Ausgabe 
(22.5.1897) 29
 
Einzelbild herunterladen

199

Flucht am Passe Ongara im Brcntathale die Niederlageeiner deutschen Heeresabtheilung unter Herzog Otto vonKörnten verschuldete (siehe Giesebrecht , Geschichte derdeutschen Kaiserzeit, 5. Anst. II. Bd. S. 31). DieserOtto darf nicht mit dem von Thietmar als Theilnehmeran demselben Zuge erwähnten gleichnamigen Sohn') desfränkischen Grafen Hcribert (Bruders des Herzogs Konradvon Schwaben , gestorben 997) verwechselt werden, dessenBruder Gebhard bereits im Jahre 1016 starb (sieheThietmar VII, 34, der sein Vetter war) und darummit dem Bischof Gebhard nicht identisch sein kaun. Viel-mehr deutet alles, was wir sonst von ihm und BischofGebhard wissen, auf bayerische Abstammung hin. ImNekrologium von Thierhaupten wird Bischof Gebhardneben seinem Bruder Rapoto als zweiter Gründer diesesKlosters bezeichnet.2) Aus einer anderen Urkunde, dieleider nicht ihrem Wortlaut nach bekannt ist, erhellt, daßer mit eben diesem Rapoto das Kloster Prül beiRegensburg im Jahre 997 neu fnndirte/) Die NamenOtto, Gebhard, Rapoto sind aber gerade in der Familieder Andechser hergebracht. Dazu kommt, daß BischofGebhard erweislich Erbgut in Tirol und zwar im Nork-thal besaß, wo die Andechser reich begütert waren. Nacheiner Urkunde nämlich, die zwischen 1006 und 1023 an-zusetzen ist (s. Meichelbeck Ihn. 1170), tradierte BischofGebhard dem Bischof Egilbert von Freising (reg. 1006bis 1040) zum Besten der Kanoniker dieses Stiftes alles-was er inro üoroäiturlo im Orte Uogian (Layen süd-lich von Klausen) besaß, unter der Bedingung, daß ihmsowohl IwZian als die umliegenden Ortschaften karxiun(Barbian) , Lutsis (Tschutsch), lioreo (Tiers), Aldiun(Albions) , Bunurois (Tanirz), Bsevis (Tschöfas), l'susis(Tschötsch), 8eZ63 (Seis) und ein Wald im Grödner-thale (der sogenannte Pontifeserwald, benannt nach denBischöfen von Freising) mit allen Nutzungen, wie sie vonGraf Otto seligen Angedenkens den obengenantenKanonikern übergeben worden wareiU), zum lebensläng-

') Dieser ist der bei Thietmar V, 21 (zum I. 1003)erwähnte Bruder der Gerberga, der Gattin des Mark-grafen Heinrich von Schweinfnrt, der v. O. II, 98 (975), 208(979), 284 (982); v. O. III, 334 (999), 361 (1000); 21. 8.28 a S. 304(1002), 390(1008). 458 (1016), wie sein BruderGebhard - s. 21. 8. 28 a S. 427 (1010) - als Graf imfränkischen Grabfeld (und in der Wetteran) bezeichnetwird. Sein Vater Heribert war Graf im Kinziggau, s.v. O. II, 128 (976). Der 21. 8. 31a S. 294 (1019) er-wähnte Graf Otto im Engcrisgan ist Otto von Hammer-stein, den Thietmar VIII, 5 ebenfalls seinen Vetter nennt,er ist also wohl eine und dieselbe Person mit dem obigen.Sein Sohn Udo starb im Jahre 1034 (s. ^nnal. Tllläss-keim. zu diesem Jahr), seine Tochter hieß Hicila; s. 21. 8.28 a S. 510 (1024).

") S. 21. <4, UsoroloK. Oorm. I, 38 u. 39.

b) S. Mausoleum (Ratisbona monastiea) Slusg. 1752S. 236; vgl. Lxoorpta HUabsnsia z. I. 998 (21. O. 8er.IV, 36), Lvn. Oarstsnsss, ^ämuutouseo, 8. Uuclbsrti8sUsbui-K6N868 z. I. 1003 (21. 6. 8er. IX, 567, 574, 772).

<) S. Meichelbeck Ib n. 1153 (vor 6. Mai 1006 demTodestag des Bischofs Gottschalk von Freising), wo außerden genannten Orten auch noch Vkkirieba (Aufkirchen beiErding) und Lxarmr68lni8a (Ebertshausen bei Brück a. d. A.).ferner Höfe im Stubaithale (intor alpoo 8tn,,sw) undam Terrenterberg im Pusterthale (in monto Torsnto) undein Weinberg bei Bozen genannt werden. Eine weitereAufzeichnung in Freising ( s. Obb. Archiv Äd. 34 S. 302 f.Nr. 151) führt noch Höfe in valls Vintulla (Ober- undNieder-Vintl im Pusterthal am 'Ausgang des Pfunders-thals) an. Zum Ersatz hicfür wurde Otto vom StifteFreising die enrris (lorollisdaeit (Gerolsbach im Land-gerichte Schrobcnhansen) aus Lebenszeit zum Nutzgeuußüberlassen.

lichen Nießbrauch überlassen würden. Erst »ach seinemTode sollte das Ganze an die Frcisingcr Kirche zurück-fallen.

