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3) Die Ernte.
Ich sehe dich in immer sanft'rcm Lichte,Vermenschlicht, wie es unser Aug' verlangt.Doch mit dem Himmelsstrahl im Angeflehte,Herniederschweben in das Thal, das bangt.
Ich sehe Segen aus den Händen fließen,
Wie Saamen aus der vollen Hand entfährt,
Von Erd' und Himmel wirst du lobgkpricsenUnd Alles, was dich siehet, ist verklärt.
So stehst du, meinen Blicken nicht verborgen.
Der Schutz der Ernte, wenn die Wetter zich'n,Sie freuet sich an deinem Gnaden-MorgenUnd trinkt den Thau der Wolken, die entflieh'».O wögst du auch in meiner Lebens-Ernte,Behüterin des nahen Schnittes, steh'»,
Die — nicht genug, daß sie Gefahr entfernte, —Verderben läßt in Segen übergeh'n!
Aus den Missionsbriefen der Gesellschaft Jesu .
Madurö in Vorderindien. Während die Stürme der Revolutionim nördlichen Indien sich zu legen begannen, sah man im Süden andere sicherheben, zwar von verschiedener Natur, doch aber geeignet, für die Landesbehör-den binnen kurzer Zeit sehr bedenklich zu werden. Ich spreche von dem sehr pro-noncirten Kampf und Widerstand der Kasten Wider den Protestantismus, dendie Prädicanten durch ihr Benehmen compromittirten. Die Königin von Eng-land hatte in ihrer Proklamation erklärt, daß alle Religionen Indiens respectirtwerden sollten. Nach diesem Versprechen sollte keine Religion Ursache der Aus-schließung von irgend einem Amte oder Befähigung sein. In Folge dessenglaubten die Jndier, denen die Idee von Religion und Kaste synonym ist, daßihre Gebräuche von der Regierung respectirt würden. An denselben hängt derJndier, wie an seinem Leben. Nun sind aber die protestantischen Missionäredie erbittertsten Feinde der Kasteneinrichtungen. Immer das Geld in Händen,immer rechnend auf die ihnen auch selten verweigerte Unterstützung der Behör-den, geberden sich diese Evangelischen als die muthwilligsten Widersacher derindischen Dorurtheile, und rechnen es sich zum Ruhme, darüber zu triumphiren.Diese Triumphe aber sind am Ende weder Fortschritte in der Civilisation, nochin der Religion; im Gegentheile, sie sind wahre Niederlagen. Wie sie nurirgend einen Vortheil erringen, entzündet sich der Haß aller Jndier, die zu eineretwas höheren Kaste gehören, und wenn sich morgen günstige Gelegenheit ergibt,so werden sich die indischen Bevölkerungen in Masse erheben, um gegen dieseprotestantische Propaganda eine sicilianische Vesper einzuläuten. Um dies an-schaulicher zu machen, will ich erzählen, was in jüngsten Tagen geschehen ist.Es ist eine Episode jenes großen Kampfes, der sich vorbereitet, heute noch unterder Asche lodert, morgen aber zum Ausbruche kommen kann.
Nicht weit von meinem Wohnorte ist eine große Stadt, deren sehr berühmtePagode gleichsam einen der großen Vereinigungspuncte des indischen Heiden-thumes bildet. Die Stadt heißt Tinnevelly. Kein Europäer hat sich je dortniedergelassen. Die Bevölkerung ist ganz eingeboren, besteht aber aus vielenKasten und vielerlei Religionen. Katholiken gibt es nur wenige, 80 Familienunter den Parias und 7 oder 8 Familien einer besseren Kaste. Die Protestan -