Ausgabe 
(31.3.1897) 18
 
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31. Mir? 1897.

Die Inschrift von Hsi-An-Frr, ein altchristlichLsDenkmal in China.

(Schluß.)

Der Inhalt der Aufschriften athmet ganz undgar christlichen Geist. Der Titel lautet in Uebersctzung:Gedenkstein der Ausbreitung der hell strahlenden Lehredes Großen Reinen im Reiche der Mitte sammt einemHymnus verfaßt von Kiug-Tshing, einem Priester dieserKirche." Der Text beginnt dann mit den Worten:Siehehier. den unnahbar Gerechten, den Unsichtbaren, der vonEwigkeit zu Ewigkeit währt; den wcitschauenden, voll-kommenen Geist, dessen gcheimnißvolles Dasein kein Endenimmt. Er nahm den ewig dauernden Stoff und schufdaS Weltall ." Es folgen sodann die Namen der HerrscherCbina's, unter denen dem Christenthum Ruhe und Ge-deihen vergönnt war, nebst allerhand Lobsprüchen undDankesworten. Eine gewisse schwungvolle Beredsamkeit,ein gläubig-christlicher Sinn läßt sich in diesem uraltenSchriftwerk des Christenthums nicht verkennen. DieSchlußworte des oben erwähnten Hymnus lauten:DesGerechten Ursprung ist überall und nirgends, da ist seineUnergründlichkeit, seine Allmacht, mit der er Himmel undErde geschaffen. Er hat sein Dasein getheilt und istzur Erde nicdcrgestiegcu, um zu helfen und zu retten bisans Ende der Zeiten. Da leuchtete der Tag auf, unddie dunklen Schatten flohen, und Alles trägt die Zeichenseiner ewigen Wesenheit." Sind das nicht erhabene, wahr-haft christliche Worte? Die Unterschrift besagt:BeidenHerrschern liegt des Handelns Wille und Gebot; wirDiener künden den Ruhm ihrer Thaten und haben diesDenkmal hier errichtet zum Unterpfand unseres Dankesfür gewährtes Glück." So klingt die Inschrift aus imDank eines demüthigen Christcuhcrzens für den Schutzdessen, was ihm das theuerste ist, mitten im heidnischenLande, in der Verbannung.

Die Entdecker des Denkmals, das im Jahre 1625ausgegraben wurde, waren, wie ?. Heller nachweist, zweiJesuiten , ?. Nikolaus Trigault und ?. Alvarez Semedo,die nach dreißigjährigem Forschen, wie L. Semedo sagt,endlich das Glück hatten, ein Zeugniß dafür zu finden,daß das Christenthum in China schon vor Jahrhundertengeblüht hatte". Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieGlaubcnöbotcn von der malabarischen Küste aus nachChina gekommen sind, wofür die dort erhaltenen Kirchen-bücher sprechen. Die Geschichte der Entdeckung des Steinesim Jahre 1625 wird also berichtet: Bei Gelegenheit einesNeubaues im Städtchen Hsi-Au-Fn wurde der Denksteinbloßgelcgt. Man meldete dies dem Ortsvorsteher. Dieserbrachte in seinem Aberglauben den Tod seines zärtlichgeliebten Söhnchens, das er gerade um diese Zeit verlor,n Zusammenhang mit dem Funde des Steines, dessenyrische Schrlftzeichcn ihm räthselhaft und gcheimnißvollerschienen. So ließ er das Denkmal sorgsam aufbewahrenin eben dem buddhistischen Tempel, wo cS Graf Szschenyiantraf. Ja es gab sogar Zeiten, wo der merkwürdigeStein ganze Schaarcn von Wallfahrern anzog, die inihm ein Zeichen göttlicher Fügungen und verborgenerKräfte sahen.

