156
mehr ausschließlich Röberts und Justinens Kind, auch ir^ Oheim und Tanteverehrte sie von jetzt Vater und Mutter an Antoniens Stelle. In ihrer glück-lichen Verbindung mit Richard schenkte ihr Gott zwei hoffnungsvolle Kinder, dieFranz wie seine Enkel liebte, aber nicht, wie einst seine Tochter verzärtelte.
Möchte die in diesen Zeilen liegende Wahrheit jeder Vater, jede Mutterbeherzigen! Die romanlesende Jugend fehlt oft nur aus Unverstand; jene Ael-tern aber, welche derlei Vergnügungen gestatten, sündigen stets mit vollemVerstände.
Missionsleben in Texas.
(Fortsetzung.)
Kehren wir nach dieser Abschweifung wieder zu unserem Missionär zurück.Von Sän Antonio gelangte er bald nach dem nicht sehr entlegenen Orte seinerBestimmung, Castroville. Aber was für ein seltsamer Empfang harret seiner!
„Bei meiner Ankunft zu Castroville", erzählt er, „begab ich mich gleichnach dem Hause des Missionärs, um mich darin einzurichten. Wie groß warmein Erstaunen, als ich es bewohnt fand. Eine Familie hatte es in Besitz ge-nommen und lebte darin, als wenn es ihr eigen wäre. Ein leer stehendes Hausist leicht zu nehmen. Indessen wurde ich sehr anständig aufgenommen, das mußich bekennen: es wurde mir ein Bett zurecht gemacht, man machte den Wirth ineinem Hause, welches man sich angeeignet hatte. Bei diesen unerwarteten Freun-den schlief ich so gut, daß ich mich später erhob als die Sonne, ich kleidete michin aller Eile an, und las schnell die heilige Messe in der erbärmlichen Hütte,welche den Namen einer Kirche führte. Niemand wohnte ihr bei; meine An-kunft war nicht bekannt geworden. Nach dieser einsamen Handlung untersuchteich das Haus. Der AbbS Dubuis hatte es in Gemeinschaft mit dem ver-storbenen Pater Chapelle, seinem Gefährten, erbaut. Es war aus Holz,Stein und Backstein; die Winkel hatten sich stellenweise auseinander gegeben,und eröffneten den Eidechsen und Schlangen in Begleitung von Ratten, Ameisenund Skorpionen einen vielbenutzten Durchgang. Dieses Besitzthum bestand auszwei, durch einen Gang und einen Speicher getrennten Zimmern; davor lag einGemüsegarten und ein Hühnerhof, zur Seite zwei Hütten, von denen die einenach Belieben ein Pserdeställ, ein Vorrathshaus und ein Hühnerhaus, manchmalauch alles zusammen war, während die andere, aus Baumästen errichtet undmit einem Strohdache versehen, die Kirche und die Schule enthielt.
Diese Kirche bestand, wie schon gesagt, aus einer Hütte von Holz und Erde;kaum ein paar Familien hatten darin Platz, und die meisten Gläubigen mußtendem Gottesdienst vor der Kirche beiwohnen. Wir liehen von einem Ansiedler einGlöckchen; es war ein Schweizer , welcher dasselbe nach dem Gebrauche seinesLandes einer Kuh an den Hals gehängt hatte. Auf dem Dache der Kirchewurden vier Bretter zusammengelegt, welche den Thurm vorstellten. So kleinauch die Glocke war, so wurde boch ihr Geläute, weil die Luft sehr reinist, von der ganzen Stadt und sogar auf der Ebene und auf den Bergen, zumaldes Abends und des Morgens, gehört. Uebrigens trug der Eifer des AbbeDubuis seine Früchte. Die Bewohner fingen an, den Sonntag heilig zu halten,und gaben die Gewohnheit auf, an diesem Tag zu arbeiten, um sich am folgen-den beim Saufen und Schwelgen auszuruhen. Einige Warnungen der Vor-sehung hatten den Predigten des guten Missionärs Nachdruck gegeben; mehrereColonisten, welche am Sonntage arbeiteten, hatten Unglücksfälle erlitten unddie Bevölkerung begriff, daß es an diesem Tag sicherer wäre, wenn man in dieKirche ginge. Das Osterfest 18-19 war für uns wahrhaft tröstlich; fast alle