Nach sehr vielen Gefahren kommen wir beim Emir an, wo wir die Con-suln von Frankreich und Rußland finden, die sich bereits dahin geflüchtethatten .... Nach und nach langen die Vater Lazaristen, die Schulschwesternmit ihren Waisen und 200 Kindern, griechische, syrische, maronitische und vieleandere Christen an, welche die Algierer herbeiführen; das HauS des Emirs istüberfüllt. Während der Nacht schickt der Gouverneur und läßt die Consuln undEuropäer fragen, ob sie wünschen, nach der Festung geführt zu werden, wo eingeeigneter Raum hergerichtet ist; der Consul Frankreichs und andere Europäerlehnen dies ab, der russische Consul, ein Arzt und ich, so wie zwei Lazaristennehmen das Anerbieten an. Aus dem Wege laufen wir die größte Gefahr;dreimal werden wir von den Türken angehalten, welche verlangen, daß manuns ihnen überliefere; endlich, ein wenig vor Tagesanbruch langen wir an.Die Feuersbrunst ist ungeheuer; der Himmel ist vom Feuer geröthet.
Dienstag, den 10. Juli. — Die Algierer Abd-el-Kader's haben inmittender Flammen die ganze Nacht das christliche Quartier durchzogen und alles wassie finden konnten mit sich geführt; aus Mangel an Raum führt man dieChristen in Zügen nach der Festung; bald befinden sich dort mehrere TausendMänner, Frauen, halbnackte Kinder, wovon einige verwundet sind. Man erfährt,daß die Drusen, Türken und Araber der Umgegend angelangt sind, um an derPlünderung Theil zu nehmen; da die Letztem zu spät gekommen sind, so schlep-pen sie Frauen und Mädchen mit sich in die Wüste. Die Feuersbrunst dauertfort. Wir fühlen uns in der Festung, wo die Thüren offen stehen, und worinsich nicht 100 Soldaten befinden, nicht sicher; wir erinnern uns des Blutbadesvon Hasbeia und Rascheia,*) wo unter dem Verwände, die Christen zu be-schützen, man dieselben vereinigt hatte und dann die Soldaten sie durch die Drusenhatten morden lassen. Zuletzt langen die Christen mit Tausenden in derFestung an, und wir fürchten, daß der Hunger gar bald die Folge sein werde;wir ziehen von einer Escorte begleitet nach dem Serail, unter dem Verwändeeiner Mittheilung an den Pascha, in Wahrheit aber; um dort wo möglich eineZuflucht zu finden. Die beiden Secretäre des Pascha's veranlassen uns, beiihnen zu bleiben; dort langen alle Nachrichten, alle Details an. An diesem Tagewird das französische Consulat sechs Mal angegriffen, aber der Angriff wirdimmer von den Algierern abgeschlagen, und die Nachbarn verhindern, daß manüber die Terrassen in das Gebäude gelange. An diesem Tage wurden auch dieUnglücklichen, welche sich mit Hunderten in die Kirchen und Klöster geflüchtethatten, verbrannt; Die Väter des h. Landes kamen alle um, und in der grie-chischen Kirche mehr als 500 Opfer. Da der Pascha unsere Ankunft im Serailerfährt, läßt er uns zu sich rufen und ladet uns zum Mittagessen ein; derPascha scheint guter Dinge, und während 14,000 Leichen in den Straßen liegen,speisen wir beim Schalle der Musik; es war wirklich herzzerreißend. Der Pascharichtet einige Worte an uns über die Ereignisse: er gibt als Grund an, daßer nur 600 Soldaten habe, die seit 35 Monaten keinen Sold empfangen undvon denen die Hälfte Uebelthäter seien, die man mit Gewalt zu Soldaten ge-macht. Wir stellen uns, als ob wir diese Gründe für zutreffend halten, aberwir wissen, daß die besten Truppen absichtlich auf die Seite gebracht worden sind;denn Emir-Pascha (Ungar) und Mustapha Pascha (ein entschlossener Mann)sind zu Balbek und im Hauran mit nichtssagenden Missionen betraut. (AhmedPascha, der Gouverneur von Damascus, ist mit mehreren andern Officieren am8. September in Damascus standrechtlich erschossen worden.)
*) Vielleicht eine Verwechslung mit dem Vorgänge zu De-r ei Kamar.