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Meginhart,'") Razo (— Rapoto),") lauter Andcchser,bezeugten.
Trifft diese Combination zu, so dürften Otto, Geb-hard, Rapoto als Bruder des Grafen Arnold von Liessenanzusehen sein. B. Scpp.
Alte Glasmalereien am Bodensee und seinerUmgebung.
v. Wir haben unter obigem Titel vor einigen Jahrenüber alte Glasmalereien berichtet (vergl. „Schriften desVereins für Geschichte des Bodensce's und seiner Um-gebung", 20. Heft, Lindau 1891, S. 52 ff., und „Archivfür christliche Kunst", Stuttgart 1891, Nr. 8 S. 74 ff.),Welche sich im ehemaligen Kloster Höfen bei Friedrichs-hafen , jetzigem Sommer - Nesidenzschloß des Königs vonWürttemberg, in der benachbarten Kirche von Eriskirch am Bodensee und in der Frauenkirche zu Ravensburg be-finden. Unterdessen ist uns in letzter Zeit eine weitereSammlung bekannt geworden, welche sozusagen neu ent-deckt und zugänglich geworden ist und die hier zum ersten-male weiteren Kreisen in eingehenderer Weise pnblik ge-macht werden soll. Es ist die Collection alter Glas-gemälde — über 50 Stück —, welche sich in dem demGrafen Douglas gehörigen Schlosse Langenstein,eine Stunde von der Eisenbahnstation Nenziugen beiStockach (Baden), befinden. Die Scheiben sind hoch-interessant nicht allein wegen ihrer Schönheit, sondernauch wegen ihrer Technik und ihrer Herkunft.
Um gleich bezüglich ihrer Provenienz das Nöthigezu sagen, ist es schon kunstgeschichtlich von hohem Inter-esse, constatiren zu können, daß es meistens Kirchenfensterwaren, welche einstens in der Karthänser-Kirche zuKlein-Basel standen, das bekanntlich bis 1802 zumBisthnm Konstanz gehörte und welche von elsässtschen,Baseler und Breisgauer Adelsfamilien ge-stiftet worden sind. Als die Bilderstürmer in Basel 4527—29 diese Kirche protestantisch machten nnd dieAltäre herausschafften, haben die genannten Adelsfamilienund Stifter diese Fenster aus der Kirche herausgenommenÜnd sie nach der hochberühmten Benediktiner -Abtei St.Blasten im Schwarzwald transportiern lassen. Dortwurden sie wieder als Kirchenfenster eingesetzt und aber,stm paffend verwendet werden zu können, an den Ränderngestutzt, während die Figuren selbst bis auf einzelne.Scheiben vollständig intakt geblieben sind. Später kamensie auch wieder aus dieser Kirche heraus und wurden,jedenfalls seit 1698, auf dem Speicher des St. BlasianerGymnasiums aufbewahrt. Dort wurden von Studentendes Gymnasiums vielfach ihre Namen in die schwarz-schattirten Theile der Figuren und Umrahmungen, aller-dings ganz klein und für die Ferne unsichtbar, einge-
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Ein Meginhart wird in Brixener Urkunden unterBischof Album als Vogt des Stiftes Brixen aufgeführt,f. Resch a. a. O. v. 83 und 36; vgl. v. 47, 48, 58. Er istwohl identisch mit jenem Meginhard von Giltichingen,der im I. 1011 ein von Graf Ernst und dessen GattinAdelheid an Kl. Tegernsee geschenktes Gut m iprentasl-- LrenS südl. von Sterzing ) für sich beanspruchte, s. Ll.V. 6 S. 9 f. Oefele, Gesch. d. Gr. v. Andechs S. 12 u. 4;vgl. Obb. Archiv Bd. 34 Nr. 69. 102, 121, 181.
