Ausgabe 
(29.7.1897) 43
 
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V

Senatorposten beschränken, und in, Uebrigen möge ihnder liebe Gott in seine» Schich nehmen. Der Erz-halunke Fonchö der Fürsorge des lieben Gottes em-pfohlen, und zwar von einem Napoleon, das ist derGipfel der Ironie. An Savary, der Fonchö auf demPosten des Polizeiministers ersetzt hat, schreibt der Kaiser,der sich inzwischen von Joscphine hat scheiden lassen: Ichhöre, daß in den Zeitungen, die sich übrigens mit aller-hand Dingen beschäftigen, die sie gar nichts angehen,von Josephine Bcauharnais, geborenen La Pagerie, dieRede ist. Ermitteln sie Diejenigen, welche sich einer sounpassenden Ausdrucksweise bedient haben, die Betreffen-den sollen streng bestraft werden.

Auf die Zeitungen hatte Napoleon ein besondersscharfes Augenmerk. Am Vorabend seiner Hochzeit mitMarie Lonise schrieb er an Fouchü: Wachen Sie darüber,daß die Blätter keine der Ansprachen drucken, die an dieKaiserin gehalten werden, bevor Sie dieselben durch-gesehen haben. Die Ansprache, die in Bar-sur-Ornainan sie gerichtet wurde, ist Heller Unsinn!

Ein Brief Napoleons I. an seinen Bruder denKöttig Hicronymus von Westfalen vom 17. Juli 1809lautet:Ich habe einen Tagesbefehl von Ihnen (vous)gesehen, der Sie zum Gelächter Deutschlands, Oester-reichs und Frankreichs macht: Haben Sie denn keinenFreund bei sich, der Ihnen gelegentlich die Wahrheitsagt! Sie sind König und Bruder des Kaisers, das istwahr, aber das sind für den Krieg lächerliche Berechtig-ungen. Man muß Soldat sein, Soldat und nochmalsSoldat; man braucht weder Minister, noch ein diplomat-isches Corps, noch Pomp; man muß an der Spitze seinerVorhut biwakiren, muß Tag und Nacht zu Roß bleiben,muß mit der Vorhut auf den Nachrichtendienst ausgehenoder in seinem Serail bleiben. Sie führen Krieg wieein Satrap. Haben Sie, bei Gott, von mir dies ge-lernt, von mir, der ich mich mit einer Armee von200,000 Mann stets an der Spitze meiner Plänkler be-funden? Was ist geschehen? Man ist aufgebracht überSie; Kniemahcr hat mit 12,000 Mann sich über Sielustig gemacht, über Sie und Ihre lächerlichen Anmaß-ungen. Sie haben viel Eigendünkel, wenig Geist, einigegute, aber durch Ihre Geckenhaftigkeit beeinträchtigteEigenschaften, eine außerordentliche Einbildungskraft, undes fehlt Ihnen das Maß der Dinge. Hören Sie dochauf, sich lächerlich zu machen; senden Sie das diplomat-ische Corps nach Kassel ; lassen Sie das Gepäck demTrain, und begnügen Sie sich mit Ihrem Tisch. GehenSie in den Krieg wie ein junger Soldat, der ruhm-bedürstig ist, und bemühen Sie sich, den erreichten Rangund die Achtung Frankreichs und Enropa's, die Sie be-trachten, zu verdienen; und vor allem haben Sie dochGeist genug, um angemessen zu sprechen und zuschreiben."

Wie man sieht, paßt auf Napoleon und seineFamilie der bekannte deutsche Kalauer:Er fürstcte dieBürstenbinder und bürstete die Fürstenkinder." Seineübrigen Verwandten kamen nicht besser als Hicronymusweg. Ganz besonders hatte er es auf den VaterNapoleons III., den König Ludwig von H olland,abgesehen.Ich bin erstaunt," so schrieb er ihm am5. November 1806,daß Ihr Königreich nur 6000Mann Infanterie nnd 4 Schwadronen aufbringt. Dasist lächerlich. Es fehlt Ihnen die große Manier." Nndam 21. September 1809:Ich bedanre stets, Ihnenein Königreich gegeben zu haben, das Sie nur benutzt

haben, um meinen Feinden zu helfen und Frankreich zuschaden." Höchst entrüstet war Napoleon darüber, daßLudwig sich gestattete, den Adel wiederherzustellen.Wiekönnen Sie als französischer Prinz Ihre Eide verletzen,nachdem Sie geschworen, die Gleichheit unter den Völkernzu wahren! Ich will daher an diese Nachricht nichtglauben." Ein Jahr später aber scheint Napoleon sichdarein schon geschickt zu haben; dagegen verbietet er ihm,Fürsten zu ernennen.

