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und Laeu Lsliois schon 509 oder 511 unsererZeitrechnung von Grund aus zerstört waren,°°)hat die Auffindung derselben bisher unmöglich gemacht,wir dürfen jedoch hoffen, daß es den Bemühungen unsererlieben Freunde in Oesterreich nunmehr gelingen wird,volles Licht hierüber zu verbreiten.
Sind Eugipps und unsere Berechnungen über dieeinstige Lage von Lavianis und Laviaua richtig, dannmuß sich auch burgum, welches bald l, bald V vullspassus davon entfernt gewesen sein soll?*) etwa in derBurg, welche im Jahre 370 Lorcherhilfstruppen in Jpserrichtet haben, oder in Kolmizberg bei Ardagger , welchesdie Römer ohne Zweifel wegen seiner dominirenden Höhemit einer Hochwarte (Burg) versehen hatten, oder in denBurgruinen am Schwall, Wirbel und Strudel wiederauffinden lassen, Lä vineas mag in Weinzierl beiWieselburg und der Bach Oiountia (Ugantia) entwederim Tiefenbach oder in den Diffenbächen wieder erkanntwerden; die Residenz der Rugenkönige wird manim Schloße zu Grein (Greinburg) vis-a-vis vonLaviaua zn suchen haben. (Nonasterii parteilosoüstante Vavudto von xotnit Lriäorious traus-kerrs 61m. 12104 pa§. 89 oap. 45; in 61m. 18512/2von Tegernsee ist in oap. 45 pag. 78 r. abstaute demWorte vanubio überschrieben.)
Dem Gesagten zufolge wird es wohl einem Jedenklar geworden sein, daß sich von den Hypothesen, welchedie Gelehrten bisher für Laviana auf die Bahn ge-bracht haben, keine einzige halten läßt, weil jede der-selben den bestimmten Angaben des Eugippius/ *) derNeichsnotiz und den Militärstraßenverzeichnissen der Römerwiderspricht. Laviava kann nur an einer gefährlichenStelle des Donaustromes angesetzt werden, weil dieLiburnarierabtheilungen des römischen Heeres an solchenVerwendung gefunden haben. Eine sehr gefährliche, jadie gefährlichste Stelle an der Donau hat sich abervor den Felsensprengungen des Jahres 1791 in der Nähevon Grein befunden, und hier waren deßhalb die Barkender Liburnarier von Nöthen und die Flotillenanstaltenin der civitas Laviava von den Römern getroffen,wofür eine gediegene Lokalforschung bald die erforder-lichen Nachweise liefern wird.
Ich gebe übrigens gerne zu, daß erprobte Forscherauf dem Gebiete der Alterthumskunde in Oesterreich be-achtenswerthe Gründe dafür beigebracht haben, daßLaviauis in Mautern » Krems gegenüber,schon aufgefunden sei,**) allein überzeugend sind
2 °) Vita b. 8ov. o. 40 in Kue.
") Kerschbaumer, Saupve und Knüll lesen uvo akabiauis üistsos milliario. Weiser hat: guin-ue a I'avianiL äistans inilliarits. Derselbe liestier abweichend von den neuen HyperkritikernSauppe und Knüll: „gnoä kurzum onxiäumappsltatur ab aevolis". JstbeiburAuiumitMommsenan Jps selbst zu denken 6. I. I-. III, 687 u. 688) unddie dortige Burg, dann wird Weiser m jeder BeziehungRecht behalten. La§ipxin8 Vita b. Lev. cax. 4; Weiser1. o. p. 640.
