der Hölle, wo die äußerste Finsterniß, wokein Gcständniß, woraus für Niemand ein AuSgang ist!

Wenn dich die Liebe Gottes vorn Bösen mcht abhalten kann, soschrecken dich wenigstens davon ab der Schrecken des Gerichtes, die Furchtvor der Hölle, die Stricke deS TvdeS, die Schmerzen des Feuers, dernagende Wurm, der stinkende Schwefel, die höllische Flamme und alleUebel. O wie schlecht sind alle Schlechten gebettet! Sie sehen, um be-schämt zu werden, und leben nicht, um nicht getröstet zu werden. Vonwem werden sie gesehen? Von jedem Sehenden, so, daß nach der Mengeder Schauenden ihre Beschämung groß ist. Und kein Auge von einer sogroßen Zahl der Sehenden ist ihnen lästiger, als das ihrige selbst. Siehaben nicht den Anblick- des Himmels und der Erde, den ihr finsteres Ge-wissen mehr fliehen will, als kann. Ich fürchte den nagenden Wurm undden lebendigen Tod. Ich fürchte, dem lebenden Tode und dem sterbendenLeben in die Hände zu fallen. Dieß ist der zweite Tob, welcher nie aufhört, sondern immer mordet. Jene Peinen und Qualen endiget kein Zeit-raum, kann kein Geist hinlänglich begreifen. Wer dieß Alles, meine Brü-der, fürchtet, der hütet sich: wer cS vcrnachläßigct, der stürzt hinein.

Die «HristlicHen Sehnlbrüder.

DaS so allgemein gewordene Verlangen nach der UnentgelblichkeitdeS Unterrichtes kann am besten befriediget werden durch die Einführungder Brüder der christlichen Schulen gewöhnlich Schulbrütergcnannt. Dieses Institut wurde von dem ehrwürdigen Johann BaptistDr. von Salle, CanonicuS zu Rheimü, im Jahre 1680 gegründet, Lud-wig XV. genehmigte es und durch die Bulle vom 26. Jän. 1725 wurdecS auch vom Papste gutgeheißen.

AIS im Jahre 1792 alle , geistlichen Körperschaften in Frankreich unterdrückt wurden, durfte auch dieses Institut nicht mehr bestehen; alleinseit 1804 kam wieder zum Vorschein und wurde sogar durch den Ar-tikel 9 des Gesetzes vorn 17. März 1809 über die Organisation der Uni-versität gesetzlich von der kaiserlichen Regierung anerkannt, von welcherZeit an sich die christlichen Schulbrüder nicht bloß über ganz Frankreich, sondern auch über ganz Belgien und über einen großen Theil von Italien, ja selbst Amerika ausbreiteten. Ihre Aufgabe ist, die Jugend und vor-zugsweise die Kinder der Armen und Handwerker unent gelblich christ-lich und bürgerlich zu erziehen; mit der Bedingung, daß ihnen von denStädten und Vereinen, die sie berufen, die zur Wohnung und zu denSchulen nothwendigen Räumlichkeiten gegeben nnd die zu ihrem Unterhalterforderlichen, festbestimmten Geldbeträge gezahlt werden. Wie würde da-her durch die Einführung der christlichen Schulbrüder in Wahrheit jenesallgemeine Verlangen nach der Unentgelblichkeit deS Unterrichtes realisirtwerden! Und was das wichtigste ist, wie würde dadurch eine wahrhaftchristliche Erziehung der Jugend wieder herbeigeführt und somit derWahre Grund zur Verbesserung der socialen Zustände gelegt werden? InKoblenz fängt sich durch die unermüdliche Thätigkeit der beiden dortigenPfarrer schon an ein Verein zur Berufung der christlichen Schulbrüder zubilden. An Thcilnehmern wirb eS gewiß nicht fehlen; und wenn gleicheine Hauptschwicrigkeit in der Herbeischaffung der erforderliche« Mittelwegen der vielen anderweitigen Ansprüche, welche die herrschende Noth andie Vermögenderen stellt, bestehen wird, so ist nur zu bedenken, daß daSschnellste Mittel, der Noth abzuhelfen, nur in einer wahrhaft christlichen

Erziehung gefunden werden kann, und auch diese Schwierigkeit wird'dannüberwunden werden.

Diaconissen und barmherzige Schwester».

