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werfen und erklären, daß das Erbtheil des heil. Petrus völlig unversehrt undunverletzt zu erhalten und gegen jede Unbill zu vertheidigen sei. Nicht wenigevon den Unterzeichnern haben außerdem Dasselbe in zu sehr gelegener Zeit ver-öffentlichten Schriften gelehrt und weise bewiesen. Alle diese herrlichen Kund-gebungen von euerer und der Gläubigen Seite, die des höchsten Lobes würdigund mit goldenen Buchstaben in die Annalen der katholischen Kirche einzutragensind, haben uns so tief ergriffen, daß wir freudig ausrufen mußten: „Gepriesensei der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi , der Vater der Barmherzig-keit und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Kümmerniß!" Unterden schweren Aengsten, welche auf uns lasten, konnte uns nämlich nichts Ange-nehmeres, Freudigeres und Erwünschteres begegnen, als zu sehen, von welchemeinträchtigen und wunderbaren Eifer zur Vertheidigung der Rechte dieses heili-gen Stuhles ihr Alle, ehrwürdige Brüder, beseelt und begeistert seid, und mitwelchem vortrefflichen guten Willen die euerer Sorge anvertrauten Gläubigennach demselben Ziele streben. Ihr könnet euch darum schon selbst leicht denken,wie sehr unsere väterliche Liebe gegen euch und gegen das ganze katholische Volk,wohl verdient und mit dem besten Rechte, von Tag zu Tag zunimmt.
Während aber diese euere und der Gläubigen herrliche Gesinnung undLiebe gegen uns und den heiligen Stuhl unseren Schmerz linderte, kam unsvon einer anderen Seite her eine neue Ursache zur Trauer, und wir schreibeneuch deshalb diesen Brief, damit in einer Sache von so hoher Bedeutung unsereGesinnung euch vor Allen und von Neuem kund werde. Wie mehrere von euchschon wissen werden, ist nämlich in der Pariser Zeitung, welche den Titel„Moniteur" führt, ein Schreiben des Kaisers der Franzosen veröffentlichtworden, durch welches er auf unseren Brief antwortet, in welchem wir Seinekaiserliche Majestät eindringlich gebeten hatten, daß er auf dem Pariser Congresseunsere und dieses heiligen Stuhles weltliche Herrschaft durch sein mächtiges Für-wort unversehrt und unverletzt erhalten, und selbe von einer verbrecherischenRebellion befreien möge. In diesem seinem Schreiben weist der erhabene Kai-ser auf einen Plan hin, den er uns kurz vorher über diese unsere rebellischenProvinzen vorgelegt und gibt uns jetzt den Rath, daß wir auf den Besitzdieser Provinzen verzichten möchten, da "seiner Ansicht nach nur auf diese Weiseder gegenwärtigen Verwirrung gesteuert werden könne.
Ein jeder von euch, ehrwürdige Brüder, sieht ein, daß wir, unserer schwer-sten Pflicht eingedenk, nicht schweigen konnten, als wir einen derartigen Briefempfingen. Wir haben uns daher beeilt, ohne Verzug demselben Kaiser zurück-zuschreiben, indem wir ihm mit apostolischem Freimuth klar und offen erklärten,daß wir in keiner Weise seinem Rathe beipflichten könnten, weil „unüberwind-liche Schwierigkeiten mit demselben verbunden seien, in Betracht unserer unddieses heiligen Stuhles Würde und unseres geheiligten Charakters, und wegender Rechte desselben Stuhles, die nicht den Nachfolgern und Erben irgend einerköniglichen Familie, sondern allen Katholiken angehören;" zugleich sprachen wiraus: „daß wir nicht abtreten können, was nicht unser ist, und daß wir ganzwohl einsehen, wie jener Sie^, welchen er den aufrührerischen Einwohnern vonAemilien gewährt zu sehen Wunsche, den eingeborenen und auswärtigen Wühlernanderer Provinzen eine Ermunterung sein werde, dasselbe zu verüben, wenn siesähen, welcher glückliche Erfolg den Rebellen zu Theil geworden." Weiter habenwir unter Anderem demselben Kaiser eröffnet: „daß wir auf die erwähnten inAemilien gelegenen Provinzen unserer päpstlichen Herrschaft nicht Verzicht leistenkönnen, weil wir in diesem Falle den feierlichen Eid, durch welken wir gebun-den sind, verletzen, Unzufriedenheit und Unruhen in unseren übngen Provinzenerregen, allen Katholiken eine Schmach anthun, und endlich die Rechte nichtnur jener italienischen Fürsten, welche ihrer Herrschaft ungerecht beraubt worden,