Hieraus dürfen wir wohl schließen, das; BischofGebhard gewisse in naher Verwandtschaft begründete An-sprüche auf diese ehemaligen Besitzungen Otto's hatte,oder mit anderen Worten: Jener Graf Otto seligenAngedenkens war eben kein anderer als der (vor demJahre 1023 verstorbene) Bruder des Bischofs Gebhard,der vielleicht gerade wegen seiner schimpflichen Flucht undnicht so sehr wegen begangenen Jncests (unerlaubterEhe), wie es in einem Diplome König Heinrichs III.( Neubnrg a. D. 10. Dez. 1055F) heißt, noch vor 1006(s. Anmerk. 4) dem Strafgerichte verfiel. Näheres überihn erfahren wir aus Brixencr Dokumenten, in welchener als Graf im Norithal und Pusterthal (und Untcr-innthal) aufgeführt wird/) Neben ihm tritt in denselbenGauen ein Graf Rapoto auf,') in welchem wir wohlden oben erwähnten zweiten Brnder deS Bischofs Geb-hard zu suchen haben, wie deßgleichen in jenem Rapoto,der durch Nichterspruch seiner Besitzung Ufchiricha in derGrafschaft Arnolds von Diessen verlustig ging/) Hatteetwa auch er an jener schmählichen Flucht theilgeuoinmen?

Vermuthlich gehört auch der nodilis üoiao Ilatpotmit dem. Beinamen Tassilo hicher, der dem KlosterTcgernsee unter Abt Bereugar (1008 1017) alles, waser väterlicherseits als Erbe in den beiden Dörfern (Kirch-)Stockach und (Ober-) Haching (zwei anerkannt andechsischcuBesitzungen) inne hatte, überwachte/) Zwar fochtenEkkehard und Jakob als nächste Erben diese Verfügungan, doch ließen sie sich durch Zureden bestimmen, gegeneine Entschädigungssumme von 5 Talenten von ihrenAllsprüchen zurückzutreten, wie die Grafen Friedrich,

°) S. 21.8.29a S. 123. Hier wird er (wohl irrthüm-lich) als Markgraf bezeichnet; vgl. S. Riezler in Forsch-ungen z. d. G. Bd. 18 S. 532 f., der an Otto vonScheuern denkt. Aber der 21.8. 28» S. 451 u. 13 S. 352in Urkunden aus dem Jahre 1014 und 1040 als Graf imKelsgau aufgeführte Otto ist, wie schon Oefele in Sybel'shistor. Zeitschrift Bd. 43 Jhrg. 1880 S. 136 bemerkt hat,kein anderer als der bekannte Otto von Schweinfurt , vgl.21. 8. 23» S. 361 (1007), wo für in l>» 8'0 llorsvun offen-bar in poxo XortMv oder Xortgsw zu lesen ist (eshandelt sich um Holzheim im Nordgau , südlich von Burg-lengenfeld). Der 21. 8. 15 S. 160 z. I. 1036 als Grafim Donaugau bezeichnete Otto ist ein Sohn des Burg-grafen Ruvert von Regensburg , der im Jahre 1060 Bi-schof von Regensburg wurde (gest. 1089).

°) S. Resch, Ann. 8abion. II S. 650 f. ooä. äiplom.8rix. sub. 8 . Alvnino (reg. 9761006) n. 11 (zw. 982 u.987), 13, 25, 47. 51. 71 (zw. 1002 u. 1006).

') S. Resch a. a. O. n. 15, 47. 67. 68. 69 (hier wirdauch ein Sohn Rapoto's, Namens Konrad. erwähnt, deraber vor ihm starb). Schon unter Bischof Wisunt (gest.956) ist Rapoto an erster Stelle Zeuge, als Irininlint(seine Mutter?) alles was sie in Vsi'AL im Öuosigan (inx»8o bno8i) in Bauern hatte, an das Bisthum Säbenschenkt; desgleichen bei der Erneuerung dieser Schenkungunter B., Richpert (vor 962) s. Resch a. a. O. S. 457 f.Eben diesem Bischof (gest. 976) übergab Rapoto zum Bestender Kanoniker in Brixen zwei Huben in Tülls ( Tilsoberhalb Brixeu) aus seiner väterlichen Erbschaft s. Rescha. a. O. S. 522 f. Vgl. auch den oomss Uatpoto in v.O. II, 165 und v. 0. III, 1. Jener Rapoto, der in einemDiplome Ludwigs des Kindes 21. 6. 28» S. 125 (901), s.Mühlbachcr, 8eA. Xarol n. 1945. als Graf im Norithalerscheint, war wohl sein Großvater.

«) S. 21. 8. 28» S. 464 f. Am 28. April 1017 schenkte.K. Heinrich II. dieses confiscirte Gut an das BisthumBambcrg.

^ ^ ^0f.: vgl. Meichelbeck Id v. 1182b

und o. Obb. Archiv B. 34 S. 309 Nr. 176.