Ausgabe 
20 (1.1.1860) 1
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Augsburger Sonntagsblatt.

Nr. 1. 1. Januar 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt(Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Poſt⸗Zeitung XX Jahrgang) erſcheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbomementspreis iſt 20 fr., wofür es durch alle k. bayer. Poſtämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

Katholiſche Miſſion auf den Seſchellen Inſeln.

—yb— Die Seſchellen-Inſeln, auf der Oſtſeite Afrikas, 4 Grade ſüdlich vomAequator gelegen, haben der katholiſchen Miſſions⸗Thätigkeit zwar nur einen kleinenWirkungskreis geboten; aber das Wirken eines armen Capuziners daſelbſt bietetum ſo mehr Intereſſe, da in einer ſo kurzen Zeit erſt neulich die katholiſche Religionauf dieſen faſt vergeſſenen Eilanden wieder hergeſtellt und feſt gegründet wurde, undda dieſer Poſten auch für die Miſſionen in dem öſtlichen Afrika von Bedeutung iſt.

Dieſe Inſeln, dreißig an der Zahl, jedoch noch nicht alle bewohnt, waren zujener Zeit, als ſie von den Portugieſen entdeckt wurden, nur von Schildkröten,Krokodilen, Affen und Vögeln der verſchiedenſten Art belebt. Gegen Ende des vori-gen Jahrhunderts aber erhielt die größte dieſer Inſeln, Mahon, eine franzöſiſcheNiederlaſſung, wodurch ſie für die Krone Frankreichs in Beſitz genommen wurde.Die große Fruchtbarkeit des Bodens zog bald mehrere Anſiedler nach, aus den ge-genüberliegenden Küſten Aſrikas wurden Neger als Sclaven eingeführt, und ſo wuchsdie Bevölkerung raſch heran. Ein franzöſiſcher Prieſter beſorgte die geiſtlichen An-gelegenheiten ſeiner Landsleute, für welche auf Koſten der Regierung 1787 einekatholiſche Kirche erbaut wurde. Die bald nachher ausgebrochene Revolution Frank-reichs ſendete ihren zerſtörenden Einfluß bis auf dieſe entfernte heranblühende Ko-lonie; es kamen rabiate Republikaner aus dem Mutterlande hieher und brachtenalles in Verwirrnng; ſie ſelbſt aber wurden theils Seeräuber, theils Sclavenhändler.Erſt als dieſe Inſeln 1844 an die Engländer abgetreten wurden, ward wieder einigeOrdnung hergeſtellt; aber die meiſten Katholiken verließen jetzt dieſe ihre Heimath,alle wenigſtens, denen es ihre Vermögens-Verhältniſſe möglich machten; die Urſachedavon war die Aufhebung der Sclaverei, weil jetzt die Schwarzen nach erlangterFreiheit nichts mehr arbeiten wollten, und deßhalb die beſten Ländereien unbenütztliegen blieben und verwilderten; dann aber auch, weil kein Prieſter mehr auf denInſeln war, und die Katholiken ihre religiöſen Bedürfniſſe nicht mehr befriedſgenkonnten.In Folge dieſer Vorgänge gerieth die katholiſche Religion gänzlich in Verfall.Die alten Chriſten verloren ſich nach und nach, die Kinder wuchſen ohne Unterrichtheran, und hatten zuletzt als Gottesverehrung ein Gemiſch von Chriſtenthum undHeidenthum. Weitaus der größte Theil der Einwohner, die Schwarzen, warenHeiden. Alle heidniſchen Gräuel waren in Uebung; Zauberer, Wahrſager, Todten-und Teufels⸗Beſchwörer ſtanden bei Chriſten und Heiden im größten Anſehen. Abereine eigene Erſcheinung, gewiß eine beſondere Gnade der göttlichen Vorſehung wares, daß dieſe halbverwilderten Katholiken eine hohe Verehrung zur allerſeligſtenJungfrau Maria nie aus ihrem Herzen verloren, und daß ſie die Bildniſſe derMuker Gottes, die ſie von ihren Eltern ererbt hatten, als Heiligthümer in ihrenWohnungen bewahrten, und denſelben ſehr hohe, meiſt auch abergläubiſche Vereh-rung erwieſen. Auch ſehnten ſie ſich nach der hl. Meſſe, von deren Heiligkeit undhohem Werthe ſie gar oft hatten reden hören. Dieſe beiden Umſtände legten ſpäter