Ausgabe 
(29.7.1897) 43
 
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.lehmen und peitschen, wie es eine solche Canaille ver-dient, wenn sie sich in wichtige Sachen ciunnscht." Fürdie auswärtigen iu PariS beglaubigten Diplo-maten hat er nicht die geringste völkerrechtliche Achtung;dagegen geräth er über die kleinste Zurücksetzung seinerauswärtigen Diplomaten sofort in den Harnisch.WerfenSie doch dieses Vieh (animnl) aus Paris herausschrieb er bezüglich des Vertreters Preußens , meinePolizei kennt keine Botschafter. Ich bin Herr in meinemHanse. Wenn mir jemand verdächtig wird, lasse ich ihnfestnehmen. Ich würde selbst den österreichischen Bot-schafter verhaften, wenn er gegen den Staat etwasanzettelte."

Recensionen und Notizen.

Eine Volksheilige.St. Kumernuß". Von Frid.

Plant.

-r. Tirol hat vor anderen deutschen Gebieten denVorzug, daß Land und Leute. Sitten und Bräuche, Bergund Thal, die mannigfaltige Ortskarte mit ihren Palim-psesten von Einheimischen und Fremden in eingehendsterWeise beschrieben sind. Rätier, Kelten, Romanen undDeutsche, Slaven im Pusterthal und Wälsche, von Alaund Rovcreto (dem Eichwald robnrotum) immer nördlicherdringend, haben nach und neben einander in dieser Berg-ivclt Besitz ergriffen. Diese Volksvereinigung hat geradezur Sprachforschung Anlaß gegeben, und Dr. Steub hatdie Rätier als Stammverwandte der Etrurier lokalisirt;seitdem sind freilich manche Sprachwurzeln als keltischerwiesen worden. Auch das Religionsstudium ist hierlohnend; so haben die bäuerischen Einwanderer, da sienoch Heiden waren, iu Meranfen den Dienst der dreiNormen hinterlassen, der Jahrestöchter und Schicksals-mächte in aller Welt. Nicht weniger interessant ist dieurweltliche Verehrung derheiligen Kttmmerniß", jenergekreuzigten, bärtigen Jungfrau, welche der Predigt vomGekreuzigten nicht wenig Vorschub leistete, den Bollandistenaber völlig unverständlich blieb. Sie machten sich nichtklar, daß im Rcligionsgebiete'uichtS untergeht und mancheerhabene Gestalt der Vorzeit nicht bloß im Volksmunde,sondern selbst kalendarisch fortlebt. Allerwärts iu Deutsch-land ist ihr Bild verbreitet, in Kirchen und Klöstern so-wohl in Freskobildern als Tafelgemälden erhalten, ammeisten aber in Altbayern und Trrol. wo das Volk diegrößte Anhänglichkeit an die Religion bewahrte. Pros.Sepp widmete derselben in seinem Sagenschatze nichtweniger als hundert Seiten, und hat zuvörderst linguistischdie Aufstellung gemacht, daß mir Deutsche ihren Namenuns nur sprachlich mundgerecht machen wollten. Es stehtwie mit Pontifcr, welchen man sich als Brückenschlägerverständlich machte (Lasaulx) und doch ist der Konsonantnur eingeschmuggelt für Potifer. Oberpricster, wie inMongolen, Ungarn für Mogolen, Ugaern. Im ägyptischenSais trug die Weltmutter, nach Bildwerken gleichfallsandrogyn den Beinamen Komre. Wie man an ihremBilde las:Meinen Schleier hat noch niemand gelüftet,und die Frucht, die ich geboren, ist Sonne geheißen," sostellt sie auch dem Namen nach sich als vorbildliche Jung-frau dar. Kumari heiß im Sanskrit die Vir^-o virZstnum,Aadi Kumari, das erste Weib, war ein Beiname derParvati. Sie, die Weltseele, hat zum Geaenbild denKriegsgott Knmara, nach welchem, wie nach der kimmer-ischen Jungfrau, sich die Kimmerier. Kimbern nndbreton-ischen Kymri nannten, eigentlich Jünglinge. Das Kriegs-volk wird mit RechtKinder" angesprochen, es ist griechischnach Ion, türkisch Jani ivkans, wie Janitscharen undunsere Infanterie benannt. Doch das sind alte Geschichten.Kumari (bei Hesychius Kimmeris) tritt uns hier als Kriegs-und Amazonengöttin näher, ihr Dienst verbreitete sich imganzen Abendlande und ist reichlich bei Romanen, Deutschen und namentlich Belgiern nachweisbar: es gibt unzählbareOrte, welche ihr Bild mit dem Geiger (Apollo) zu Füßenbewahren, und wo immer ein solches sich findet, verdientes die höchste Beachtung. Unser Freund FridolinPlant hat nun in Tirol Umschau und Suche gehalten.