V Vergl. Ueorolos. s. Luäb. Salisd. zum 18. Juni(dl. T Aoerol. Sonn. U, 1. 144, XIV Kai. (ckul.) Ratxotoob.: Roorol. vissssnss zum 19. Juni (a. a. 0.1.20)lal.) Rsrs oow. ob. cmj osuobiuw in V7orcks
k: Oefele. Gj" '
d. Gr. v, Andechs S. 12 v. 3;
kritzelt. Die älteste dieser Einkritzeluugen trägt die Jahres-zahl 1698. Nach der Aufhebung der Benediktiner -AbteiSt. Blasien 1807 kamen die Glasgemälde nach SchloßLangenstein, blieben aber hier unbeachtet bis in dieneueste Zeit in einem Gelasse stehen.
Wir wollen die Scheiben in der Reihenfolge be-sprechen, wie sie zusammengehören, und es lassen sich dannfünf Serien unterscheiden.
1. Die erste Serie hat zur Darstellung die Kreuzi-gung Christi, ein sogenanntes Misericordienbild und einemator äolorosa.
Die Kreuzigungsgruppe ist in drei Abtheil-ungen gegeben: das Mittelfenster enthält Christus amKreuz, dessen Fuß von der hl. Magdalena umfaßt wird,die wehklagend zum sterbenden Heiland hinaufschaut. Alsweitere Persönlichkeit in dieser unmittelbaren Nähe desKreuzes sehen wir die zwei Kriegsknechte, von denen dereine, Longinus , die rechte Seite des Herrn öffnet, derandere, Stephaton, ihm den mit Essig gefüllten Schwammreicht. Oberhalb des Kreuzes lesen wir die Inschrift:Hoäis meouin eris in xaraäiso. Die beiden Seiten-theile zeigen die zwei Schacher, deren Kreuze etwasniedriger und ll'-förmig gestaltet sind; sie sind nicht wieChristus an das Kreuz angenagelt, sondern ihre gewalt-sam verrenkten Glieder sind mit Stricken angebunden nndzwar in der Weise, daß die Querbalken zwischen demRücken und den Händen hindurchgehen. Der rechteSchächer wendet flehentlich sein Angesicht dem Heilandezu und ruft, wie die große, von seinen: Haupte aus-gehende Vandrolle besagt, die Worte aus: memontonaei Vviuins 8i vanaris in koZnuin 7'num. Untensteht, aufblickend zu ihrem sterbenden Sohne, die heiligeJungfrau mit Johannes, der selbst in tiefster Betrübnißdoch in zartester Weise für ihre aufrechte Stellung be-sorgt ist. Das Fenster zur linken Seite des Herrn hatden verzweifelnden Schächer, der seinen Blick vom Er-löser abwendet, den Typus der verstockten Sünder; erruft eben die Worte aus: si tu es Lllristus salvn uoset ts. Unten sieht man den heidnischen Hauptmann inritterlicher Rüstung zu Pferd, der betheuernd ausruft:Vers Äius cisi ernt iste, während auf dem Bodensitzend oder knieend eine Gruppe von Kriegsknechten umden Rock des Herrn würfelt.
Die zweite Darstellung dieser Serie zeigt einen so-genannten Schmerzensmann oder, wie das Sujetauch genannt wird, ein Misericordien- oder Erbärmde-bild. Das Mittelalter hat nämlich, außerdem daß esden Heiland in den verschiedensten Phasen seines Leidensabgebildet hat, noch ein Bild erfunden, in welchem wiein einem Compendium die gesammte Passions- und Todes-geschichte des Heilandes gleichsam noch einmal zusammen-gefaßt nnd in einem Bilde dargestellt wird. Wirkönnten es das Porträt des leidenden Heilandes nennen.Dieses Porträt kehrt in verschiedenen Variationen wiederund war besonders im Mittelalter, aber auch noch bisin .die neuere Zeit beliebt. Das Bild ist dem Laasdoiuo! in mehrfacher Hinsicht ähnlich, aber nicht mit ihmzu verwechseln. Man sieht auf ihm Christus mit denWundmalen, entweder im Mantel frei oder am Fuße desKreuzes oder in halber Figur im Grabe stehend, dieHände übereinander gelegt oder auf seine Seitenwnndezeigend, umgeben von den Marterwerkzeugen. Hier sehenwir ihn mit ausgebreiteten Armen vor dem Kreuze stehend,an dessen Querbalken die Eeißclwerkzenge hängen. Erträgt die Dornenkrone, und in seinem Angesichtc erkennen