Thuruuvächtcr vorzustellen, später waren sie dann über-haupt die Stadtmusiker ex oltisio. Aber auch dieKirchenmusik stand in unserer Periode im Flor,wobei allerdings wieder die „Thurner" besonders mit-wirkten, aber es gab damals außerdem auch einen eigenen„Chorregcnt" und einen „Organisten". Für die Tanz-und improvisirte Wirthshausmusik war man gewöhnlichauf ein paar Geiger oder Pfeifer auf der „Schwegcl"(das erste Stadium der Klarinette) angewiesen. — Merk-würdiger Weise ist niemals die Rede und gar kein An-haltspunkt gegeben in dieser ganzen Periode von hundertJahren — über Volkslieder oder überhaupt nurüber den Gesang. Dürfen wir daher annehmen, daßman dortselbst das sogen. „Ansingen" durch Trutz- undSpottliedcr, wie dies heute im Gebirge üblich, nichtübte? Denn bei der damaligen Empfindlichkeit gegenBeleidigungen wäre vielleicht in den Verhandlungenwährend dieser 100 Jahre doch irgend einmal davondie Rede.
Das Wirthshausleben war ungefähr in derselbenWeise ausgebildet wie heute, nur mag gesagt werden,daß es in früherer Zeit mehr „Weinschenken" gab wieheute, in denen besonders „Oetsch"- und „Oster"-Wein zu haben war (Oster-Wein — österreichischer Wein),denn die Zeit des „Bayerweins", wo man wie inso vielen altbayerischen Orten auch in Non Weinbergeunterhielt, war längst vorüber, ohne daß Jemand sichdarnach wieder zurückgesehnt hätte.
Die Schuld erhältnisse waren durchaus nichtungenügende, denn es gab damals in Ncichcnhall einenlateinischen und zwei deutsche „Schnclhaltcr", denen sichdann noch ein dritter anschloß, während auch der „Kaplanam Salzbrnnn" die Kinder der „Offiziers" (d. i. derSalinenbeamtcn) und der „Salz Aerzt Leute" zu unter-richten und besonders ihnen „Katechismnsstnndcn" zugeben hatte — es gehörte dies zu seiner Dienstobliegcn-heit. — Als Beweis von der damaligen Bildung möchteangeführt werden, daß im Jahre 1721 noch der Ober-schreiber beim Gericht, der Kammerdiener des Prälatenvon St. Zeno, der Chorrcgent von Reichenhall und einStudent in einem Gasthause einen lateinischen Dis-put hatten, der sogar zu einer Gerichtsverhandlungführte.
Auch Kuust und Kunstgcwerbe waren in Neichcn-hall nicht fremd; 1696 bezahlt laut Steuerbüchern „derBildhauer Hans Schwaiger von Neichenhall" seineSteuer, und ebenfalls zu Ende des 17. Jahrhundertsbegegnen uns dortselbst Joseph Plaimb und Martin Peck,die Maler, und 1733 baute Andreas Mitterreither vonNeichenhall die Orgel in der Salinenkapclle dortselbst.Verschiedene Techniker und technische Institute(Kunstschlosscrci) waren durch die Saline von selbstbedingt.
Die Verkehrsmittel waren für die damaligeZeit genügende; gute Straßen führten nach allen Richt-ungen hin und Neichenhall selbst hatte eine Poststationmit einem „Postmeister " schon seit Ausgang des 16. Jahr-hunderts.
So sehen wir denn in diesen „Vcrhörsprotokollcn"em nicht unerfreuliches Bild eines Gemeinwesens da-maliger Zeit entrollt und eines ganzen Gcrichtsbezirkes,dessen „Unterthanen", recht und schlecht, wie sie ebenwaren, im großen Ganzen, wenn auch natürlich mitFehlern behaftet, doch ehrlich, bidcrb und gottesfürchtigvor uns erscheinen.
Neceusioneri und Notizen.
