aber das Volk, fern sich einschüchtern zn lassen, widersteht lebhaft. Die Steinefliegen in noch größerer Anzahl, und der Commandant wird im Gesichte getrof-fen. Da nehmen die Sachen eine andere Wendung, die Truppen feuern auf dasVolk und zahlreiche Opfer stürzen zn Boden. Man ficht diese Unglücklichen vonden ersten Stockwerken des Thurmes der Pagode todt niederstürzen. Anderefielen anf allen Seiten. In Mitte dieses Gemetzels tonnte der protestantischeLeichnam vor der Pagode vorbcigetragen werden, und die ganze Begleitung ihren 'Triumphzug fortsetzen. Die Herren Prädicanten waren Sieger! Am folgendenTag wurde in den öffentlichen Blättern angezeigt, die Zahl der Getödteten be- 'trage 6, am Abend desselben Tages waren es schon 20, Tags darauf wußteman, daß ^6 gefallen seien, und nun weiß man ganz bestimmt, daß deren Anzahl 7^ bis 77 sei. Seitdem bewahrt das Volk ein düsteres Schweigen; alleines ist wutherfüllt in seinem Innersten.
Alle Jndier sind gereizt durch diese Abschaffung der Kasten, alle sinnen ausRache. Mittlerweile aber handelt die Regierung sehr energisch. Ein Brahmaneerlaubte sich öffentlich, den Protestantismus und die Behörden zu tade ln; man führteibn vor den Magistrat, von dort zum Richter, der ihn zu dreijähriger Kcttcnstrafeverurtheilte. Mehrere Individuen, welche beschuldigt wurden, Steine geworfenzu haben, wurden ergriffen, und die einen zu 3, die andern zu 5 Jahren schwerenKerkers verurtheilt. Die vornehmsten Jndier haben Agenten nach Madras ge-sendet, um Gerechtigkeit zn erlangen und die Sachen stehen nun anf diesemPunct. —-
Ich komme nun auf einen noch schwerer wiegenden Gegenstand, der gegen-wärtig ganz Malleallan, oder das Königreich Travancor in Aufregung versetzt.
^>er König dieses Landes ist ein Heide, und hat nicht mehr Macht, als dasbritannische Gouvernement ihm einzuräumen für gut findet. Er bedarf der aus- >drücklichen Erlaubniß des englischen Residenten, wenn er mit einem Europäersprechen, oder aus einer gewissen Umgrenzung hinansschreiten will. Unter demSchutze dieses gefangenen Königs haben sich jedoch die Gebräuche der Kastenbesser erhalten, als im Nachbarlande, wo ich wohne. Unter diesen zahllosen Ge-bräuchen ist einer ein sehr abgeschmackter, unsittlicher, und eines für civilisirtgehaltenen Landes sehr unwürdiger. Wenn nämlich eine Person aus einer nie-deren Kaste mit einer andern aus einer höhern Kaste spricht, oder sich nur ihrvorstellt, so muß sie ihre Schultern, ja den ganzen Oberleib bis zum Gürtelentblößen. Folglich müssen die Frauenspersonen, so oft sie öffentlich erscheinen,dieser Entblößung sich unterziehen. Der Katholicismus konnte natürlich solcheUnanständigkeiten nicht gleichgiltig zulassen; allein die Missionäre, aller mensch-lichen Hilfe bar, konnten diesen Unfug auch nicht direct angreifen. Die beson-nene, sanfte und geduldige Verfahrungsart der apostolischen Arbeiter im Vereinmit den Ideen europäischer Civilisation hatte gute Erfolge. In den der engli-schen Herrschaft gänzlich unterworfenen Ländern, wie der District von Tinnevellyund selbst in Travancor, können die katholischen Frauen öffentlich herumgehen, ohnebesagtem unsittlichen Gebrauch sich unterwerfen zu müssen. Nur für gewisse Ge-genden herrscht eine Ausnahme, wo nämlich die Brahmanen oder andere höhereKasten wohnen, oder sich häufiger einsiuden Die Protestanten aber, anstatt wiewir einfach und demüthig zu Werke zu gehen, wollten auch hier ihre Machtzeigen, und haben Alles verdorben. Was thaten sie? In Travancor schnürtensie alle liederlichen Weibsleute und alle Schulmädchen in Corsette ein. Wie dieseUnglücklichen mit der europäischen Toilette auf den Gassen erschienen, wurdensie mit Hohngelächter empfangen, und so oft sich ein solches Corsett zeigt, schreietAlles zusammen: „Sehet eine protestantische Parias!" Die Katechisten ärgertensich darobs, und fingen an, ihre Frauen nach Art der vornehmeren Kasten zukleiden. Dies verursachte nun große Verwirrung. Die Heiden der 3 untersten