") Vielleicht ist sogar die von Eugippius in eax. 4gebrauchte Stelle aus der hl. Schrift (Matth. V. 14, 15),,ueo in monte xosita civitas xossit abseovcli" eine An-spielung auf die Höhenlage von b'aviauis (oastra b'aviana)oder wenigstens des dortigen Klosters.
b°) So auch Dr. Kenner folgend die schöne Jubiläums-Ausgabe „Aus Alt-Krems", herausgegeben vom städtischenMuseum Krems 1895 S. 4 u. 5. Vergl. hiezu I'avianisvon Dr. Friedrich Kenner (Bericht des Alterthumsvereiuszu Wien Bd. 19 S. 49 sf.).
diese Gründe nicht, und die Angaben Eugipps und seinerGewährsmänner, eines Luoillus aus Latavisund Uaroianus aus 6ueuI1is (Kuchel bei Salz-burg), welche beide Aebte und Nachfolger Se-verins und mit Eugippius norische Einge-borene gewesen sind, vermögen sie nicht zu er-schüttern.
Die vita beati Lavermi hat für die Geschichteüberhaupt und für diejenige Bayerns und Oesterreichs insbesondere unschätzbaren Werth, das Verständniß der-selben läßt aber trotz der vielen Bearbeitungen aus alterund neuerer Zeit, ja gerade wegen der neuesten Ver-arbeitungen noch sehr Vieles zu wünschen übrig.
Man hat Severin den Apostel der Noriker ge-nannt. Er war dieses jedoch nicht, und weder er selbstnoch sein Biograph haben Anspruch hierauf erhoben?*'Severin war der Vorläufer des hl. Nupert, des wirk-lichen Apostels der heidnischen Ba karrn aus Laras(al. bo^as beim Kosmographen von Ravenna nach Pinderund Parthey, Berlin 1860 pa§. 213, 7), welche zurnämlichen Zeit, da Eugippius das Oommomoratoriumseines Lehrers schrieb, nach Norikum und dem zweitenNätien unter dem Thüriugerfürsten Hermanfried zurück-gewandert waren (509/11 p. 6.). Sehr erwünscht wärees allerdings gewesen, wenn das Uamoratorium oder6ommemoratorium nicht bloß von dem Ordens-manne Eugippius, sondern auch von einem Laien^)bearbeitet und abgefaßt worden wäre; wirdürfen übrigens dankbar dafür sein, daß uns wenigstensder Severin des Eugippius (wenn auch vielfach inter-polirt und gefälscht) ^) erhalten blieb. Hiernach war dertheuere Gottesmann ein höchst einflußreicher, gelehrterMissionär, ein Prediger der socialen Gerechtigkeit undder christlichen Nächstenliebe, insbesondere aber ein as-ketischer scharfer Vertheidiger und treuer Bekenner derkatholischen Weltanschauung gegenüber dem alten Heiden-thume und dem Arianismus der gothischen Völkerfamilie,ja derselbe ist gerade in unseren Tagen wieder dergrößten Beachtung deßwegen werth, weil sich das mo-derne Hcidenthum, der Arianismus in verhüllter Gestalt,ein theilweise verkehrter Socialismus und die Genuß-sucht unter den Gebildeten immer breiter zn machenstrebt und die Gesellschaft Zuständen entgegenzutreibenscheint, wie in den Tagen Severins und der Völker-wanderung.
Ich habe eine neue Ansicht über des allge-mein verehrten Gottcsmannes Hauptklosterzu Laviana deßhalb vorgetragen, weil die Gelehrtendasselbe wie einen Spielball an der Donau hin und hergeworfen haben und weil ich über die zahlreichen Fälsch-ungen, welche in allen Jahrhunderten an der vita bsatiLovorini vorgenommen und verübt worden sind, neueEnthüllungen in Aussicht stellen kann.
Berichtigung.
In Beilage Nr. 34 S. 241 drittletzte Zeile von untcvist statt Krenner Kenner zn lesen.
^) Norikum war lange vor Severins Ankunft einvollständig bekehrtes Glied der kath. Kirche.
^) Wie es ursprünglich beabsichtigt war. Vergl.Vpistola DuZixxü aä kaskasiuin Oiaconum.
°°) Wir werden oft Gelegenheit haben» auf das ge-lammt e H a n d s ch r i s t c n m a t e r i a l zurückzukommen.