In einem Schreiben vom 6. Mai 1808 heißt es:Ich lese in den Zeitungen, daß Sie Fürsten ernennen.Die Könige haben nicht das Recht, Fürsten zu ernennen;es bleibt das der kaiserlichen Würde vorbehalten. FallsSie einen Adel einrichten, so können Sie Grafen, Barone ,Marquis und Herzöge schaffe», obgleich ich dies inHolland , wenn diese Titel nicht früher bestanden, fürüberflüssig halte; aber Sie können keinen Fürsten er-nennen. Sie würden mich sehr verdrießen, wenn Siedies thäten. Meine Einrichtungen sind nicht dazu da,um lächerlich gemacht zu werden. Ich selbst habe keineFürsten geschaffen, ohne ihnen ein Fürstenthum zu geben.Der Fürst von Poutecorvo hat ein unabhängiges Fürsten-thum; der Fürst von Neuschatel, der Fürst von Benevent haben unabhängige Fiirstcnthümcr; Cambacercs, Lebrunsind Fürsten als Großwürdcnträgcr des Reichs; aber dieGroßwürdenträger einer einfachen Königskrone sind keineFürsten. In Italien , dessen Bevölkerung dreimal sogroß ist als die Hollands , habe ich keine Fürsten ge-schaffen, ich habe nur Großwürdcnträgcr ernannt, die denRang einfacher Würdenträger besitzen. Wenn Sie aufIhrer Absicht bestehen, so werde ich öffentlich diese un-geheuerlichen Neuerungen in Abrede stellen. Was hatübrigens auch der Admiral de Winter gethan, um eineso hohe Auszeichnung wenn Sie sie verleihen könnten zu verdienen! Sie haben Marschälle geschaffen, dienicht das, was meine Brigadcgeneräle gethan, geleistethaben! Um Gottes willen, machen Sie sich doch nichtallzu lächerlich!"

Mit großer Wuth verfolgt er die Frau vonStaöl; sie ist ihm eine elende Frau, eine Schurkin;und als er vernommen, daß der Prinz August vonPreußen gegen ihn in Berlin zettelt, bemerkt er sa-tirisch:Das wundert mich nicht» denn er hat keinenGeist. Er hat seine Zeit mit dem Knrmachcn bei derFrau von Staöl verloren und dabei nur schlechte Grund-sätze eingesogen. Sagen Sie ihm, daß ich ihn bei derersten Gelegenheit in ein Schloß einsperren nnd ihm dieFrau von Staöl zum Trost schicken werde." Gleich derFrau von Staöl waren ihm auch sonst die Schrift-steller und Journalisten verhaßt; letztere wollte erunbedingt nach seiner Pfeife tanzen lassen. Er nanntesie Canaillen und Schurken und bedrohte sie mit Festungs-haft auf der Insel Saint-Marguerite.Jeder Zeitungs-redactcur", so schrieb er,muß wohl oder übel ein Be-amter sein ... Ich schicke Ihnen (an Fonchö gerichtet)eine Nummer derGazette de France", ivo Sie einenneuen Artikel aus Berlin finden. Ertheilen Sie nachEmpfang meines Briefes den Befehl, den Redacteur insGefängniß zu werfen, und ernennen Sie einen andernan seine Stelle." Spaßig geradezu ist seine Behand-lung der Schauspieler. Im Jahre 1807 schrieb eran Fonchö:Ich sehe, daß der Fay benamsete Mime(stistricm) von dem Präfektcn als Intrigant nnd gefähr-sicher Störenfried bezeichnet wird. Falls sich dies ausseine politischen Meinungen bezieht, so lassen Sie ihn fest-