Ausgabe 
(22.5.1897) 29
 
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berger Grafen Nikolaus, welchen Herzog ChristophsKämpe Seitz Frauenbcrger bei Freistng am 28. Februarmeuchlings niedergestreckt, dafür, daß er zur Gefangen-nahme des Herzogs seinerzeit mitgeholfen. Seine Grab-capclle sowie der gothische Kreuzgang mit seinen Denk-steinen erregt noch heute tünstgeschichtliches Interesse.

Mit dem Kloster ivar auch eine Schule verbunden,und hier legte der am 14. Juli 1477 geborene JohannThnrmaier, Bayerns berühmter Geschichtsschreiber, dieAnfangsgründc seines Wissens.

Die Klöster Abensberg und Straubing gehörten derältern Regel vom Berge Carmel an, welcher in der Folge,besonders seit Papst Eugen IV. , große Milderungen zu-gestanden waren. Durch die hl. Theresia (st1582) undden hl. Johannes vom Kreuze (st 1591) wurde die ur-sprüngliche Regel in ihrer ganzen Strenge wiederherge-stellt, und der neue Aufschwung, den der Carmel-Ordennahm, kam auch Bayern zu Gute.

Im Jahre 1620 begann der Krieg Oesterreichs undBayerns gegen das protestantisch resp. calvinisch ge-wordene Böhmen, das der sogenannteWinterkönig "Churfürst Friedrich von der Pfalz in Besitz genommenhatte.

Maximilian I. , Herzog und nachmaliger Churfürstvon Bayern, hatte sich im Jahre 1619 von Papst Paul V. den wegen seines hl. Lebenswandels berühmten Barfüßer-Karmeliten - Ordensgcneral k. Dominikus a Jesu zurglücklichen Führung des böhmischen Krieges erbeten.Dieser mit seinem Geschlechtsnamen Domingo Ruzzola,geboren zu Calatajud in Aragonien am 16. Mai 1559,hatte in Spanien und Italien überaus segensreich ge-wirkt, als er 60 Jahre alt aus Gehorsam gegen daskirchliche Oberhaupt nach Bayern reiste.

Jin Oktober 1620 zog Dominikus a Jesu mitMaximilian von Schärding aus nach Böhmen und er-schien, Alles begeisternd, auf einem Schimmel reitend, miteinem Crnzisix in der Hand und das zu Strakowitz ge-fundene Bild der Geburt Christi , an dem die Calvinistenden Figuren Jesu und Maria die Augen ausgekratzthatten, auf der Brust, mitten unter den Streitern in derSchlacht am weißen Berge bei Prag (8. Novbr. 1620),wo Maximilian I. den vollkommensten Sieg an ebendem Sonntage, da es im Evangelium heißt:DataOaosari, gnoä Osovaris," gebet dem Kaiser, was desKaisers ist, über Böhmen gewann.

In dankbarer Erkenntniß der großen Hilfe, welchedurch das Gebet und das mnthige Eingreifen des heilig-mäßigen Mannes Bayern und Oesterreich zu Theil ge-worden, wetteiferten die Fürsten beider Länder, die Dankes-schuld dem Orden abzutragen, welchem Dominikus a Jesuangehörte. Sowohl in Wien in der Leopoldstadt, alsauch in Prag erhoben sich auf Veranlassung KaiserFerdinands Niederlassungen der rcformirten Barfüßer-Karmeliten. In München kam eine solche Ansiedlungerst im Jahre 1629 nach dem Friedensschluß von Lübeck zu Staude. Am 1. November trafen aus dem Klosteran der Kleiuscite zu Prag die ersten zwei Karmeliten,k. Felizian a S. Bartholomäo und ?. Dominikus a S.Nicolao, sowie zwei Laicnbrüder ein. In dem herzoglichWilhelminischen Palaste, der sogenannten Herzog Maxburg,wurde ihnen eine Jnterimswohnung angewiesen und ihnendas nahe gelegene St. Nikolanskirchlein für gottcsdienst-liche Funktionen eingeräumt. Doch dauerte es bis zumJahre 1650, bis die Karmeliten zu einem Klostcrbauschreiten konnten. Nachdem ihnen Churfürst Maximilian