Siegreich führt k. Heller den Nachweis für dieEchtheit des Steines, die unter andern auch Gelehrtevon hervorragendem Ruf, wie Frhr . von Nichthofcn,

Panthicr,rs) St. Julien, Renan, Bikell, Nöldeke, Gut-schmid, Aule, Brctschneidcr, vertreten haben. Einer derentschiedensten Gegner der Echtheit, der namhafteOrientalist K. F. Nenmann, der vor etwa einem halbenJahrhundert die Sinologie an der Universität München repräsentirte, suchte in seiner Abhandlungüber die er-dichtete Inschrift von SI-ngan-Fn" (Zeitschr. d. deutsch ,morgen!. Gesellschaft IV, S. 23 u. ff.) den langwierigenStreit mit der Behauptung aus der Welt zu schaffen, esliege augenscheinlich nur eine plumpe Fälschung der Jesuiten vor, man solle die Sache endlich einmal abgethan seinlassen. Zunächst zweifelte Nenmann an der Echtheit,weil ihm die chinesischen Schriftlichen viel zu gut er-halten und viel zu modern schienen, um ihren Ursprungins 6. bis 8. Jahrhundert znrückdatiren zu können; dannforderte er auch die Verwendung von Estranghelo-Schrist,deren sich die ThomaS-Christen bedienten. Nun aber sinddie syrischen Inschriften des Denkmals gerade eben imEstranghelo geschrieben; sie waren den chinesischen Ge-lehrten, die sich mit dem Denkstein befaßten, fremd undblieben auch den Jesuiten lange unverständlich, bis der ander malabarischen Küste weilende k. Antonius Fernande;sich aufmachte, um den Denkstein in Augenschein zu nehmen,und in den fremden Zeichen syrische Estrangheloschrift er-kannte. Die chinesischen Charaktere der Inschrift botenkeine besondere Schwierigkeit und wurden längst vonChinesen entziffert; lächerlich ist der Einwand Neumanns,sie seien modern, denn er mußte von dem conservativenSinn der Chinesen Kenntniß haben und wissen, daß sieim Laufe der Jahrhunderte ihre Schriftlichen in derThat sehr wenig verändert haben. Und gerade diese mini-malen Eigenthümlichkeiten des Schriftzuges, die selbst demgeübten Auge des europäischen Sinologen entgehen, sprechenfür die Echtheit der Inschrift; der einheimische Gelehrteaber wird darin auf den ersten Blick die Kalligraphie derTang-Dynastie (618 907) erkennen, unter deren Re-gierung (etwa um 780) mau die Entstehung des Denk-mals ansetzt. Richtig ist, daß die chinesischen Zeichen soschön erhalten sind, daß man sie selbst in ziemlich ver-kleinerten Photographien gar klar und deutlich zu er-kennen vermag. Auch haben die Chinesen selbst die In-schrift für echt gehalten, sonst hätten sie ihr gewiß nicht, die Ehre angethan, in ihren eigenen Jnschriftwerken davonzu sprechen, und hätten bei ihrem eminenten historischenSinn mit Worten der Anzweifelung sicher nicht zurück-gehalten. Ganz abgeschmackt aber ist es endlich, voneiner Fälschung der Jesuiten zu reden. Was hätten diesedoch für ein Interesse, welchen Zweck oder Vortheil davonhaben sollen, ein Denkmal herzustellen oder zu fälschen,das ihnen gerade die Ehre nimmt, das Christenthum zu-erst nach China gebracht zu haben, und ein Denkmal,das noch dazu nestorianischen Ursprungs ist? Eine Stelledes chinesischen Schriftstellers Ming-Tshou (11. Jahrh.),die von dem Monument spricht, hat nach Renan (a. a.O. S. 271) bereits Stanislaus Julien bekannt gemacht.Ein weiterer Grund für die Echtheit des Monumentes

'2) Lautllier, vs I'autllenkieits äs k'wscriptionnsstorionns äs 8i-n§an-kon. t?aris 1887. L'inseriptionszn-o-slliuoiss äs Si-nZ-au-kon. Laeis 1688. Derselbe inderLsvuo äs k'orksnt" 1662, p. 318. Die Ausführungendieses unermüdlichen Gelehrten sind zwar verdienstlich,doch noch gerade nicht überzeugend. Als Uebcrsetzcr ister, wie sein College Fauche, der ANcrwelt-SanZkritüber»scher, leider nicht zuverlässig