* Der durch eine Reihe streng wissenschaftlicher Forsch-ungen und Arbeiten rühmlich bekannte Franziskaner-Pater H. Anton Hammerschmid, Lector der Philo-sophie und Theologie in Tölz , hat jüngst ein höchst ge-diegenes botanisches Werkchen herausgegeben, welchemaus Fachkreisen sofort die wärmste Anerkennung zu theilwurde. So äußert sich darüber der kgl. Ncallebrer fürChemie und Naturwissenschaften, Sr. Christ. Kestler, irrnachfolgender Weise: „Mit der soeben iin Hochnedcr'schenVerlag zu Landshut erschienenen „Excursions - Florafür Tölz und Umgebung, Walchensec, Kochel-see, Tegernsee, Schliersee und die angrenzen-den bayer. Alpen " von Ant. Lammerschmidliegt ein nicht nur dem Fachmann durch seine gründlicheund gewissenhafte Durchführung stnpouircndes, sondernauch dem Touristen und Laien wegen seiner Uebersichtlich-keit, Genauigkeit, leichten Faßlichkeit und Handlichkeithochwillkommenes Werkchen vor uns. Der Verfasser hatmit unermüdlichem Fleiße und zäher Ausdauer seitJahren die Standorte der Pflanzen in der erwähntenGegend erforscht, und sind Belegexemplare hiefür in Her-barien niedergelegt. Man hat also hier das Produkt ehr-licher Arbeit vor sich. Die Standorte der einzelnenPflanzen sind in dem Büchlein in genauester Weise an-geführt. Die Bestimmungstabellen zeichnen sich durchgroße Klarheit und Einfachheit aus und sind auf ihreBrauchbarkeit erprobt. Unter anderem ist die dem An-fänger so unangenehme Bestimmung der Pflanzen nachden Früchten fast ganz vermieden, ebenso ist die Nomen-klatur höchst einfach, und ist außerdem dem Werkchen nochein erklärendes Verzeichniß der botanischen Begriffe bei-gefügt. Auch eine Tabelle zur Bestimmung der ÄäuMeund Sträucher nach dem Laube, sowie eme solche fürdiejenigen Pflanzen, welche selten blühen oder derenBlüthen sehr klein und schwer erkennbar sind, fehlennicht. Die in kleinerem Druck vorgenommene, in denFloren meist schmerzlich vermißte Aufführung der häu-figeren Zierpflanzen erhöht den Werth des Buches. Kurzund gnt, das Büchlein ist jedenfalls eines derbesten seiner Art und ist jedem Naturfreund, derin die Berge wandert und der „schönen Wissenschaft"nicht abgeneigt ist, um so mehr aufs wärmste zu em-pfehlen, als es auch für andere alpine Gegenden brauch-bar erscheint und sich auch für den Anfäimcr und denDilettanten wegen der schon geschilderten Vorzüge zumBestimmen der Pflanzen in ganz hervorragenderWeise eignet. Möge diese neue Flora der Wissen-schaft recht viele neue Freunde zuführen, möge sie ins-besondere auch in Fachkreisen die Beachtung finden,die das Werk in vollem Maße verdient." — Einanderer hervorragender Botaniker, Hr. Dr. H. in M.,schreibt uns über die „Flora" Hammerschmids u. a.: „Wasmir besonderes Vergnügen macht, ist. daß die Arbeitwirklich aus den Händen eines Berufenen her-vorgegangen ist und allerseits auf der Höhe der der-zeitigen siistcmatischen Forschung steht. Daß die fleißigeund gewissenhafte Arbeit auch von fachmännischer Seitegünstig beurtheilt werden wird, bezweifle ich keinen Augen-blick." — Der Preis des fein ausgestatteten und. sehrhandlichen Werkcheus beträgt sinn 3 M.
Die geistige. Bewegung im Anschluß an dieThoinas - Eucuklika Leo 's XIII. vorn 4. August1879. Von Dr. ü. Thomas M. Wehofcr o. krasä.Professor am Oolleuüun äivi llbonmo äs Urbo inRom. Wien 1897, Leo-Gesellschaft. 8°, 20 SS.
K Der Vortrag bildet eine der Abhandlungen ausdem Jahrbuch der Leo-Gesellschaft. In kurzen Zügenverbreitet er sich sicher Ziel und Beweggründe undpraktische Durchführung der Ncnbclebung der thomistischenPhilosophie, wie solche das päpstliche Rundschreiben an-gibt. Darauf werden die schönen Erfolge der päpstlichenMahnung vorgeführt, zunächst in Rom und im übrigenItalien, dann in Spamcn, Frankreich, Belgien, Holland .Großbritannien, Amerika, Deutschland und Oesterreich-.Ungarn. Als um die thomistische Bewegung besonders'verdiente Männer lernen wir kennen 1?. Libcratore 8. .7..Cardinal Zigliara O. Urasä., Cardinal Gonzalez O.Urasä.,U. Dummermnth O. Urasä., das Dreiblatt Morgott-Schueid-Stöckl, Commer, Ccslaus M. Schneider. Kiß.