zwei kleine Häuser sammt Hofräumen, 8 Stefften Wasser rc.am Ecke der St. Nikolauskirche und des ChurfürstenBruder Herzog Albert VI. den Anbau an seinem Palasteund den östlich gelegenen Garten an der Maxbnrg ge-schenkt, so daß das ganze Quadrat, wie wir es jetztsehen, den Karmeliten gehörte, wurde mit dem Abbruchdes St. Nicolauskirchleins begonnen und Kirche undKloster von Grund aus neu aufgeführt. Churfürst Max I.starb unerwartet am 27. September 1651, und da dessenSohn Ferdinand Maria noch nicht großjährig war, ver-zögerte sich der Bau um einige Jahre. Endlich legteder Oheim desselben am 3. Mai 1654 den Grundsteinzum Kloster und Churfürst Ferdinand Maria zur Kircheam Magdalenentage 22. Juli 1657. So hatten nundie Barfüßer-Karmeliten in München einen festen Wohn»sitz gefunden, und 142 Jahre lang sollten sie im Genussedesselben verbleiben. Bis zum Jahre 1729 befand sichhier auch das Provinzial-Noviziat, in welchem Jahre esnach Schongau verlegt wurde.

Im 17. Jahrhunderte wollten auch diebeschuhtenKarmeliten", welche in Altbayern nur in Straubing undAbensberg bestanden, in München ein Kloster begründen,ein Project, das sie noch einmal im Jahre 1780 auf-griffen, wo sie das Baron Hörwarth-Hans auf demjetzigen Promenadeplatze ankauften und bereits 2 Patresin demselben wohnten; allein ihre Sache hatte hier keinGedeihen, während die »»beschuhten Karineliten bei denMünchnern alles Vertrauen genossen.

Im Jahre 1802 brach der Säcularisationssturmauch über dieses Kloster herein. Unter dem Priork. Thomas a S. Bernardo standen 31 Patres und4 Fratres; sie wurden, soweit sie nicht dem Weltklerussich einreihen ließen, in das Franziskaner-Kloster zuStraubing zum Absterben versetzt, die Klostergebändeaber für Studienzwecke in Anspruch genommen und dassogenannte alte Gymnasium und Lyceum in dieselbenverlegt.

Die herrliche Kirche wurde durch Baudirektor Niklasvon Schedl und Banrath Vorherrentklöstcrt", die schöneFcnzade ihrer Statuen und Inschriften beraubt, dasInnere pnritanisirt, die Klostergruft, in welcher auch derbayerische Geschichtsschreiber und chnrfürstliche KanzlerJohann Adlzreiter (st 1662) seine Ruhestätte gefunden,in rohester Weise entleert.

Dreizehn schöne Gemälde, welche die Klostergründungund Wunderthaten des gottseligen Dominikus a Jesu dar-stellten und einst die Klostcrräume schmückten, wandertenin die Schleißhcimcr Gallcrie und kamen erst im ver-flossenen Jahre 1895 wieder nach München zurückaber nicht, wie zu erwarten stand, in ihr ursprünglichesHeim, in das nunmehrige kgl. Erziehungsinstitutsgebäude,sondern in die neue Tanbstummen-Anstalt durch die Be-mühungen ihres vortrefflichen Leiters.

(Fortsetzung folgt.)

Vergessene Audechser.

F. Jauncr hat in seiner vortrefflichen Geschichte derBischöfe von Negensburg Band I Seite 425 ff. die Ver-muthung ausgesprochen, daß Bischof Gebhard I. vonNegensburg (reg. 995 1023) der Familie der Audechserangehört habe. In der That lohnt es sich, seineArgumentation näher zu betrachten. Sie ist in Kurzemfolgende:

Bischof Gebhard I. hatte nach Thicimar V, 16einen Bruder Namens Otto, der Ende 1002 durch seine