Ausgabe 
(6.10.1897) 58
 
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welchen die Cooperatoren täglich oder doch mehrere Malein der Woche der Gottesdienste und der Schulen wegenexkurriren müssen. Nicht selten liegen die Filialen indirekt entgegengesetzter Richtung und müssen, so lange derPriestermangel nicht vollständig gehoben ist, häufiy vonEinem Priester versehen werden. Da kann es sich er-eignen, daß ein solcher Priester au manchen Tagen wegendes Besuchs der Kranken, wegen einfallender Provisurennach verschiedenen Richtungen stundenlange Wege zurück-zulegen hat. Wäre es nicht eine Härte, dem Geistlichenm dieser Lage den Gebrauch des Fahrrades, das ihmzwei Drittel der auf so weite Gänge zu verwendendenZeit und Kraft erspart, gänzlich zu untersagen?

9. Bei plötzlich eintretender Todesgefahr in Folgevon Unglücksfälleu und akuten Krankheiten gewährt esgroßen Trost, wenn der Priester schnell erscheinen kann,um die Tröstungen der hl. Religion zu spenden, und Nie-mand wird daran Anstoß nehmen, wen» er auf dem Fahr-rad noch rechtzeitig ankommt. Es sind bereits öfter solcheFälle vorgekommen, in welchen es nur das Veloeipedmöglich machte, einem Sterbenden die hl. Sakramente zureichen. Im Interesse der Sache ist zu wünschen, daßdie Seelsorger derartige Fälle ihren hochwürdigsten Ordi-narien berichten. Dabei wäre auch die Krage zu erörtern,ob es angänglich wäre, daß ein Priester, wenn er dasAllcrhciligste nicht aus einer Kirche in der Nabe desVerunglückten oder Schwerkranken hcrbeibringen könnte,mit Chorrock und Stola bekleidet und mit einem Lichteversehen, selbst auf einem Fahrrade die hl. Wegzehrungaus der Pfarrkirche überbringe. Bei der großen LiebeJesu zu den Kranken und seinem heißen Verlangen nachVereinigung mit den im Tode Ringenden möchte ich dieseFrage nicht ohne weiters verneinen, und wenn ein Priesterseinem Ordinarius nachträglich berichtete, er hätte es so,wie beschrieben, gemacht und dadurch einen Sterbendennoch mit der hl. Eommnnion beglückt, so möchte ich be-zweifeln, ob er wegen vorschriftswidriger und unwürdigerBehandlung des Allcrbeilrgsten bestraft werden solle.

10. Ein Priester hat öfter das Bedürfniß, anderePriester zu besuchen, z. B. um in schwierigen Fällen sichRath All erholen, um zu beichten, um den vorgeschriebenenPastoralconferenzen beizuwohnen, um die Freundschaft zupflegen und über seelsorgliche Angelegenheiten oder auchwißenschaftliche Gegenstände fleh zu besprechen und zuunterhalten. Alle diese gewiß lobenswerthen Zweckewerden durch das Radfahren wesentlich gefördert.

11. Der Vergnügungssucht darf das Veloeiped vonPriestern niemals dienstbar gemacht werden. Der Wirths-hausbesuch der Geistlichen darf durch dasselbe nicht vermehrtwerden. Es darf nicht dazu benützt werden, um an jedemTag anderswohin einen Ausflug zu machen. Uebrigensmuß das Radfahren doch auch nicht allzu rigoros aufdie scelsorglichen Zwecke eingeschränkt werden. Wenn eseinem Herrn Freude macht, wenn er auf dem Rade eineseiner Gesundheit förderliche Bewegung zu finden glaubt,so mag er auf Wegen und Straßen, die keinen allzufregnenten Verkehr ausweisen, mit Maß und Ziel auf demFahrrade sich vergnügen. Solches erscheint auch deßhalbals zulässig, weil das Radfahren auch erlernt sein will.Diesen Zweck wird man nicht erreichen, wenn man nichtauch außer den durch die Seelsorge veranlaßten Tourenauf dem Rade sich übt. Nicht alle jungen Priester könnendiese Kunst sich schon vor der Ordination aneignen,weil ihnen in den Stndentenjahren die Gelegenheit dazu,namentlich der Besitz eines Fahrrades mangelt. Es istmich kaum in der Ordnung, daß unsere meist armen Nd-spiranten des geistlichen Standes, die in den SeminarienFreiplätze genießen, für die Ferien kostspielige Fahrrädersich anschaffen, und sind Vorkommnisse dieser Art nichtmit Unrecht mißliebig aufgenommen worden. Darumkaun das Radfahren der Geistlichen zum Zwecke derUebung, wenn es nicht überhaupt gänzlich verboten werdensoll, kaum untersagt werden?)

