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Kasten hofften von ihrer Erniedrigung erlöst zu werden, wenn sie sich an dieprotestantische Bewegung anschlössen. Die nächste Wirkung hievon waren Strei-tigkeiten, Processe und tödtliche Feindschaften. Die Sache kam bis vor den König.Dieser, nachdem er die Bewilligung der englischen Regierung erhalten, erklärtesich zu Gunsten der höheren Kasten, und ließ unter Trommelschlag verkünden,daß die Frauen der drei letzten .Kasten, seien sie Christen oder Heiden, nur imZustande der Nacktheit nach altindischem Gebrauche öffentlich erscheinen dürften.Die noblen Kasten, um die Physische Nebermacht der Gegenpartei zu schwächen,und ihre eigene Anzahl zu vermehren, erklärten die Türken, die Paravers unddie Moukouvcrs für Leute edler Racc, deren Frauen sich bedecken dürfen. Diebeiden letzgenannten Kasten sind zahlreich und katholisch, und hätten der Partei,die man demüthigen wollte, ein beträchtliches Ncbcrgewicht verliehen. Die Ehre,die mau ihnen aus Barmherzigkeit, aber auch aus Berechnung zugestand, solltesie nun davon trennen. Die königliche Proclamation hat Niemanden befriediget,und das Uebel nur ärger gemacht. Seitdem kann kein Weib mehr öffentlich sichsehen lassen, ohne von der einen oder andern Partei angefallen zu werden, undihre Kleidung bis zum Gürtel in Stücke gerissen zu sehen. Es sind gegen 100Sipahis unter dem Commando eines englischen Ossiciers, an der Spitze der-selben der erste Minister des Königs von Travancor, auch eine englische Creatur,angekommen, um das so unanständige Decret des Königs zur Ausführung zubringen. Raufereien und Brandlegungen sind die ersten Folgen davon. DieBewegung theilt sich schon den Nachbardistricten mit, und die Souars v. Tinne-velly wollten jenen von Travancor zu Hilfe eilen, wurden aber von den engli-schen Truppen daran gehindert. Ceylon und Madurö sind sonach in einem Zu-stand der Aufregung, der Alles befürchten läßt, wenn die Protestanten noch län-ger schalten und walten können. —
Die Proclamation, welche jeglichem Cult gleichen Schutz zusagte, könnteunseren braven Katholiken große Vortheile bringen. Bis nnn sind bei der Post,der Polizei, der Finanz, den Gerichten alle Stellen ausschließlich mit Türken,Heiden und Protestanten besetzt. Der Katholicismus war factisch ein Titel derAusschließung und nichtsdestoweniger, wenn einige Katholiken mehr in der Armeeund in der Verwaltung gewesen wären, wären die Engländer nicht so abscheu-lich verrathen und hiugemordet worden. Es ist gegen 50 Jähre, daß in einemSipahi-Regiment eine Meuterei ausbrcchen und alle europäischen Officiere er-mordet werden sollten. Allein im Regimente diente ein katholischer Sipahi, derbrave Castouri; er zeigte Alles dem Commandanten an, und das Complvttscheiterte. Zur Belohnung schenkte die Regierung dem Castouri ein gewissesTerrain in der Nähe von Palamacottah. Eine gleiche Belohnung erhielt auchein türkischer Sipahi von Trichintipaly, welcher ebenso treu gehandelt hatte.Beide Männer, zu gleicher Zeit, auf gleiche Weise und wegen der gleichen Hand-lung belohnt, sind schon lange todt. Die Familie des Türken befindet sich nochim Besitz des geschenkten Terrains; die katholische Familie aber, daraus ver-drängt und von Allem entblößt, lebt in größtem Elende. Die Kinder des treuenCastouri mögen Wohl seit zehn Jahren petitioniren, sie werden bald unter demeinen, bald unter dem andern Verwand abgewiesen. Diese unglücklichen Armen,denen ich oft ein Almosen gegeben habe, um die Kosten des Bittgesuches unddas Postporto zu bestreitcn. Wären sie Protestanten geworden, so hätten sieihre Güter längst schon zurückerhalten; aber nun haben ihre Bitten noch nichtserwirkt, und arm und katholisch zu sein, ist für sie ein doppeltes Unglück.