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dem Eindringen des Irrglaubens in ihre Herzen die größten Hinderniſſe in denWeg. Ihre Sehnſucht nach der hl. Meſſe veranlaßte ſie endlich, ſich an die engliſcheRegierung mit der Bitte um einen Prieſter zu wenden. Man ſäumte nicht, ihreBitte zu gewähren; man ſendete ihnen— einen Methodiſten⸗Prediger, der der fran-öſiſchen Sprache kundig war; denn dieſe iſt noch immer die Sprache des Volkes.Mit Freude wurde er aufgenommen. Er nannte ſich ihnen zu Gefallen Prieſter;hielt ihnen ſogar Meſſe; dieſen Namen gab er nämlich feiner calviniſchen Predigt;aber das betrogene Völklein ging ganz und gar unbefriedigt aus dieſer ſogengnntenMeſſe, dieſe gefiel ihnen keineswegs, und daß er mit ſolchet Gleichgiltigkeit von„derMaria“ ſprach, das ſtieß ſie gänzlich von ihm ab. Sie erkannten bald, daß dieſer„Prieſter“ nicht die Religion ihrer Vorfahren lehre, und blieben allmälig größten-theils von ſeinen gottesdlenſtlichen Handlungen weg. Weil aber ſolches die Weißenthaten, ſo verachteten die Schwarzen nur um ſo mehr eine ſolche Gottesverehrung.Nach einem zehnjährigen Wirken hatte der Prediger, obgleich er ſich mitunter auchder polizeilichen Gewalt bediente, nicht mehr als ungefähr 300 Neubekehrte gewonnen,der übrige und viel größere Theil ſeiner Anhänger waren die eingewanderten Eng-länder und die Familien der Beamten.
Endlich ſchlug für dieſe Inſeln die Stunde des Heils; und dieſes Heil ſollteihnen erwachſen aus den Leiden der heil. Kirche, aus der Verfolgung der Miſſionäre.In Abyſſinien nämlich veranlaßte der dortige häretiſche Biſchof eine Verfolgung ge-gen die Katholiken, und ihre Miſſionäre mußten 1850 aus dem Lande flüchten.Einer derſelben, Pater Leon des Avanchers, ein franzöſiſcher Kapuziner, kam nachAden, Stadt an der ſüdweſtlichen Spitze Arabiens, und hörte vom Miſſionär dortſelbſt von der Verlaſſenheit der kleinen Heerde auf den Seſchellen. Pater Leon ent-ſchloß ſich ſogleich dahin zu reiſen, und es bot ſich ihm auch bald die Gelegenheithiezu dar. Der 1. März 1851 war der glückliche Tag, an dem nach beinahe 70⸗jähriger Unterbrechung der erſte katholiſche Prieſter wieder ans Land ſtieg. Nachwenigen Tagen ſchon war die Ankunft des Prieſters auf allen bewohnten Inſeln be-kannt; voll Neugierde ſtrömte das Volk von allen Seiten herbei, den Miſſtonär zuſehen. Sein langes Ordensgewand, ſein Miſſionärkreuz auf der Bruſt, ſein Roſen-kranz im Gürtel, alles war für ſie eine wundervolle Erſcheinung. Beſonders dieSchwarzen betrachteten den Prieſter oft lange mit ſcheuer Ehrfurcht, und wenn ſieihn vom Fuß bis zum Scheitel genau beſichtigt hatten, dann riefen ſie tiefathmendaus:„Das iſt nun einmal ein Prieſter! ſo iſt alſo Gott endlich gekommen!“ Siefühlten es, daß dieſer Prieſter ein Abgeſandter Gottes ſei; ſchon ſein Anblick hatteihre Herzen gewonnen.
Nun ging es aber auch ſogleich an die Arbeit. Ein weiter Saal wurde ineine Kirche umgeſtaltet und das Erſte, was das Volk vom Prieſter verlangte, war,daß er ihnen die heil. Meſſe leſe. Es geſchah am folgenden Tage; das kleine Hãuf-lein der Katholiken kniete voll heiliger Freude und Andacht um den Altar, währenddie ſchwarzen Heiden in lautloſer Stille und heiliger Ehrfurcht die niegeſehene heil.Handlung umſtanden. Am Schluſſe derſelben hielt der Pater eine Aurede an dasVolk, worin er den Chriſten Glück wünſchte zu ihrer Ausdauer im Glauben ihrerEltern und ſie aufforderte, dieſe Zeit des Heils jehßt eifrig zu benützen. Die Rüh-rung des Volkes war außerordentlich; das Weinen desſelben übertönte zuletzt dieStimme des Prieſters, ſo daß er ſeinen Vortrag nicht mehr fortſetzen konnte. Nunwurden die Kinder getauft, Ehen eingeſegnet; jeden Morgen und Abend wurden all-gemeine Unterweiſungen in der chriſtlichen Lehre gehalten, die aufs eifrigſte beſuchtwurden; und faſt keine Stunde des Tags verging, wo nicht auch noch beſondererUnterricht ertheilt wurde. Der Zudrang, als Kinder Gottes durch die heil. Taufein den Chriſtenbund einverleibt zu werden, war außerordentlich; dieſe Gnade konnteaber natürlich nur Jenen zu Theil werden, die in der Heilslehre hinlängliche Kennt-niſſe ſich erworben und durch Aufgeben ihrer heidniſchen Unſitten Proben ihres chriſt-