(Schluß.)
Die revivalistische Bewegung ist nicht allein auf den ärmeren Theil derBevölkerung beschränkt geblieben, obwohl allerdings die meisten Bekehrten denunbegüterten Classen angehören, auch unter den gebildeten Ständen haben sichmanche Leute davon hinreißen lassen. So wird erzählt, daß zwölf bis zwanzigStudenten einen Wandel über ihren Geist hätten kommen suhlen, und daß sieanstatt zu rauchen und zu trinken, nur noch beteten. Ein begüterter Mann imSpiritushandel und Eigenthümer verschiedener Branntweinschenkcn in Newcastle erhielt einen so tiefen Eindruck von den revivalistischen Zusammenkünften, daßer in voller Versammlung seine Absicht erklärte, nichts mehr mit Schnaps zuthun zu haben, sondern nur noch Thee trinken zu wollen; dies erregte, wie sichleicht denken läßt, ungeheure Sensation. — In Wcdegar, einer Stadt in Wales ,predigte vor einiger Zeit ein hausirender Scheerenschleifer, und machte solchenEindruck bei seiner Zuhörerschaft, daß an einem einzigen Tage dreitausend Per-sonen sich verpflichteten, keinen Whisky mehr zu trinken. Nicht blos Civilisten,sondern auch das Militär nahm an einigen Otren an der Bewegung Theil,indem die Soldaten jeden Morgen vor und jeden Abend nach der Parade Be-täübungen hielten. — Außerdem wird von den Freunden und Beförderern desRevivalismus angegeben, Laß der moralische Wandel iu der Bevölkerung überallgleichen Schritt mit der religiösen Bewegung gehalten habe; Trunkenheit sei fastganz verschwunden; der Steuereinnehmer in einem verhältnißmäßig unbedeuten-den Districte habe erklärt, daß daselbst in einem einzigen Monat für 600 Pfd.Sterl. (6000 fl.) weniger Schnaps getrunken sei als früher; Ruhestörungen undschlechte Aufführung sei ganz unerhört; die Polizei habe nichts mehr zu thun;
die Branntweinschenken stünden leer und die Wirthe machten Bankerott;-
kleine Diebstähle von Obst uud Kartoffeln, die früher so häufig gewesen seien,kämen jetzt gar nicht mehr vor; die Almosensammler iu den Kirchen bemerkten,daß arme Leute, welche früher nie etwas gegeben hätten, jetzt regelmäßig ihrePfennige in den Klingelbeutel legten; Priester aller Art, Episkopaten, Pres-byterianer, Jndependcnten, Methodisten, Baptisten, Nemouisten (?), kämen inväterlicher Liebe und christlicher Gemeinschaft zusammen, läsen, bäten und sängen;Processe hätten aufgehört, lüderliche Frauenzimmer gäbe es gar nicht mehr; da-gegen bekämen die Sparkassen bedeutende Einlagen; von politischen Parteiungensei gar keine Rede; Streitigkeiten aller Art seien zu Ende; der Redacteur einerZeitung sei ganz unfähig geworden, seine Gedanken beisammen zu halten, unddie Setzer in einer großen Druckerei hätten die Lettern nicht mehr manipulirenkönnen; — geflucht würde gar nicht mehr und überall fließe der Strom derHarmonie, des Friedens und der Menschenliebe."
Nun das sind doch noch Resultate, die sich der Mühe lohnen und die sichdie kühnste Phantasie kaum zu hoffen wagen durfte. Was wollen hiegegen dieErfolge der Missionsbcstrebungen der kathol. Kirche, die Wirksamkeit aller derverschiedenen Vereinigungen zur Besserung und Veredelung des Menschen-geschlechtes bedeuten? Unser Missionär scheint Recht gehabt zu haben, als ermeinte, der heilige Geist habe den Strom seiner Gnade über das glücklicheEngland ergossen und das Weltende muß nahe sein, denn der Mensch hat dortja den Gipfel der Vollkommenheit erreicht. Was werden nun alle die armenunnützen Richter und Advocaten, die Policisten und Prediger anfangen, die nunauf einmal entbehrlich gemacht werden durch die „Wiederbelebung des Geistes?"Das glückliche England ! Bei uns müssen unaufhörlich Straf- und Arbeits-häuser gebaut werden, während sie dort bald gar nicht mehr werden gebrauchtwerden.