wo die Virago mit dem goldenen Schuh noch bis vorhundert Jahren nachgemalt wurde. In Lukka wird Vvltossoto auf deu hl. Lukas zurückgeführt. Kein Museumsollte so ein entbehren, es gibt deren in Stein und

Holz, immer mit der gleichen Legende und dem NamenKumeraua, Ontkomera. Sie ist die Llater ctolorosa desAlterthums und führt uns in die älteste Neligionsgeschichteein. Dieheilige Kümmerniß" ist keine Elementärgestalt.etwa Gewittergöttin, sondern kosmisch zu fassen, aber manmuß es im Zusammenhang der Sprachen, der überein-stimmenden Mythen und der Religionsgeschichte verstehen.Obige Broschüre ist in Meran im Verlage des HerrnVerfassers erschienen und dürfte nächstens eine neue Auf-lage erfahren.

ll°bo besait Rotation» ocl. b^ K. O. IN wate».

Vol. I. 18 8b.

s. Unter diesem Titel zeigt das Verlagsgeschäft vonM. Spirgatis in Leipzig (Marienstr. 23) im Februar-Berichte d. Js. überneue Orientalin" eine für die Mis-sions- und Ordensgeschichte sehr wichtige Publikation an.Es handelt sich um die Wirksamkeit der Jesuiten inAmerika: kein Abschnitt der Geschichte Amerikas ist be-deutender, als der. in welchem die Jesuiten mit ihrenReduktionen" ein staatsbildendes und volkswirthschaft-tiches Talent ersten Ranges bewiesen haben. Je schwererzugänglich, je zerstreuter das Quellenmaterial ist, ausdem geschöpft werden muß, desto dankbarer müssen wirfür diese Arbeit sein, die zugleich eine glänzende, unver-dächtige Rechtfertigung des viel geschmähten Ordens seinwird. Der Jesuit war in den wilden und nnwirth-lichen Gegenden Canadas und Nordamerikas Forscher.Missionär und Pionier der Cultur -, noch mehr, er warauch ein liebevoller, gewissenhafter und ausdauernderGeschichtschreiber. In der Reihe herrlicher Briefe, worindie gottbegeisterten Vsrkünder des Evangeliums ihreMühen und Hoffnungen ihren Angehörigen, vor Allemihren Ordensoberen mitgetheilt haben, findet der heutigeGeschichtsforscher werthvolle historische, geographische undkulturgeschichtliche Angaben. Das Werk. welches allesAuffindbare sammeln will, wird in der GeschichtskundeAmerikas seines Gleichen nicht haben und einen Mark-stein für alle Zukunft bilden. Es wird 60 starke Bände(Preis je 18 8b.) umfassen, die einzeln nicht verkauftwerden: jährlich sollen drei bis vier Bände erscheinen,die durch oben genannte Leipziger Buchhandlung zum an-gegebenen Preise bezogen werden können.

Brechten Marga. Franz von Wenden: Novelle(Dasbach's Novellenkranz. Bd. 30). Trier , Paulinus-Druckcrei, 1897. 8°. 190 SS. M. 0.75; geb. M. 1,00.

Wohl die schönste und spannendste Novelle, die Das-bach's Novellenkranz eingefügt wurde, istFranz vonWenden". Am Krankenbette des Banquiers Brunn lerntder junge Arzt Franz von Wenden dessen Tochter Elmakennen und heirathet sie. Während der Hochzeitsreisefallirt sein Schwiegervater, stirbt und läßt das jungePaar ohne Vermögen, angewiesen allein auf die kümmer-liche Praxis des Arztes, zurück. Ein Mißverständniß.Folge von Eifersucht, entzweit die liebenden Gatten.Während Franz seine Gemahlin verläßt, nm in England eine Erbschaftsangelegenheit zu regeln, und in ihrer Ab-wesenheit nach Haus kommt, findet er ein Briefchen einesjungen Mädchens an seine Frau vor, das er aber durchEifersucht geblendet von seinem Nebenbuhler geschriebenglaubt. Schnell verläßt er das Haus und reist nachBerlin , wo er sich als Professor Almhaus niederläßt.Während 10 Jahren hofft die unschuldige Gattin, nimmtden Sohn einer sterbenden Wittwe an Kindesstatt an,und ist es diesem vorbehalten, die entzweiten Herzenwieder zusammenzubringen. Joseph Lehrbach, so heißtder junge Mann. wird Arzt in Berlin , trifft und be-freundet sich dort mit Professor Almhaus und erzähltihm von der Liebe seiner Pflegemutter zu ihrem ver-lorenen Gatten. Der Weihnachtsabend vereinigt Franzand Elma wieder. Das eifersüchtige Mißverstündniß istgelöst, lind Glück und Friede ziehen endlich wieder in dieHerzen der Kämpfendeu ein.

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg, Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .