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ten sind in noch geringerer Anzahl, als wir; ihr Contingent mag 3—4 Familienbetragen, doch haben sie eine ziemlich große Kirche erbaut. Dies geschah, weilsie früher große Hoffnungen hegten, die aber nun zu Wasser geworden sind.Eine Anzahl von <40 Leinweberfamilicn, welche, ohne jedoch geadelt zu sein, inTinnevelly sehr in Ansehen stehen, brauchten Schutz wegen gewisser noch schwe-bender Processe. Da sie solchen von den Prädieanten erwarteten, so wurden sieevangelische Christen. Als die Gefahr vorüber war, beseitigten sie die neueReligion und deren Diener, und kehrten zum Heidenthum zurück. Ein einzigesIndividuum fuhr fort, sich Protestant zu nennen. Er that dies aus Interesseund Politik. Da sehe man den Beweis. Dies Individuum war schon sehr altund dem Tode nahe. Wenige Stunden vor seinem Tode ließ er den Superiorder anglikanischen Missionare zu sich rufen, und sagte zu ihm: „Ich bitte umeine Gnade; veranstaltet doch, daß mein Leichnam mit großem Gepränge amFlusse begraben werde, welcher zwischen Palamacottah und Tinnevelly stießt. Ichhabe wohl ein Recht auf diese Ehre, weil ich der Einzige bin, der gläubig ge-blieben ist." Von Seite des Sterbenden war dies die reine Wahrheit. Erwollte, daß man von ihm spreche, und wenn man seinen Leichnam durch eineseiner Kaste verbotene Straße trüge, so wollte er sich dadurch mit ihr einigermaßenaussöhnen. Der Wortsdiener erblickte darin ein Mittel, die Herzen seiner un-getreuen Schäflein wieder zu gewinnen und darüberhin eine Gelegenheit, seineMacht zu zeigen. Er gab also sein Ehrenwort und so war die Sache beschlossen.Sie siel aber anders aus, als der Sterbende und der Geistliche geglaubt hatten.Bald darauf starb der Kranke. Alsogleich wandte sich der Geistliche an denenglischen Oberbeamtcn, der ein eifriger Anhänger der Secte und intimer Freunddesselben ist, und verlangte eine Ordre an den Magistrat behufs der Beschützungdes Leichcnzuges. Dies geschah; allein kaum war es bekannt, als sich die ganzeStadtbevölkerung erhob. Drei Tage hindurch waren alle Kaufläden geschlossen,aller Verkehr gehemmt, und die Straßen mit zornentbrannten Jndiern, die sichmit Prügeln und Steinen bewaffnet hatten, angefüllt. Die Localobrigkeit fürch-tete die Folgen solcher allgemeiner Erbitterung, und glaubte deßwegen eine Ab-änderung des Auftrages der Obcrbehörde unternehmen zu dürfen, weil einfrüherer Auftrag diesem widersprach, und ordnete die Nebertragung des Todtendurch eine andere Straße an und dessen Beisetzung nach den alten Gebräuchen.Das Volk beruhigte sich und die bewaffneten Zusammenrottungen zerstreuten sich;die Protestanten aber, solchergestalt gedemüthigt, sannen auf Rache; sie weiger-ten sich für jetzt den Leichnam an gewöhnlicher «stelle einzuscharren, sondern be-gruben ihn in aller Eile und ohne Feierlichkeit auf ihrem Kirchhof. Die Gele-genheit eines neuen Versuches ließ aber nicht lange auf sich warten. FünfTage daraufwurde einer ihrer Anhänger, ein Mensch aus der untersten Kaste, von der Cholera be-fallen. Sie eilten, ihn in's Hospital zu schassen, wo er bald starb. Während dieser Zeitwurde ein neuer Magistrat bestellt, dem nun der Oberbeamte die nämliche Ordre,wie das vorige Mal, übersandte. Dieses Mal gehorchte der Magistrat. StrengeBefehle wurden ertheilt, damit der Leichenzug auf der ominösen Straße geschützt
werde. Das Volk erhob sich aus's Neue, und die Polizei wich vor der drohen-den Menge zurück. Der Magistrat wollte aber nicht nachgeben, und rief das
Militär zur Hilfe; 500 Mann rücken eiligst herbei und besetzen die Wege, um
das Volk aufzuhalten, welches auf das Gerücht dieses Vorganges von allenDörfern der Nachbarschaft haufenweise herzuströmte. Der Commandant, einenglischer Officier, und der Magistrat begleiteten den Leichenzug. Kaum hattensie den Fuß in die für die Todten aus jener Kaste verbotene Straße gesetzt, alsdie Steine über ihren Häuptern regneten. Die Truppen machten Miene mitdem Bajonette anzugreifen; allein die Masse des Volkes wich nicht von derStelle. Man droht, Feuer zu geben; zwei Dechargen schießt man in die Luft;