Ausgabe 
20 (23.12.1860) 52
Seite
416
 
Einzelbild herunterladen

l '-s

ich, daß es durch mich Zeugniß erhalte von dem Glauben, der Frömmigkeit undNächstenliebe, welche ich zu meinem großen Troste iu seiner Mitte habe blühen sehen.Dann will ich, baß mau wisse und kenne die besondere Liebe zu meinem Klerus,hauptsächlich zu meinem Capitel und der gesammten Pfarrgeistlichkeit, die sich durchEifer und ein musterhaftes Leben so sehr auszeichnet, und die meine Hilfe undStütze gewesen. Ich bitte dann Alle, immer mehr zu wachsen iu der religiösen Ge-sinnung, welche Bologna so sehr auszeichnet, und unerschütterlich festzustehen iu derVereinigung mit dem Mittelpuncte der Einheit, der Säule der Wahrheit, demStuhle des hl. Petrus, dem römischen Papste. Ich habe mein Leben zum Opfergebracht für mein Volk; und wenn der Herr mich gnädig in den Himmel aufnimmt,so werde ich vollenden das Werk, au dessen Ausführung mich die Kürze des Lebensund die Ungunst der Zeitverhältnisse auf Erden gehindert."

Thränen iraten in die Augen aller Anwesenden, und das zahllose Volk,welches den Hofraum des. erzbischöflichen Palastes anfüllte, stimmte ein iu dieKlagen deS Klerus, der das allerheiligste Altarssacrameut begleitete. Er segnetealle seine Diener, seine Freunde und Anwesenden, die um das Bett herum knieten.Da er ihre Thränen bemerkte, so sagte er mit heiterer nnd lächelnder Miene, daß sieja keine Ursache haben sich zu betrüben, sondern daß sie sich vielmehr freuen sollten,weil Christus der Herr sein Flehen erhört und seine Wünsche, sich zum Bestenseines Volkes zum Opfer zu bringen, erfüllt habe.

Diesen nnd den folgenden Tag brachte er in beständiger Betrachtung nnd imGebete zu, soweit eS sein schweres Leiden ermöglichte. Das, was ihn bedrohte,erfnhr er zwar nicht mehr, wohl aber sah er noch die Gefangeuuehmung seinesGeneralvicarS, des Monsignor Ratta, die in demselben Augenblicke stattfand,in dem er ihm die hl. Wegzehrung reichen sollte. Auch seine Verhaftung würde er-folg! sein, wenn fein Zustand die Trausporiirung in den Kerker erlaub! hätte.

Gegen die Nacht vom 14. auf den 15. war der Schmerz sehr groß; er war aufdas Höchste gestiegen; zu den Personen, welche knieend für ihn beteten, sprach er,sie möchten lauter beten, weil er noch mit ihnen beten wollte. Es war schon Mitter-nacht, wenige Augenblicke nur mehr in seinem Lebe, da verlangte er eines seinerGebetbücher, mit dem TitelDas Licht nnd die Liebe der Welt" Luzern 1833 undlas das in demselben enthaltene Gebet bei der vierzehnten Kreuzwegsstatiou. Alser eS gelesen, bat er die Umstehenden, daß sie drei Vaterunser und Ave zn EhrendeS heiligen Michael beten möchten, und entschlief dann im Frieden deS Herrn.

Wer seinem Glauben nicht treu ist, der ist auch seinem Könige

nicht treu.

Der Kaiser Constantius Chlorus stellte sich, als wolle er nach seiner Vor-gänger Sitte die Christen aufs Neue verfolgen und sie zwingen, den Götzen zuopfern. Er drohete seinen Hofdienern mit Lein Verluste ihrer Güter und Ehren-stellen, wofern sie nicht an dem Götzendienste Theil nehmen wollen. Mehreregaben alsbald ihre Bereitwilligkeit kund, dem Willen des Kaisers nachzukommen;Andere standen fest wie Eisen in ihrem Glauben und erklärten offen heraus,sie würden um keinen Preis von demselben ablassen. Die Letzteren behielt Con-stantius in seinem Dienste, die Ersteren verabschiedete er alle insgesammt.

Recht so! Wer seiner Religion und seiner Kirche Treue und Gehorsam be-weiset, der wird sich als der beste Unterthan und der zuversichtlichste Freundbewähren.

Redaction und Verlag: Dr. M. Huitlcr. Druck von I. M. Älcinlc.