Ausgabe 
20 (15.4.1860) 16
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sondern auch aller anderen Fürsten in der ganzen Christenheit schwächen würden,welche nicht gleichgiltig zusehen können, daß die gefährlichsten Grundsätze zur Gel-tung gelangen.". Auch unterließen wir nicht, hervorzuheben,daß es SeinerMajestät bekannt sein müsse, durch welche Menschen, mit welchem Geld undwelcher Unterstützung die neuen Versuche der Revolution in Bologna , Ra-venna und in anderen Städten angestiftet und vollzogen worden sind, indemder bei Weitem größte Theil der Bevölkerung jenen Bewegungen, die sie nichtim Geringsten ahnten, wie erstarrt gegenüberstand und in keiner Weise sich ge-neigt bezeigte, denselben sich anzuschließen." Und weil der durchlauchtigste Kaiserder Ansicht war, daß jene Provinzen deßhalb von uns abgetreten werden müßten,weil dort eine revolutionäre Bewegung angezettelt worden, so antworteten wirihm ganz sachgemäß, daß ein solcher Beweis nichts beweise, weil er zuviel be-weise, denn ähnliche Bewegungen sind sowohl in Europa, als anderwärts schonsehr oft vorgekommen. Allein jeder Vernünftige sieht ein, daß das kein legitimerGrund ist, um den Bestand eines Staates zu vermindern. Wir unterließen esferner nicht, demselben Kaiser auseinanderzusetzen, daß jener erste Brief, den ervor dem italienischen Kriege an uns gerichtet und der uns Trost, nicht Betrüb-niß gebracht hat, ganz anders gelautet habe, als diese seine letzten Schreiben.Da aber aus einigen Worten jenes kaiserlichen Schreibens, welches die besagteZeitung veröffentlichte, sich für uns die Befürchtung ergab, es möchten am Endegar diese unsere Provinzen in Acmilicn schon als von unserer päpstlichen Herr-schaft getrennt betrachtet werden, deßhalb baten wir Seine Majestät im Namender Kirche: es möge Dieselbe auch mit Rücksicht auf das eigene Wohl und denNutzen Seiner Majestät dahin wirken, daß diese unsere Furcht völlig verschwinde.Und mit jener väterlichen Liebe, womit wir für das ewige Heil Aller sorgenmüssen, haben wir Ihm zu Gemüthe geführt, daß von Allen dereinst eine genaueRechenschaft abgelegt und ein strenges Gericht bestanden werden muß vor demRichterstuhle Christi, und daß daher Jeder sorgfältig dahin streben müsse, lieberder Barmherzigkeit, als der Gerechtigkeit, Wirkungen an sich zu erfahren.

Das war es vorzugsweise, was wir unter Anderem dem erhabenen Kaiserder Franzosen geantwortet und wir haben es für nothwendig gehalten, euch,ehrwürdige Brüder, es mitzutheilen, damit vor Allen ihr und die ganze katho-lische Welt mit euch immer mehr und mehr erkenne, daß wir mit Gottes Hilfeund nach unserer Pflicht und Schuldigkeit furchtlos Alles wagen und nichts un-versucht lassen werden, um die Sache der Religion und der Gerechtigkeit tapfer zuvertheidigen, die weltliche Herrschaft der römischen Kirche, ihren irdischen Besitzund ihre Rechte, welche der ganzen katholischen Welt gehören, mit Sündhaftig-keit unversehrt und unverletzt zu erhalten und zu schützen, sowie für die gerechteSache aller übrigen Fürsten in die Schranken zu treten. Vertrauend aus diegöttliche Hilfe Desjenigen, der da gesagt hat:In der Welt werdet ihr gedrücktwerden; aber fasset Muth, ich habe die Welt überwunden" (Joh. 16, 33.), und:Selig Diejenigen, welche Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen"(Matth. 5, 10.), sind wir bereit, in die glänzenden Fußtapfen unserer Vor-fahren zu treten, ihrem Beispiel nachzufolgen, alles Harte und Bittere zu leidenund selbst unser Leben lieber hinzugeben, als daß wir in irgend einer Weise vonder Sache Gottes, der Kirche und der Gerechtigkeit abtrünnig würden.

Ihr könnet euch leicht denken, ehrwürdige Brüder, welcher bittere Schmerzuns ergreift, wenn wir sehen, durch welchen abscheulichen Krieg unsere heiligeReligion zum größten Nachtheile der Seelen heimgesucht, und durch welche ge-waltige Stürme die Kirche und dieser heilige Stuhl erschüttert werden. Ebensobegreifet ihr unsere tiefe Bekümmerniß, wenn wir die Gefahren betrachten, inwelchen so viele Seelen in jenen empörten Provinzen schweben, wo namentlichdurch Schriften, die man gleich einer Pest unter dem Volke verbreitet, Frömmig-