12. Nach dieser Darlegung ist für die kirchliche Auk-

'') Der Student muß indeß, wenn er das Radfahrenlernen und üben will, nicht gerade ein eigenes Rad be-sitzen, er kann es ja auch entlehnen, und es wird dies umso leichter geschehen können, als der Student in denFerien auch in der Zeit, zu der die Besitzer von Veloci-peden arbeite n müssen, Muße zum Fahren haben wi rd.

torität reichlicher Anlaß gegeben, um bezüglich des Rad-fahrens der Geistlichen ordnend, leitend, verbietend ein-zugreifen. Es wird dies nicht in allen Diöcesen in gleicherWeise geschehen können, da die Verhältnisse in den ein-zelnen Kirchensprcngeln sehr verschieden sind. Die hoch-würdigsten Oberhirten werden es sich, wenn auch einigeallgemeine Grundsätze überall Geltung haben werden,jeder für sich überlegen müssen, wie sie den mit dem Rad-fahren der Priester leicht verbundenen Mißständen undGefahren am besten begegnen werden. Eine oberhirtlicheInstruktion über das Radfahren der Geistlichen dürftesich allenthalben als unentbehrlich herausstellen. Wo manden Priestern den Gebrauch des Fahrrades gänzlich ver-bieten zu müssen glaubte, werden die kirchlichen Oberenkaum umbin können, in manchen Fällen Dispenfation ein-treten zu lassen. Möge die Sache geordnet werden wieimmer, jedenfalls ist der Wunsch gerechtfertigt: Mögees den hochwürdigsten Ordinarien erspart bleiben, wegenUngehorsams gegen ihre diesbezüglichen Verordnungenvoll ihrer Strafgewalt Gebrauch machen zu müssen! Diesgebe Gott!

München im September 1897. Dr. 8. k?

Recensionen und Notizen.

U. L.Für unsere Frauen und Töchter."Unter diesem Titel reicht die unermüdliche SchriftstellerinEmn Gordon zu Würzburg (Neibclsgasse l'/-,) der ka-tholischen Frauenwelt Deutschlands eine in monatlichenLieferungen erscheinende Zeitschrift, welche längst Be-dürfniß war und bei ihrer reichen, überaus praktischenAusstattung mit warmer Sympathie zu begrüßen ist.Eine Serie zweckentsprechender Artikel wird h.erin mitzahlreichen Zeichnungen lind Mustern, wie sich solche inderi Modejournalen finden, verbunden. Der Oekonomiedes Haushaltes im weiteren und engeren Sinne desWortes, wie allen Ncuernngen, ist hier Rechnung getragen,und soll zugleich den auf Erwerb Angewiesenen An-leitung zur Erwerbsthätigkeit gegeben werden. Die erstevor uns liegende Nummer enthält außer anderem Fol-gendes: Welche Anforderungen stellt unsere Zeit anFrauen und Töchter? Hanstöchtcrchen und Dienstbote(von Emu Gordon). Wie kleidet man sich am besten?(mit Modebericht, Promenade-Costümen, Kleid aus Fou-lard). 1. Leitfaden zur Anfertigung kirchlicher Arbeiten(mit Mustern zu Häkel-, Filet- und Krenzsticharbeiten,von Rhenana). Handarbeiten mit Abbildungen. 2. Mohn-blumen, Anweisung zur Anfertigung mit Abbildungen:ebenso 3. Tischläufer mit Kreuzstickerei; 4. Häkelspihe mitZackenlitze. Waschechte Malfarben. Einige Rathschlägefür die Pflege und Erziehung skrophulöser Kinder vonDr. mock. Möser, Arzt in Karlsruhe . Zimmergärtnerei.Hallswirthschaft (für die Küche u. dgl.). Schließlich folgtZeitvertrerb". All dieses liefert Nr. 1 der ZeitschriftFür unsere Frauen und Töchter". Diese ist eine Bei-lage zuDie katholische Welt" und wird mit der weiterenBeilageDer Büchertisch" monatlich (mitsammt der kath.Welt) um 40 Pfennige, der ganze Jahrgang um den Preisvoll M. 4,80 bezogen. Nimm und lies einmal, und dulvirst von der allbekanntenKatholischen Welt" und denBeilagen im hohen Grade befriedigt sein. Zugleich lädtEmy Gordon zur Mitarbeiterschaft, zu Rathschlägen u.dgl. ein.

Reiß C., Die Naturheilmethode bei Erkältungs-krankheiten (Schnupfen. Husten. Rheuma-tismus , Augenleiden, Grippe, Influenzau.s.w.). Berlin , Steinitz, 1897. 8°, 64 S. M. 1,00.

Das vorliegende Bändchen bespricht alle jene Er-krankungssormeu, bei deren Entwicklung die Erkältungdie ausschließliche Ursache abgibt, oder bei deren Ent-stehung resp. Wiederausbruch die Erkältung in mehr oderweniger hohem Maße mitbetheiligt ist. Diese untereinanderganz verschiedenartigen Erkrankunasformen, zu denen diekatarrhalischen Erkrankungen der Luftwege, die rheuma-tischen Leiden, gewisse Augenübel rc. rc. gehören, faßte derVerfasser sehr passend unter den NamenErkältungskrank-heiten " zusammen. Als besonderer Vorzug des Buchessei hervorgehoben die Sorgfalt, mit welcher das bei denErkältungskrankheiten doppelt wichtige Kapitel über dieVerhütung behandelt ist. Die Frage der Abhärtung, Be-kleidung rc. ist hier auf's eingehendste erörtert.

Verantw. Redacteur: Ad.HaaZ in Augsburg. Druck». Verlag des Lit.Instituts von Haas LGrabherr in Augsburg.