Ausgabe 
20 (30.12.1860) 53
Seite
417
 
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Hi. LS.

30. December 1860.

Das Augsburger Sonntagsblatt (Sonntags-Beiblatt zur Augsburger Post-Zeitung XX. Jahrgang) erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der vierteljährigeAbonnementspreis ist 20 rr., wofür cS durch alle k. bayer. Postämter und alle Buchhand-lungen bezogen werden kann.

HM" Beim Herannahen des Jahres und resp. des l. Quartals oder I. Seme-sters 1861 erlauben wir uns, unsere ergebenste Einladung zur baldigen Bestel-lung des Augsburger Sonntags-Blattcs (Beiblatt zltr AugSbnrger Post-Zeitung)zu machen, auf daß wir die Auslage bemessen und unsern Titl. Herrn Abonnen-ten vollständige Exemplare liefern können. Der AbonnementS-Preis ist der-selbe wie im abgelaufenen Jahre (pro Quartal SO kr., pro Semester 40 kr).Man abonnirt bei -er nächstgelegenen Poststation. Auch durchden Buchhandel kann der Bezug bewerkstelligt werden.

Die Expedition.

Die Grenelscenen in Syrien.

(Schluß.)

Damascus, den 16. Juli.

Ich schreibe Dir in Eile einige Worte, die ich einem genaueren Berichteentnehme.

Montag, den 9. Juli. Am Morgen hatte man auf die Thüren mehrererHäuser geschrieben: Tod den Christen! Gegen Mittag sah sich das christ-liche Quartier plötzlich von muselmännischen Banden überfluthet; das Haus desConsuls von Rußland wird unter den ersten angegriffen, geplündert und ver-brannt; der Consul war in diesem Augenblick nicht zu Hause; auf mehrerenPunkten bricht Feuer aus; die Besatzung, welche Kanonen hat, läßt Alles ge-schehen; die Plünderer stehlen ganz offen, ja selbst Soldaten verlassen ihreReihen, um ihren Theil an der Beute zu haben, auch sieht man Frauen, dievon den Terrassen herunter die Männer zur Plünderung und zum Gemetzel an-treiben. Wir denken daran uns zu vertheidigen, da wir des Glaubens sind,daß es sich nur um einige Banditen handelt; aber da wir hören, daß sie zuHunderten auf einmal die Häuser erstürmen, daß sie zugleich morden, und dasFeuer uns bald umgeben wird, so denken wir an die Flucht; es war hohe Zeit,denn während wir auf die Terrasse steigen, stößt man bereits die Thür ein; mitHilfe einer Leiter gelangen wir von Terrasse zu Terrasse zu dein Hause Boulade,welches auf die Hauptstraße geht und dem Consulate Griechenlands gegenüberliegt. Es ziehen Truppen vorüber; wir sprechen mit dem Ofsicier; derselbeantwortet uns, Geduld zu haben; einer seiner Soldaten legt das Gewehr aufuns an, und wir haben nur eben Zeit, uns zurückzuziehen; wir beeilen uns,während von Weitem fortwährend Flintenschüsse auf uns gerichtet werden, dieStraße zu passiren, und uns zu dem Consul Griechenlands zu flüchten, vordessen Hause sich eine Abtheilung Soldaten befindet; aber zehn Minuten späterzieht diese Abtheilung schon ab und läßt uns von Neuem unserm Schicksal aus-gesetzt, als glücklicherweise der Emir Abd-el-Kader an der Spitze seiner Algierererscheint, um die Flucht der Christen zu beschützen und alle, die er kennt, in seineWohnung zu führen; wir schließen uns ihm an, und auf dem Wege bemerkenwir Soldaten, die ebenfalls plündern.