Von der Wupper , 6. Dec. Die asiatische GotteSgeißel, welcheauch die protestantische Metropole deS Wupperthales nicht geschont, viel-mehr eben so stark, als andere rheinische Städte heimgesucht hat, ist selbstvon wohlthätigem Einflüsse auf die Werkthatigkeit der Protestanten gewesen;ist doch das Princip dersols sielos" zu strohern und zu dürr, alö daß esin Menschenherzen, die nicht ganz von Gott verlassen nnd dem finsternGeiste verfallen sind, folgerechte Früchte bringen könnte. Der Versuch, nachdem Beispiele unserer barmherzigen Schwestern ebenfalls Schwestern derchristlichen Liebe (also nicht der solo lickes) unter dem NamenDiaconissen"heranzubilden, zeugt davon, daß man auf die Folgerichtigkeit der urprote-ftantischen Principien im Leben verzichten will und muß. Diese Dia-conissen sind hier rend der Herrschaft der asiatischen Seuche sehr thätiggewesen. Bei der Heftigkeit und schnellen Entwickelung der Krankheit wardas Bedürfniß augenblicklicher unv rascher Hilfe sehr groß und daher dieAnwesenheit dieser Krankenwärterinnen gewiß äußerst willkommen. Auch hatman über ihre Dienstferligkeit und Sorgfalt sich allmärtS rühmend ausge-sprochen. Aber dennoch mußte der Unterschied zwischen diesen Kranken-wärlerinnen und zwischen den Ordensschwestern der katholischenKirche jedem Kenner beider Institute gleich in die Augen springen. Dieersteren waren und sind nichts mehr unv nichts weniger als höchstens guteKrankenpflegerinnen, wie sie auch anderwärts, wo die barmherzigenSchwestern in katholischen Orten nicht ausreichten, genugsam unter derverdienstsuchcnden Bevöckerung sich fanden; solche Kran ken Wärterinnenkonnte man z. L. auch in Eiberfeld (unter Katholiken und Protestanten),in Düsseldorf und Köln für Geld finden. Aber der den katholischen Insti-tuten innewohnende OrdenSgeift, der Geist jener aufopfernden De-muth unv Selbstverläugnung, welcher der Welt durchaus abgestorbennur der hingebenden Liebe in Christo lebt, gibt den Dienstleistungen derOrdensschwestern einen himmlischen Anhauch, einen gehcimnißvollcn göttlichenSegen, den weder gesalbte Bibekerte noch auch gewanele Dienstleistungenersetzen können. Der katholischen Gemeinde hat eS deßhalb eine große Ent-behrung seyn müssen, daß sie hier weder ein eigenes Krankenhaus noch auchgeistliche Krankenschwestern zur Verfügung haue, sondern auf die gewöhn-lichen Hilfsleistungen beschränkt war, an denen eS die bürgerliche Verwal-tung, so weit eS in ihren Kräften und in ihrer Einsicht lag, nicht fehlenließ. Auch geschah von Seiten der Begüterten viel, um den armen Krankenin dieser rapiden Noth zu helfen. So hatte ein FabrikhauS auf eigeneKosten einen Arzt weither kommen lassen, um dessen mit dieser Krankheitvertrauten Obsorge die eigenen (sehr zahlreichen) Arbeiter zu überweisen.Wenn daher der oben ausgesprochene Vergleich zwischen den Krankenpfle-gerinnen deS Protestantismus unv den barmherzigen Schwestern der Kirchenicht zum Vortheil der erstem auSschlug, so soll damit den deßfallstgcn Lei-stungen der Protestanten kein Vorwurf, sondern im allgemeinen darauf auf-merksam gemacht werden, daß die'eigentliche christliche Krankenpflege nureine vollkommene seyn könne, wenn der aufopfernde Geist der Demuth, wel-cher in der Religion Jesu uranfänglich lag und liegt und in ken geistlichenOrden fort und fort rein sich darstellt, sie begleitet und durchführt; unddaß jene, welche die Diaconissen, welche sich als gute Krankenwärtcrinnen(abgesehen von den oft nicht verhehlten Pietistischen Unnatürlichkeiten) imAufwarten der Kranken gezeigt, den katholischen Ordensschwestern gleich-stellen möchten, letztere gar nicht gekannt haben müssen. Man braucht nurSolche, welche die barmherzigen Schwestern in Berlin beobachtet, zu fragen,und man wird finden, daß selbst Protestanten dort den himmelschreiendenUnterschied kennen und zugeben. Um so mehr fühlen wir aber auch hierdas Bedürfniß, ein solches Institut für unser Wupperthal, daS doch an15,000 Katholiken zählt, zu erhalten; wie denn schon unter ähnlichen Ver-hältnissen in der meist von Protestanten bewohnten Stadt Hamm durch denrührigen katholischen Pfarrer Belmann daselbst ein solches Institut, ohnealle materielle Mittel, bloß im Vertrauen auf die Vorsehung, gegründetworden ist. Bereits regen sich auch hier unter dem Einfluß unserer Geist-lichkeit die guten Katholiken, um zu ähnlichen Instituten die ersten Bau-steine herbeizuschaffen; und Gott wird seinen Segen diesem frommen Be-ginnen gewiß nicht versagen, wie er denn auch die numerisch geringengeistlichen Kräfte (eS ist in Elberfeld ein Pfarrer mit drei Caplänen) inden Tagen der größten Noth, die besonders unter den in den ärmerenClassen zahlreichen Katholiken ihre raschen Opfer suchte, wunderbar gemehrtund gestärkt hat. (Kath.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

VerlagS-Jnhaberr F. C. Kremer.