Ausgabe 
20 (30.12.1860) 53
Seite
419
 
Einzelbild herunterladen

419.

Mtsfionsberichle des hochw. ^ Franz Laver Weninger.

(Schluß.)

Nachdem ich aus solche Weise den zwölf deutschen Gemeinden in Texas dieMission abgehalten, kam ich glücklich nach Galveston zurück. Ich dankte Gott ,daß ich dort kein gelbes Fieber fand. Das wäre gefährlicher gewesen, als alledie durchgemachten Glaubensversolgungen. Während meiner Abwesenheit vonGalveston starb allda ein Franzose, an dessen Krankenbett ich auch einen nichtuninteressanten Pastoralsall erlebte. Dieser Franzose war bereits gegen 70Jahre alt; ein echtes Muster französischer Nationalität. Er rühmte sich, katho-lisch zu sein, hatte aber in seinem ganzen Leben noch nie gebeichtet. Er ent-schuldigte sich immer, es sei ihm unmöglich, Reue und Leid zu erwecken, und sosei es für ihn unnöthig zu beichten; er könne doch nicht losgesprochen werden.Der hochwürdigste Bischof ersuchte mich, zu ihm zu gehen, denn sein Lebensendekönne nicht mehr ferne sein. Er lag allein in einem Hause, und man kam nurzeitweise nachzusehen, wie es ihm gehe, und um ihm Nahrung zu bringen. Ichging zu ihm. Er antwortete mir wie Allen, die Beicht sei umsonst, da er keineReue erwecken könne. Da ich schon öfter wahrgenommen, daß dergleichenMenschen, denen die Beichte ein Bedürfniß war, und die nur durch teuflischeList aus Furcht von der Beichte zurückgehalten wurden, auch außer der Beichte,wenn man sie so ausfragt wie im Beichtstuhl, ganz aufrichtig antworten undbeichten, so fing ich die Beichte mit diesem Kranken geradezu an, und fragteihn aus. Er antwortete ganz unbefangen auf alle meine Fragen. Als ich dieGewissenserforschung beendigt hatte, sagte ich ganz freundlich zu ihm: SehenSie, jetzt haben Sie gebeichtet. Er machte große Augen. Ja wohl, sagte ich,oder wissen Sie noch etwas. Er antwortete: Nein, aber was hilft es, ich kannja keine Reue erwecken. Da zog ich ein Kreuzbild heraus, und hielt es ihmvor. Sehen Sie auf das Kreuzbild, sagte ich, und ich werde für Sie die Reueerwecken. Da erweckte ich laut diesen Act, und so nachdrücklich als ich konnte.Der Kranke blickte dabei bald auf mich, bald auf das Kreuz. Auf einmal fülltensich seine Augen mit Thränen. Mein Gott! rief er aus, was ist doch das, wasich jetzt fühle; ist das nicht die Reue? Ja wohl, sagte ich, und sprach ihnlos. Ich hoffe, er starb als ein Kind der Seligkeit.

Ich feierte das Fest des hl. Jgnatius in New-Orleans , im Collegium derUnseligen. Ich habe nie eine Kirche im mozarabischen Styl gesehen. In diesemist unsere prachtvolle Kirche in New-Orleans gebaut. t>. Camhiaso entwarfden Plan und leitete den Bau.

Darauf gab ich drei Missionen im Staate Jndiana, nämlich zu Canelton,Trotz und Ronport, und begab mich nach Brooklyn , New-Vork gegenüber. Ichhatte, so lange ich in Amerika bin und Missionen gebe, keine so große Menschen-masse versammelt gesehen, als unter dem Missionskreuz zu Brooklyn . Wer solltees glauben, daß es mir möglich war, ein Missionskreuz im Freien zwischen dendrei mächtigen Städten New-Uork, Brooklyn und Williamsburg aufzurichten,welche drei Städte eigentlich nur eine Stadt bilden. Ich hatte so was freilichnicht geträumt, als ich vor eils Jahren zum ersten Mal New-Vork erblickte.Hierauf gab ich die Misston zu Randout am Hudson-Strom. Ich fand bei-nahe die Hälfte der großen Gemeinde aus gemischten Familien bestehend. Dagab es nun Arbeit, um die Erziehung der Kinder der heil. katholischen Kirchezu sichern. Doch Gott Lob und Dank, es gelang mir. Ich ging hieraus in dieHöhen der Olleghanys, in jene Gegenden, wo Fürst Galizin die katholischen Ge-meinden gründete. Ich gab die erste Mission daselbst in der großen Fabriks-stadt Johnstown. Allda arbeiten an 3000 Männer in einer einzigen Eisensabrik,

Ei

» s

W